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Kampf gegen Ebola: US-Gesundheitsbehörde gesteht Fehler ein

Klinik in Dallas: "Ich wünschte, wir hätten ein Spezialteam geschickt" Zur Großansicht
AP/dpa

Klinik in Dallas: "Ich wünschte, wir hätten ein Spezialteam geschickt"

Der zweite Ebola-Fall in den USA wäre vermeidbar gewesen, räumt der Chef der US-Gesundheitsbehörde ein. Kollegen der infizierten Pflegerin behaupten, es habe gar keine Richtlinien für den Umgang mit dem Virus gegeben.

Genf/Washington - Die US-Gesundheitsbehörde CDC hat eingestanden, beim ersten Ebola-Fall im eigenen Land falsch reagiert zu haben. "Ich wünschte, wir hätten an dem Tag, als der erste Patient mit Ebola diagnostiziert wurde, ein Spezialteam geschickt", sagte CDC-Leiter Tom Frieden. Dass sich eine Krankenschwester bei einem Patienten angesteckt hat, "hätte man verhindern können", so Frieden. Auf weitere Fälle sei man aber nun vorbereitet. Innerhalb weniger Stunden könne ein speziell geschultes Team in jedes Krankenhaus in den USA geflogen werden.

Die Pflegerin hatte sich trotz Schutzkleidung infiziert, anscheinend hatte sie mit einem kontaminierten Handschuh ihr Gesicht berührt. Eine Gewerkschaft der Krankenschwestern hatte zuvor eine Erklärung veröffentlicht, in der es heißt, die infizierte Pflegerin und ihre Kollegen seien über die nötigen Sicherheitsvorkehrungen nicht informiert worden: "Wurde gegen die Richtlinien verstoßen? Es gab gar keine Richtlinien."

Wie hoch die Ansteckungsgefahr mit dem Ebola-Virus für Ärzte und Pfleger ist, beweisen auch die Zahlen der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen": 16 Mitarbeiter der Hilfsorganisation haben sich in Westafrika mit Ebola infiziert, neun sind bereits gestorben. Das berichtet die Nachrichtenagentur AP.

Barack Obama lädt Regierungschefs zur Videokonferenz

US-Präsident Barack Obama hat für Mittwoch eine Videokonferenz mit den Staats- und Regierungschefs von Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien angesetzt, um mögliche Strategien im Kampf gegen Ebola zu besprechen.

"Die Welt als Ganzes tut nicht genug", sagte Obama. Es gebe eine Reihe von Staaten, die sich bisher bei der Bekämpfung der Seuche nicht engagiert hätten, obwohl sie über die nötigen Kapazitäten verfügten. Und auch die Länder, die schon Beiträge leisteten, müssten sich noch stärker einsetzen.

Von Ebola seien alle Bevölkerungen direkt bedroht, es gebe keinen Ort, "der mehr als ein paar Flugstunden entfernt ist", so Obama. Die Weltgesundheitsorganisation hatte zuvor eine erschreckende Prognose veröffentlicht: Sie erwartet bis Dezember pro Woche zwischen 5000 und 10.000 neue Ebola-Fälle in Westafrika.

2700 zusätzliche Klinikbetten benötigt

Die US-Regierung will den Kongress um zusätzliche Finanzmittel zur Bekämpfung der Seuche bitten. 750 Millionen US-Dollar sind bereits aus dem Budget des US-Verteidigungsministeriums bereitgestellt worden. Mit dem Geld sollen 17 Behandlungs- und Trainingszentren in Liberia, Guinea und Sierra Leone aufgebaut werden.

Bis Anfang Dezember würden unter anderem 2700 zusätzliche Klinikbetten benötigt, sagte der Leiter der Ebola-Mission der Uno am Dienstag bei einer Sitzung des Uno-Sicherheitsrats. "Wir brauchen mehr medizinisches Fachpersonal, eine bessere Logistik, Transportmittel, Mobiltelefone und Generatoren", so Anthony Banbury. Benötigt würden außerdem Diagnose-Labore, Schutzanzüge und etwa tausend Fahrzeuge.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien kündigte an, ein spezielles Gerät zur rascheren Diagnose von Ebola bereitzustellen. Damit könne das gefährliche Virus bereits innerhalb weniger Stunden bei Patienten nachgewiesen werden. Die Geräte sollen zunächst in Sierra Leone zum Einsatz kommen, später auch in Liberia und Guinea.

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vet/AP/Reuters/dpa

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1. Richtlinien?
firenafirena 15.10.2014
Bei allem Verständnis für den Ärger des Pflegepersonals, aber wie arbeiten die denn sonst? Jeder Biologie-Doktorand ist in der Lage, unter S2 oder S3-Bedingungen im Labor zu arbeiten ohne sich ständig ins Gesicht zu fassen. Und da trägt keiner einen "Raumanzug".Dasselbe ist ja auch in Madrid geschehen. Natürlich ist es ein Unding, dass offenbar keine spezielle Schulung stattgefunden hat, aber muss man den Leuten denn alles sagen? Wenn ich mit einem derart gefährlichen Erreger arbeite und überhaupt mit infektiösen Patienten, dann überlege ich mir doch umso mehr, wie ich was anfasse und in welcher Reihenfolge ich meine Kleidung ausziehe. Und den unbewussten Griff ins Gesicht während man Handschuhe trägt, kann man sich sehr wohl abgewöhnen!
2. Richtlinien
firenafirena 15.10.2014
Bei allem Verständnis für den Ärger des Pflegepersonals, aber wie arbeiten die denn sonst? Jeder Biologie-Doktorand ist in der Lage, unter S2 oder S3-Bedingungen im Labor zu arbeiten ohne sich ständig ins Gesicht zu fassen. Und da trägt keiner einen "Raumanzug".Dasselbe ist ja auch in Madrid geschehen. Natürlich ist es ein Unding, dass offenbar keine spezielle Schulung stattgefunden hat, aber muss man den Leuten denn alles sagen? Wenn ich mit einem derart gefährlichen Erreger arbeite und überhaupt mit infektiösen Patienten, dann überlege ich mir doch umso mehr, wie ich was anfasse und in welcher Reihenfolge ich meine Kleidung ausziehe. Und den unbewussten Griff ins Gesicht während man Handschuhe trägt, kann man sich sehr wohl abgewöhnen!
3. Westliches Gesundheitssystem anscheinend doch nicht immun
Wirbelwind 15.10.2014
Das westliche Gesundheitssystem ist anscheinend doch nicht immun gegen Ebola wie die Experten zuvor immer behauptet haben. War ja auch irgendwie klar. Viele risikoreiche Verhaltensweisen laufen eher unterbewusst ab. Um die loszuwerden braucht es mehr als einen einwöchigen Crash-Kurs. Dass sich westliche Krankenhäuser schon seit Jahren ohne durchschlagenden Erfolg mit multiresistenten Keimen herumschlagen, zeigt ja deutlich wie schwierig es tatsächlich ist, die Ausbreitung von Krankheitserregern zu kontrollieren.
4.
silversurfer47 15.10.2014
Dazu passt ja die Nachricht von heute morgen, in der Obama einzelne Länder auffordert sich mehr zu engagieren. Und sein Ministerium hat die Lage noch nicht mal richtig im Griff?
5. Reichen die bereitgestellten Mittel?
SteFu 15.10.2014
Jeder kann sich auf der Seite der WHO die Daten mit den Falldaten ziehen (Warum muss man das per Hand machen und in die pdf-Daten schauen? Es wäre einfacher diese gleich im berechenbaren Format zu haben. siehe: situation assessments zu Ebola oder die DONs für frühere Daten). Es ist nun sehr einfach an den zeitlichen Verlauf eine Exponentialfunktion anzupassen. Setzen wir den 8 Juli 2014 willkürlich als Starttag fest, dann ergibt sich der folgende zeitlich Verlauf für die Zahl der Toten: f(t)= 534 * exp(t*0.0223962/Tag). Dabei gibt f(t) Zahl der Toten und t die Anzahl der Tage ab den 8 Juli an. Der zeitliche Verlauf von f(t) folgt mit fast „morbider“ Genauigkeit den Daten der WHO. Das Modell entspricht extrem gut den Daten. Man kann hier leider kein Bild zeigen, aber machen wir eine Stichprobe: 0. Tag (8 Juli 2014): WHO -> 539 , f(0)= 534, 24. Tag (Fr. 1 Aug. 2014) WHO:887, f(24)= 914, Tag 60. (Sam. 6 Sept) WHO:2288, f(60)= 2047, 91. Tag (Di. 7 Oct 2014) WHO: 4024, f(91)= 4100 Anhand dieses Verlaufes kann man im Vergleich mit den Datenpunkten kein menschliches Eingreifen festmachen (es gibt keinen Knick oder so etwas). Die betroffen Länder befinden quasi im freien Fall. Was bringt uns die Zukunft. Hier die Vorausberechnung: In einem Monat am 15. Nov 9819 Tote. In zwei Monaten 19225 Tote (Mon. 15 Dezember). In drei Monaten (Di. 15 Januar 2015) 38 494 Tote. Die Gesamtzahl der Infizierten ist in etwa immer doppelt so hoch. Ich frage mich da was unsere Regierung unternimmt? Wer denkt das die bereitgestellten Mittel reichen? Kann man da noch eine Bedrohung des Westens ausschließen (egoistisch gefragt)?
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