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Experimentelles Medikament: USA ermöglichen Einsatz von Ebola-Mittel in Westafrika

Ärzte in Sierra Leone (Archiv): Experimentelles Ebola-Mittel könnte getestet werden Zur Großansicht
REUTERS

Ärzte in Sierra Leone (Archiv): Experimentelles Ebola-Mittel könnte getestet werden

Ein bislang nur für klinische Tests zugelassenes Medikament könnte helfen, die Ebola-Epidemie in Westafrika einzudämmen. Die US-Behörden haben Beschränkungen für das Mittel TKM-Ebola aufgehoben - damit könnte es Infizierten verabreicht werden.

Washington - Gegen Ebola gibt es bislang kein wirksames Medikament oder gar einen Impfschutz. Derzeit werden zwar mehrere Medikamente und Impfungen entwickelt. Aber kein Mittel ist bislang ausgiebig in Versuchsreihen mit menschlichen Probanden getestet worden. Um die Ausbreitung des Virus in Westafrika zu stoppen, hat die US-Lebensmittel- und Medikamentenbehörde FDA nun die Beschränkungen für ein neues, noch nicht zugelassenes Medikament gelockert.

Die in Kanada ansässige Firma Tekmira teilte mit, dadurch könnte das Mittel TKM-Ebola mit dem Virus infizierten Patienten in Westafrika verabreicht werden. Die FDA habe die Beschränkungen für das Medikament teilweise aufgehoben. Zuvor sei es nur für klinische Tests zugelassen gewesen. Die FDA muss experimentelle Behandlungen in den USA erlauben. Allerdings hat die Behörde keinen Einfluss darauf, ob derartige Mittel in anderen Ländern verabreicht werden.

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Ebola-Epidemie: Kampf um Kontrolle

Dem Hersteller zufolge hatte die FDA die Beschränkungen auferlegt, weil zusätzliche Informationen gewünscht waren, bevor das Mittel an menschlichen Probanden getestet werden sollte. Am 21. Juli hatte Tekmira mitgeteilt, die FDA habe eine Testreihe an 28 gesunden Menschen, die sich freiwillig gemeldet hatten, gestoppt.

Studien mit Affen hatten Indizien ergeben, dass TKM-Ebola das Virus stoppen könnte. Nach Angaben von Tekmira zeigten die Versuche, dass TKM-Ebola "hundertprozentig" gegen Ebola wirke.

Das Mittel wurde gemeinsam mit dem US-Verteidigungsministerium entwickelt. Tekmira hat mit der US-Regierung einen Vertrag über 140 Millionen Dollar zur Entwicklung des Medikaments abgeschlossen. Im März hatte die FDA Tekmiras Ebola-Mittel auf die "Überholspur" gesetzt. Dieser Status ermöglicht es, Medikamente schneller zur Zulassung zu bringen, weil Hersteller häufiger Termine mit Wissenschaftlern der FDA bekommen.Die FDA bestätigte die Tekmira-Mitteilung nicht. Man dürfe laut Vorschrift keine Informationen über experimentelle Medikamente preisgeben, sagte eine Sprecherin.

Zwei mit Ebola infizierte US-Amerikaner waren mit einem anderen experimentellen Medikament behandelt worden. ZMapp, hergestellt von Mapp Biopharmaceutical Inc. in San Diego, soll das Immunsystem stärken, um Ebola zu bekämpfen. Die beiden Patienten waren zuerst in Liberia behandelt worden.

Ebola hat sich seit Anfang des Jahres von Guinea nach Sierra Leone und Liberia ausgebreitet. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben bislang in Westafrika 932 Menschen an dem aggressiven Erreger. Mehr als 1700 Menschen infizierten sich mit dem Virus. WHO-Experten wollen am Freitag in Genf mitteilen, ob die Epidemie als internationale Krise eingestuft wird.

ulz/AFP/AP

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1. 140 Millionen Dollar
odapiel 08.08.2014
für ein Mittel gegen Ebola, ein Virus an dem bisher weltweit weniger als 10,000 Menschen gestorben sind. Aber kein Geld für die Weiterentwicklung von Antibiotika gegen MRSA, Super-Gonorrhoe, MDR-Tuberkulose und ähnliche multi-resistente Keime, und daran sterben Jahr für Jahr bis zu 40,000 Menschen allein in Deutschland. Honi soit qui mal y pense.
2. super
pollypupsi 08.08.2014
Das ist die billigste klinische Studie aller Zeiten. Hoffentlich haben die armen Afrikaner auch was davon.
3. Verwirrend
j.vantast 08.08.2014
Zitat von sysopAPEin bislang nur für klinische Tests zugelassenes Medikament könnte helfen, die Ebola-Epidemie in Westafrika einzudämmen. Die US-Behörden haben Beschränkungen für das Mittel TKM-Ebola aufgehoben - damit könnte es Infizierten verabreicht werden. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/ebola-usa-lockern-beschraenkungen-fuer-experimentelles-medikament-a-985078.html
Wenn der Hersteller des Medikaments in Kanada sitzt, was hat die FDA dann da zu entscheiden? Hat Kanada keine eigene Behörde? Das ist wohl kaum glaubhaft. Na das wäre ja wohl auch noch schöner. Nach diesem Artikel darf das Medikament also in den USA verabreicht werden. Und was nützt das den Betroffenen in Westafrika? Oder sehen die USA da jetzt ein Heer von Probanden an denen das Medikament getestet werden kann? Oder wollen die USA nur ihre eigene Bevölkerung vor Ebola schützen? Ich begrüsse jegliche Hilfe für die Betroffenen in Westafrika, aber dass die USA jetzt selbstlos teure Medikamente nach Westafrika liefern um der Bevölkerung dort zu helfen? Kurz Zusammengefasst: Ein kanadisches Unternehmen hat ein Medikament entwickelt. Die FDA hat das Medikament nun für die USA freigegeben. Wenn ich jetzt den Titel "USA ermöglichen Einsatz von Ebola-Mittel in Westafrika" lese, so widerspricht das dem Artikel.
4. @odapiel
strayboy 08.08.2014
Naja, haben sie mal nachgeschaut, wieviel Geld fuer die Entwicklung neuer Antibiotika aufgewendet wird? Zwischen 2008 und 2013 hat Grossbritannien mehr als 100 Millionen Euro und die EU mehr als 200 Millionen Euro aufgewendet. 2013 wurde in de EU die "Innovative Medicines Initiative" is Leben gerufen und die ersten beide Forschngsprojekte erhielten 200 Millionen Euro. Mag ja alles viel zu wenig sein, aber zu sagen "kein Geld" ist voelliger Unsinn.
5.
sample-d 08.08.2014
Zitat von j.vantastWenn der Hersteller des Medikaments in Kanada sitzt, was hat die FDA dann da zu entscheiden? Hat Kanada keine eigene Behörde? Das ist wohl kaum glaubhaft. Na das wäre ja wohl auch noch schöner. Nach diesem Artikel darf das Medikament also in den USA verabreicht werden. Und was nützt das den Betroffenen in Westafrika? Oder sehen die USA da jetzt ein Heer von Probanden an denen das Medikament getestet werden kann? Oder wollen die USA nur ihre eigene Bevölkerung vor Ebola schützen? Ich begrüsse jegliche Hilfe für die Betroffenen in Westafrika, aber dass die USA jetzt selbstlos teure Medikamente nach Westafrika liefern um der Bevölkerung dort zu helfen? Kurz Zusammengefasst: Ein kanadisches Unternehmen hat ein Medikament entwickelt. Die FDA hat das Medikament nun für die USA freigegeben. Wenn ich jetzt den Titel "USA ermöglichen Einsatz von Ebola-Mittel in Westafrika" lese, so widerspricht das dem Artikel.
Ich vermute mal dadurch hat die Firma die Erlaubnis das Mittel an amerikanische Ärzte abzugeben - und diese die Möglichkeit es zu kaufen und anzuwenden ohne sich in den USA strafbar zu machen ? Wenn sie es dann den Einsatz in den betroffenen Ländern anbieten werden die örtlichen Behörden sicherlich nicht ablehnen.
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Das Ebolavirus
Ebolafieber
Die Erkrankung beginnt wie eine Erkältung: Fieber, Kopf-, Hals- und Muskelschmerzen sind meistens die ersten Symptome. Hinzu kommen Übelkeit und, nach fünf bis sieben Tagen, schwere Schleimhautblutungen im Magen-Darm- und Genitaltrakt. Die für die Blutgerinnung wichtigen Blutplättchen (Thrombozyten) sind bei vielen Patienten stark verringert, die Patienten drohen innerlich zu verbluten. Später versagen die Nieren ihren Dienst, schließlich das Herz-Kreislauf-System. Eine Heilung gibt es bislang nicht, 50 bis 80 Prozent aller Betroffenen sterben.
Virus
Die Viren stammen vor allem aus Afrika und Südostasien. Sie gehören zu den sogenannten Filo-Viren, von denen bislang drei Stämme bekannt sind (Ebola-, Marburg- und Reston-Virus). Vor allem Ebola- und Marburg-Virus ähneln sich stark und lassen sich anhand der Symptome beim Menschen nur schwer unterscheiden. Allerdings unterscheiden sie sich in ihren Antigenstrukturen.
Ansteckung
Die Übertragung der Ebolaviren von Mensch zu Mensch findet durch infizierte Körpersekrete statt. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis 21 Tage. Ist von einer Infektion noch nichts bekannt, können sich die Viren innerhalb eines Krankenhauses immer dann ausbreiten, wenn Hygienemaßnahmen nicht streng verfolgt werden. Zur Vermeidung von Ansteckungen muss das Krankenhauspersonal engen Kontakt zum Infizierten meiden und ihn isolieren. Vor allem mit Blut und anderen Sekreten kontaminiertes Material muss fachgerecht entsorgt werden.

In Deutschland gibt es in neun Städten Sonderisolierstationen: in Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Düsseldorf, Leipzig, Würzburg, Stuttgart und Saarbrücken.
Nachweis
Um eine Infektion mit Ebolaviren zu diagnostizieren, muss ein Labor entweder die Viren selbst, Bestandteile oder spezifische Antikörper gegen die Erreger nachweisen. Es besteht Meldepflicht.
Epidemien
Häufig gehen Epidemien beim Menschen von infizierten Menschenaffen aus, der Hauptwirt des Virus ist jedoch noch nicht bekannt.

2000 erkrankten in Uganda 425 Menschen bei ein Epidemie, mehr als die Hälfte (53%) starb.

2003 breitete sich das Virus in Kongo-Brazzaville aus, 140 Menschen erkrankten, 123 starben.

2007 war wieder Uganda betroffen: Laut Weltgesundheitsbehörde WHO erkrankten 121 Menschen, 35 fielen der Infektion zum Opfer.

2009 war die Demokratische Republik Kongo betroffen: Von 36 Betroffenen starben nach Angaben der WHO zwölf.

Seit Dezember 2013 grassiert das Ebolavirus in Westafrika. Es ist der bisher größte bekannte Ausbruch. Bis Mitte August 2014 starben mehr als 1000 Menschen an den Folgen einer Infektion.

Zu weiteren Ausbrüchen kam es im Sudan, Gabun und an der Elfenbeinküste.

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