Kollaps in Jobcenter Verdacht auf Ebola - Frau in Berliner Klinik eingeliefert

Eine 30-Jährige ist in einem Berliner Jobcenter mit Infektionssymptomen kollabiert. Weil ein Mitarbeiter der Behörde vermutete, die Frau könne an Ebola erkrankt sein, kam es zum Großeinsatz. Laut Feuerwehr hatte die Frau die typischen Symptome.


Berlin - Aufregung in einem Jobcenter in Berlin-Pankow: Am Dienstagvormittag hat eine 30-jährige Frau mit Symptomen einer Infektionskrankheit einen Kreislaufzusammenbruch erlitten. Medienberichten zufolge hatte ein Mitarbeiter des Arbeitsamts einen Verdacht auf Ebola geäußert, woraufhin das Gelände abgesperrt wurde.

Die 30-jährige Patientin habe die typischen Anzeichen der Infektionskrankheit wie hohes Fieber gezeigt, sagte ein Feuerwehrsprecher vor dem Jobcenter. Ihren Angaben zufolge war ein Notarzt unterwegs in das Jobcenter, die Polizei sperrte das Gelände aus Sicherheitsgründen weiträumig ab.

Wie die "Berliner Zeitung" berichtet, soll die 30-Jährige gesagt haben, sie habe in ihrem Heimatland Kontakt zu Ebola-Patienten gehabt. Den Berichten zufolge stammt die Frau aus Westafrika, genaue Angaben zu ihrer Herkunft machten die Behörden jedoch nicht.

Die Frau wurde erst in einem Notarztwagen isoliert und dann zur Untersuchung in die Infektionsabteilung des Virchow-Klinikums der Berliner Charité gebracht. Dort gibt es eine Isolierstation für Seuchenfälle. Wie der Feuerwehrsprecher mitteilte, wurden auch die Menschen, die mit der Frau Kontakt hatten, in eine Klinik gebracht. Andere Besucher durften das Gebäude inzwischen wieder verlassen.

Viele Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Malaria oder Grippe (Influenza) beginnen mit den gleichen unspezifischen Symptomen wie die Ebola-Krankheit: mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Erbrechen und Durchfall. Um eine Infektion mit dem Ebolavirus zu bestätigen, sind Laboranalysen notwendig. Ebola lässt sich nur über einen Bluttest nachweisen.

Auch in Spanien war am Dienstag erneut ein Ebola-Verdachtsfall aufgetreten: Wegen einer möglichen Infektion wurde ein Patient in der baskischen Wirtschaftsmetropole in Bilbao in die Quarantänestation eines Krankenhauses gebracht. Wie die Gesundheitsbehörden mitteilten, war der Mann kürzlich von einer Dienstreise aus dem westafrikanischen Land Sierra Leone zurückgekehrt. Laboruntersuchungen sollen nun klären, ob er sich mit dem gefährlichen Virus infiziert hat.

In Westafrika steigen die Zahlen der Ebola-Opfer weiter an. Alleine zwischen dem 14. und 16. August sind laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 113 neue bestätigte Fälle und Verdachtsfälle gemeldet worden. Demnach sind innerhalb dieser drei Tage insgesamt 84 dieser Patienten gestorben.

Damit sind den offiziellen Angaben zufolge inzwischen 1229 Menschen an Ebola gestorben. Doch die Gesundheitsbehörde befürchtet, dass die Fallzahlen in Wahrheit noch viel höher sein könnten: Vor allem in ländlichen Gebieten werden längst nicht alle Erkrankungen und Sterbefälle von den nationalen Behörden registriert.

Von den 1229 registrierten Todesfällen seien 760 eindeutig als Folge einer Infektion mit dem Ebolavirus bestätigt, teilte die WHO am Dienstag mit. Bei den anderen Todesfällen bestehe ein begründeter Verdacht auf Ebola. Der Grund für diese Differenz: Tote, bei denen eine Ebola-Infektion nicht zu Lebzeiten festgestellt worden war, werden im Nachhinein aus Sicherheitsgründen nicht mehr auf Ebola getestet.

Die Bemühungen um die Eindämmung der Epidemie seien weiter verstärkt worden, berichtete die WHO: Die Regierungen der betroffenen Länder haben demnach inzwischen mehrere Quarantänezonen eingerichtet. Dazu gehören auch ganze Städte - unter anderem Guéckédou in Guinea, Kenema und Kailahun in Sierra Leone sowie Foya in Liberia.

Unterdessen sind drei Tage nach der Erstürmung und Plünderung einer Isolierstation für Ebola-Kranke in Liberias Hauptstadt Monrovia die 17 geflohenen Patienten wieder aufgetaucht. Die Vermissten hätten sich selbst in einem Krankenhaus der Hauptstadt gemeldet, sagte Informationsminister Lewis Brown am Dienstag. In der Nacht zu Sonntag hatte eine Menge überwiegend junger Leute im Armenviertel West Point die kürzlich in einer Schule eingerichtete Krankenstation gestürmt, geplündert und die dort untergebrachten Patienten freigelassen.

cib/irb/dpa/AFP



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