Ebola Helfer in Gefahr

Ärzte, Krankenschwestern, Wissenschaftler - die Ebola-Epidemie fordert viele Opfer unter den Helfern. Wieso stecken sich so viele Fachkräfte an?

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Es ist eine kurze Anmerkung am Ende der Pressemitteilung, in Klammern gesetzt, aber sie ist dennoch alles andere als nebensächlich: "Tragischerweise haben sich fünf Co-Autoren, die in Sierra Leone zur Forschung und zur medizinischen Versorgung beigetragen haben, im Zuge ihrer Arbeit mit Ebola infiziert und den Kampf gegen die Krankheit verloren, bevor diese Studie veröffentlicht wurde."

Fünf der insgesamt knapp 60 Autoren, die über dem Fachartikel zur Genanalyse der in Westafrika zirkulierenden Ebola-Viren stehen, der im Wissenschaftsmagazin "Science" veröffentlicht wurde, sind tot.

Einer der Verstorbenen ist Sheik Humarr Khan, einer der in Sierra Leone bekanntesten Ärzte, der als nationaler Held geehrt wurde. Wie die anderen vier Ebola-Opfer arbeitete er am Government Hospital in der Stadt Kenema.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO haben sich bei der Epidemie in Westafrika mehr als 240 Ärzte, Pfleger und andere Helfer infiziert, mehr als die Hälfte von ihnen sind an der Krankheit gestorben. Dass sich so viele Fachkräfte anstecken, liegt nach Ansicht von Experten in erster Linie an den schlechten Bedingungen vor Ort.

Nicht vergleichbar mit Isolierstationen in Deutschland

Ebola wird über den Kontakt mit Körperflüssigkeiten eines Infizierten übertragen - außer Blut auch Urin, Erbrochenes, Speichel und Schweiß. Dieser Kontakt kann auch indirekt erfolgen, also über verunreinigte Kleidung, Bettlaken oder Türknäufe. Die Menge der Viren in den Körperflüssigkeiten der Erkrankten ist enorm hoch.

Pflegekräfte tragen deshalb am gesamten Körper Schutzkleidung, nach Kontakt mit Patienten müssen sie diese desinfizieren, bevor sie sich entkleiden. Sonst können sie sich an der kontaminierten Kleidung anstecken. Gleichzeitig ist die Arbeitsbelastung der Helfer in Westafrika immens, dazu kommt eine meist nicht optimale Ausstattung, die in keiner Weise etwa mit der auf Isolierstationen in Deutschland vergleichbar ist. So passieren Fehler.

"Im Prinzip reicht es, wenn jemand einen Fehler macht und zum Beispiel mit einem kontaminierten Handschuh eine Türklinke anfasst und kurz darauf diese Klinke ungeschützt berührt und die Viren dann bei einem kurzen Streichen durchs Gesicht an Schleimhäute gelangen", sagt Bernhard Fleischer vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut (BNI). Wissenschaftler des BNI waren schon bei früheren Ebola-Ausbrüchen in Afrika, derzeit ist ein Forscher in Nigeria.

Ebola-Fälle im Hotel

Der britische Krankenpfleger, der vor Kurzem von Sierra Leone nach London ausgeflogen wurde, hat sich vermutlich bei einem Kleinkind angesteckt. Dessen Mutter war eine Ebola-Patientin in der Klinik, der Einjährige wurde zunächst negativ auf Ebola getestet. Der Brite und andere kümmerten sich um das Kind, das wenige Tage darauf jedoch erkrankte und wahrscheinlich nicht nur den Pfleger, sondern auch eine Krankenschwester infizierte. Das Kind ist inzwischen gestorben.

Auch in der Vergangenheit hätten sich schon Pflegekräfte in Afrika bei ihrer Arbeit mit Ebola infiziert, sagt Fleischer. Bei der derzeitigen Epidemie, bei der sich Ebola in noch nie dagewesenem Ausmaß verbreitet, sind jedoch auch besonders viele Mediziner betroffen.

Zurzeit ist für sie nicht nur die Arbeit in Klinik und Labor ein Risiko. Die kanadischen Behörden haben am Dienstag bekannt gegeben, dass sie drei Labormitarbeiter aus Sierra Leone abziehen. Im Hotel, in dem die Helfer untergebracht waren, waren mehrere Gäste an Ebola erkrankt.

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Seite 1
kraichgau12 29.08.2014
1. es würde hier ganz genauso laufen...
Auch,wenn es Mitglieder des medizinischen Personals hierzulande ausschliessen, unter Stress-situationen wie zur Zeit dort würde es in D genau solche Fälle auch geben. Zumal vergessen wird zu berichten, das es dort über 30 Grad bei Regenzeit-feuchter Luft sind...in den Klamotten dort natürlich ohne A/C wird allein das Tragen Qual sein wundern tue ich mich weiterhin, wo all das Zeug,die mobilen Stationen etc wohl sein mögen,die die WHO seit April dorthin vernünftigerweise haette liefern können....
Mamis 29.08.2014
2. Indirekt - wie weit ?
Laut Artikel: ".... Ebola wird über den Kontakt zu Körperflüssigkeiten eines Infizierten übertragen ... Dieser Kontakt kann auch indirekt erfolgen, also über verunreinigte Kleidung, Bettlaken oder auch Türknäufe...". Wie weit kann der Virus über Oberflächen - Hand - Oberfläche - Hand - etc. weitergetragen werden? Wie lange kann er überleben? Hoffentlich nicht lange genug, um über Reisende und evtl über Waren jeglicher Art (Blumen, Gemüse, Früchte, Kleidung, ...) in (Transport-)Flugzeuge rund um die Welt zu gelangen!
firenafirena 29.08.2014
3.
Zitat von MamisLaut Artikel: ".... Ebola wird über den Kontakt zu Körperflüssigkeiten eines Infizierten übertragen ... Dieser Kontakt kann auch indirekt erfolgen, also über verunreinigte Kleidung, Bettlaken oder auch Türknäufe...". Wie weit kann der Virus über Oberflächen - Hand - Oberfläche - Hand - etc. weitergetragen werden? Wie lange kann er überleben? Hoffentlich nicht lange genug, um über Reisende und evtl über Waren jeglicher Art (Blumen, Gemüse, Früchte, Kleidung, ...) in (Transport-)Flugzeuge rund um die Welt zu gelangen!
Es gibt bisher nur sehr wenige Studien zu dem Thema. Grundsätzlich gibt es sehr viele Hinweise darauf, dass das Virus auf Oberflächen einige Stunden überlebt, sofern kein direkte Sonneneinstrahlung erfolgt und die Temperatur und Luftfeuchtigkeit in einem für das Virus optimalen Bereich liegen (20 - 25°C, 30-40% Luftfeuchtigkeit). Sobald das Virus direkter Sonneneinstrahlung aussetzt, wird es sehr schnell inaktiv. Welche Zeiträume da in welchem Fall gelten, weiß niemand. Allerdings gibt es aus früheren Ausbrüchen entsprechende Erfahrungswerte. Ich würde mal nicht davon ausgehen, dass Sie sich über einen Blumentopf im Supermarkt ausgerechnet Ebola holen...
firenafirena 29.08.2014
4.
Zitat von kraichgau12Auch,wenn es Mitglieder des medizinischen Personals hierzulande ausschliessen, unter Stress-situationen wie zur Zeit dort würde es in D genau solche Fälle auch geben. Zumal vergessen wird zu berichten, das es dort über 30 Grad bei Regenzeit-feuchter Luft sind...in den Klamotten dort natürlich ohne A/C wird allein das Tragen Qual sein wundern tue ich mich weiterhin, wo all das Zeug,die mobilen Stationen etc wohl sein mögen,die die WHO seit April dorthin vernünftigerweise haette liefern können....
Sagen Sie, bekommen Sie Geld dafür, krampfhaft die WHO zu diskreditieren? Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich oder andere Foristen Ihnen mit einer Engelsgeduld erläutert haben, wann welche Maßnahmen bereits durch die WHO eingeleitet wurden und Sie wiederholen lediglich gebetsmühlenartig Ihr Mantra. Warum Sind Sie eigentlich nicht da unten und helfen, wenn alle anderen Ihren Job so schlecht machen?
3-plus-1 29.08.2014
5. Wie der Noro-Virus
Also doch. Ebola wird nahezu identisch zum widerlichen Noro-Virus übertragen. Ein Virus, das ich in den 1990ern noch nicht kannte, dessen Ekelhaftigkeit ich aber nun alle 10-15 Monate erleben darf. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen. Es kommt einfach immer wieder, wenn man unter Menschen und in den ÖPNV muss. Tja, und dann gibt es hier die ganzen Schreier, die jeden lächerlich machen wollen, der dagegen ist Ebola-Kranke ins Land zu holen. Was soll da auch schon passieren? Nun, das Gleiche wie beim Noro-Virus: Es wird die Isolierstationen verlassen und sich in der Bevölkerung etablieren. So viele wie in Afrika werden nicht sterben aber die Bedrohung ist dann immer wieder zyklisch da, wenn wieder eine Epidemie durch die U-Bahn schappt. Aber das ist wohl auch so gewünscht. Anders kann ich mir das nicht vorstellen. Bei den hohen Stadtmieten und dem Leerstand auf dem Land, kann mal wohl nur auf diesem Wege eine Stadtflucht auslösen. Denn wo verbreiten sich Infektionen rasender als in Großstädten?
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