WHO-Plan Formel 70-70-60 soll Ebola stoppen

Ein Ebola-Kranker in Westafrika steckt im Schnitt zwei weitere Menschen an - kann diese Kette des Todes durchbrochen werden? Die Weltgesundheitsorganisation hat jetzt einen ambitionierten Plan.

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Genf - 8914 an Ebola Erkrankte, davon 4447 Todesfälle. Die neuesten Zahlen zur Ebola-Epidemie in Westafrika, die die Weltgesundheitsorganisation WHO am Dienstag vorgestellt hat, klingen exakt. Sie sind es aber nicht, das betont auch die WHO.

Es wird geschätzt, dass die Fallzahlen etwa doppelt so hoch sind. Informationen von Helfern, die vor Ort im Einsatz sind, belegen ohne Zweifel, so schreibt die WHO, dass viele Fälle nicht offiziell registriert werden können. Die Situation in Guinea verbessere sich nicht, in Liberia und Sierra Leone verschlimmere sie sich sogar von Woche zu Woche. Etwa 70 Prozent der Erkrankten sterben an der Ebola-Infektion.

Allein in Liberias Hauptstadt Monrovia gab es in den vergangenen drei Wochen jeweils 200 neue Ebola-Fälle, wobei ein Großteil davon bisher nicht durch Labortests bestätigt werden konnte. In Monrovia leben laut einem Zensus von 2008 rund eine Million Menschen.

Dass sich die Epidemie in Westafrika nicht innerhalb weniger Wochen eindämmen lässt, ist inzwischen allen klar. Die WHO hat deshalb ein neues Ziel gesteckt: 70-70-60.

Die Zahlen stehen für Folgendes:

  • 70 Prozent der Erkrankten sollen so behandelt werden, dass sie niemanden anstecken.
  • 70 Prozent der an Ebola Verstorbenen sollen mit entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen beerdigt werden, sodass sich niemand an der Leiche infiziert.
  • Die Kapazitäten für diese beiden Maßnahmen sollen in 60 Tagen, also im Dezember, bereitstehen.

Bis zu 10.000 neue Fälle - pro Woche

Das Ziel ist ausgesprochen ehrgeizig, betont Bruce Aylward, der den Ebola-Einsatz der WHO koordiniert. Für Anfang Dezember rechnet die Organisation mit 5000 bis 10.000 neuen Ebola-Fällen pro Woche. Entsprechend groß müssen also die Kapazitäten sein, die Kranken zu behandeln und die Toten sicher zu bestatten.

Jede Verzögerung macht es nur schlimmer, weil die Fallzahlen dann stetig weiter steigen und noch mehr Menschen sterben würden. Und noch mehr Helfer und Ressourcen benötigt würden, um das noch weiter verbreitete Virus einzudämmen.

Wird das gesetzte 70-70-60-Ziel im Dezember erreicht, sollte die Zahl der Neuinfektionen - mit etwas Verzögerung - zu sinken beginnen und die Epidemie abflauen. Zurzeit steckt ein Ebola-Kranker im Schnitt zwei Menschen an, die nach meist acht bis zehn Tagen selbst erkranken. Diese Ansteckungsrate ist es, die dringend gesenkt werden muss.

Erkrankte an der Grenze zur Elfenbeinküste

Doch noch ist diese Entspannung nicht in Sicht. Im Gegenteil. Ebola breitet sich in Sierra Leone, Liberia und Guinea geografisch gesehen weiter aus, sagt Aylward. Inzwischen gibt es auch Erkrankte in einer Grenzregion zur Elfenbeinküste. Und Befürchtungen, dass das Virus ein weiteres Land erreichen könnte.

Zurzeit können die Experten nicht einmal mit Sicherheit sagen, wie weit entfernt sie vom 70-70-60-Ziel sind. Schließlich kennt niemand die genaue Zahl der Erkrankten und der an Ebola Verstorbenen. Und während etwa in Monrovia große Fortschritte bei der sicheren Bestattung der Epidemie-Opfer gemacht wurden, wird dies in vielen anderen Regionen deutlich schwerer umzusetzen sein.

In einem Bericht vom 8. Oktober schätzt die WHO, dass in Guinea tatsächlich Betten in Therapiezentren für 76 Prozent der Ebola-Kranken zur Verfügung stehen. In Sierra Leone könnten jedoch nur etwa 26 Prozent, in Liberia nur 21 Prozent der Patienten adäquat behandelt werden.

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meinung2013 14.10.2014
1. und welchen Plan hat die WHO
wenn Ebola erst einmal in Europa angekommen ist? So abwegig ist das im Moment gar nicht: alleine nach Bayern kamen letzte Woche 2.000 Menschen aus Afrika. Wird die WHO wieder erstmal abwarten, beschwichtigen, verharmlosen - unsere Experten sind ja dann im Ausbruchsgebiet von Ebola. All diese, von Lobbyisten gesteuerten, Organisationen sind doch einfach nur noch zum lachen oder heulen.
lampenschirm73 14.10.2014
2.
Naja "Formel" hört sich toll an. Tatsächlich geht es darum Neuansteckungen so gut es irgendwie geht zu reduzieren. Da braucht man keine tollen "Formeln".
firefly 14.10.2014
3. Ein ehrgeiziges Ziel
Ein ehrgeiziges Ziel, dass die WHO da verfolgt. Nach den Zahlen dürfte in 60 Tagen die Zahl der akut Infizierten bei mindestens 10.000 -20.000 liegen. Man bräuchte also eine Kapazität für etwa 10.000 Infizierte. Diese müssen auch noch lokal über das ganze Land verteilt sein, da man die Infizierten ja nicht transportieren kann. Ob man überhaupt so viele Ärzte findet ist fraglich. Für mich klingt das eher nach Verzweiflung. Der Impfstoff muss funktionieren sonst wird es ganz bitter.
Redigel 14.10.2014
4. Dr.
Zitat von meinung2013wenn Ebola erst einmal in Europa angekommen ist? So abwegig ist das im Moment gar nicht: alleine nach Bayern kamen letzte Woche 2.000 Menschen aus Afrika. Wird die WHO wieder erstmal abwarten, beschwichtigen, verharmlosen - unsere Experten sind ja dann im Ausbruchsgebiet von Ebola. All diese, von Lobbyisten gesteuerten, Organisationen sind doch einfach nur noch zum lachen oder heulen.
Egoismus kennt halt keine Grenzen, schon gar nicht in den Online-Foren wie man an diesem Beitrag erkennt. Maximal erkenne ich die Furcht in Ihrer Aussage an, wir können hier zeitgleich 50 Ebolapatienten behandeln wie in Leipzig und Co. Das heißt, wenn wir Ebola NICHT hier haben und es dennoch stoppen wollen - nichts anderes gebietet unser gesunder Menschenverstand -, dann müssen wir vor Ort in Afrika den Virus aufhalten. Noch bevor er sich in den Norden ausbreitet und über das Mittelmeer tatsächlich zum Problem für unseren Kontinent wird. Wenn das geschieht, dann ist es egal WO unsere Experten sind, denn das Problem Ebola wäre dann derart groß, die spanische Grippe wäre wohl ein Witz dagegen. Was also tun? Impfstoffe testen und die 10 jährige Phase der Medikamentenentwicklung ohne Dollarzeichen in den Augen weitgehend dahingehend verkürzen. Und das wichtigste: Die Menschen in Afrika aufklären und nochmals aufklären. Wer möchte nicht seine Eltern, Geschister und Co nochmal in den Arm nehmen??? Zutiefst menschlich, jedoch völlig falsch.
Schraube 14.10.2014
5. Zu Beginn der Epidemie war die Mortalität des Virus bei 90 %.
Heute liegt sie bei 70 %. Die Rate wird weiter sinken, je öfter der Virus von Mensch zu Mensch weitergegeben wird. Es ist gut möglich, dass viele der Ebola-Kranken heute nur sterben, weil ihr Körper durch schlechte Ernährung und andere Erkrankungen, Parasiten etc. geschwächt ist. In jedem einigermaßen wissenschaftlichen Epidemie-Thriller hätten die Labore außerdem schon lange hektoliterweise Antikörperserum aus dem Blutplasma der Überlebenden für die Impfung und passive Immunisierung der Bevölkerung erzeugt. Vielleicht kommt der Virus den Medizinern zuvor, mutiert, wird durch die Luft übertragbar, verliert aber an Gefährlichkeit, führt bei den Infizierten zu einer Stunde Nasenbluten und immunisiert die Bevölkerung auf diese Weise in Windeseile und macht sie unempfindlich gegenüber den hässlicheren Varianten, was dann dazu führt, dass die hässliche Variante beim Menschen wieder ganz ausstirbt. Halleluja!
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