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Eindämmung der Epidemie: WHO will ab Januar Ebola-Impfungen starten

Eindämmungsmaßnahmen in Westafrika: Stoppt Ebola! Fotos
REUTERS

Bei der Eindämmung der Ebola-Epidemie in Westafrika setzt die WHO auch auf Impfstoffe: Ab Januar soll zunächst das Hilfspersonal geimpft werden, plant die Gesundheitsbehörde. Am Menschen getestet sind die Mittel noch nicht.

Genf - Bei der Eindämmung der Ebola-Epidemie in Westafrika kämpfen Ärzte, Hilfsorganisationen und Politiker vieler Länder an zahlreichen Fronten. Was die betroffenen Regionen derzeit am dringendsten benötigen, sind mehr Betten in eigens eingerichteten Ebola-Behandlungszentren und mehr ausgebildetes Hilfspersonal, das sich um die Kranken kümmert. Schutzvorkehrungen, Hygiene, rasche Isolierung von Erkrankten und Aufklärung der Bevölkerung sind momentan die effektivsten Maßnahmen.

Eine gewisse Hoffnung ruht aber auch auf Medikamenten: Es gibt ein paar Mittel, die zwar noch nicht für die Behandlung von Ebola-Infizierten zugelassen sind, weil sie bisher noch nicht in kontrollierten Studien an Menschen erprobt wurden - deren Einsatz aber die Weltgesundheitsorganisation WHO angesichts der dramatischen Lage für ethisch vertretbar erklärt hatte.

Bislang gab es nur wenige Chargen dieser Mittel wie etwa ZMapp, das bisher lediglich einer Handvoll Patienten verabreicht worden war. Inzwischen aber haben die Hersteller ihre Produktion hochgefahren. Einer aktuellen Mitteilung der WHO zufolge könnten in den nächsten Monaten Tausende Dosen experimentellen Impfstoffs zur Verfügung stehen. Damit, so die WHO, könnten schließlich Ärzte, Helfer und andere Menschen, die Kontakt mit Ebola-Patienten haben, geimpft werden.

POTENZIELLE MITTEL GEGEN EBOLA
ZMapp
Bei dem Serum namens ZMapp handelt es sich um einen Cocktail aus drei verschiedenen sogenannten monoklonalen Antikörpern. ZMapp, in Studien auch MB-003 genannt, wird von der US-Firma Mapp Biopharmaceutical Inc. aus San Diego hergestellt. Dazu werden gentechnisch veränderte Tabakpflanzen genutzt, aus denen die Antikörper isoliert und aufgereinigt werden. Doch die Herstellung dauert Monate.

2012 erschien erstmals eine Studie in den "Proceedings of the National Academy of Sciences", die die Wirkung des Serums beschreibt. Spätere Versuche bei Affen zeigten, dass die Antikörper dem Immunsystem helfen, infizierte Zellen zu eliminieren - auch wenn man das Serum verabreicht, nachdem die ersten Anzeichen des Ebola-Fiebers ausgebrochen sind.

Bei dem Ebola-Ausbruch in Westafrika wurden bis Mitte August drei Menschen mit ZMapp behandelt: Eine Missionarin und ein Arzt aus den USA sowie ein Geistlicher aus Spanien, der inzwischen verstorben ist. Ob ZMapp den US-Amerikanern geholfen hat, ist völlig unklar. Ebenso welche Nebenwirkungen es im Menschen haben kann.
TKM-Ebola
TKM-Ebola ist ein gentechnisch hergestelltes Mittel, das von der kanadischen Firma Tekmira Pharmaceuticals in Burnaby produziert wird. Es handelt sich dabei um kleine Erbgut-Schnipsel, sogenannte siRNA-Moleküle, die die Vermehrung des Virus bremsen sollen.

Im Januar hatte die Tekmira mit ersten Versuchen an Menschen begonnen. Doch die US-Zulassungsbehörde FDA hatte die Versuche aus Mangel an Daten darüber wie die Therapie wirkt und aus Mangel an Daten zur Sicherheit des Medikaments, zunächst unterbrochen. Inzwischen hat die FDA die Studie wieder unter Auflagen freigegeben.

Auch TKM-Ebola hatte bei Versuchen an Primaten Wirkung gezeigt. Im Gegenteil zu ZMapp aber könnte es sein, dass sich TKM-Ebola nur für eine rasche Behandlung sofort nach der Ansteckung mit dem Virus eignet. Vorteil: Das Mittel lässt sich schneller produzieren als ZMapp.
VSV-Vakzine
Neben den Mitteln, die Erkrankten helfen sollen, das Ebola-Virus zu besiegen, gibt es auch Impfstoffe in der Entwicklung. Sie sollen vor einer Infektion mit Ebola schützen.

Einer der Impfstoffe stammt ursprünglich aus dem Labor von Geisberts Forscherteam. 2005 veröffentlichten die Wissenschaftler erstmals eine Studie über die sogenannte VSV-Vakzine. Diese besteht aus dem Vesicular stomatitis Virus, ein Virus, das eng mit dem Tollwutvirus verwandt ist und dessen Erbgut gentechnisch verändert ist, sodass es zwar keine Krankheit mehr im Menschen verursachen kann, aber dennoch die Immunabwehr dazu anregt, Antikörper dagegen zu produzieren.

Auch in Kanada forschen Wissenschaftler an einer solchen VSV-Vakzine namens VSV-EBOV, die bisher nur an Affen und nicht an Menschen getestet wurde. Am 13. August erklärte die kanadische Gesundheitsbehörde, dass man der WHO 800 bis 1000 Ampullen VSV-EBOV zur Verfügung stellen werde. Die Firma NewLink Genetics Corp hält die Lizenz für den Impfstoff. Sie kündigte an, die VSV-Vakzine in Zusammenarbeit mit US-Sondereinheit Defense Threat Reduction Agency (DTRA) bald in einer ersten humanen klinischen Studie zu testen. Dazu sollen in den nächsten Wochen weitere Dosen des Impfstoffs produziert werden.

Der Imfpstoff könnte nach Angaben des Virologen Stephan Becker von der Universität in Marburg ab Herbst auch vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung an Menschen getestet werden, falls genügend Impfdosen zur Verfügung stehen - und sich Geldgeber finden.
Allein: Zwar geben erfolgreiche Versuche an Primaten vielen Experten große Zuversicht. Doch bisher sei keine Vakzine auf Sicherheit und Effektivität im Menschen geprüft worden, sagte Marie-Paule Kieny, stellvertretende WHO-Generalsekretärin, am Freitag in einer Pressekonferenz in Genf.

Die kanadische Gesundheitsbehörde hat bereits 800 Ampullen des Impfstoffs VSV-EBOV, der von der Firma NewLink Genetics Corp hergestellt wird (siehe Kasten oben), der WHO zur Verfügung gestellt. Laut Kieny soll der Hersteller noch weitere tausend Fläschchen in den nächsten Monaten herstellen.

Unklar ist laut Kelly, um wie viele Dosen Impfstoff es sich bei den 800 Ampullen handelt. Tests seien nötig, um herauszufinden, welche Menge Impfsubstanz einer effektiven Dosis entsprechen. Schätzungsweise handle es sich aber insgesamt um 1500 Dosen. Anfang nächsten Jahres, so Kieny, sollten zudem weitere 10.000 Dosen eines Impfstoffs zur Verfügung stehen, der vom US-National Institutes of Health (NIH) in Zusammenarbeit mit GlaxoSmithKline produziert wird.

"Das wird keine Massen-Impfkampagne werden", betonte Kieny. Zunächst sollen nur Helfer und Personen, die Kontakt zu Ebola-Patienten haben, mit den Vakzinen geimpft werden - nicht die gesamte Bevölkerung der betroffenen Regionen. Kieny rechnet damit, dass die Impfaktionen Anfang Januar beginnen können.

Neben den Impfstoffen setzt die WHO aber auch Hoffnung in den Einsatz von Serum, das aus Blut von Patienten gewonnen werden kann, die das Ebolafieber überlebt haben. Man verzeichne derzeit ein wachsendes wissenschaftliches Interesse an solchen Methoden, teilte die WHO am Freitag mit. Die Therapie beruht darauf, dass sich im Blut von Überlebenden spezielle Antikörper befinden, die Erkrankten helfen können.

Bisher sei die Zahl der Behandlungen aber zu gering, um fundierte Aussagen über deren Wirksamkeit zu treffen. Zwei amerikanische Ärzte, die sich in Liberia infiziert hatten, wurden mit dem Blut genesener Patienten behandelt. Beide sind inzwischen wieder gesund.

Das Problem: Niemand kann mit Sicherheit sagen, ob die Genesung der Betroffenen direkte Folge der Medikamente, der speziellen Behandlung oder der guten medizinischen Versorgung in den USA war. Das könne nicht eindeutig bestimmt werden, so die WHO. Auch in Afrika überleben Ebola-Patienten eine Infektion - schätzungsweise sind es 30 Prozent der Infizierten.

Ein weiteres Problem: Angesichts des schlechten Zustands der Gesundheitssysteme in Guinea, Liberia und Sierra Leone könne eine großangelegte Bluttherapie dort nicht sofort umgesetzt werden, heißt es in der WHO-Mitteilung. Die Frage also ist: Welche Personen sollten als erstes Zugang zu einer solchen Behandlung bekommen? Dazu stehe man in Gesprächen mit Gesundheitsbehörden, so die WHO.

Bisher sind bei der Ebola-Epidemie in Westafrika mehr als 2900 Menschen gestorben, mehr als 6000 Menschen haben sich nach Angaben der WHO mit dem Ebolavirus infiziert - mit hoher Wahrscheinlichkeit sind es in Wahrheit noch mehr. Am Donnerstag startete die Bundeswehr mit dem Transport von Hilfsgütern nach Westafrika. Nach einem Aufruf von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) haben etwa 4500 Soldaten und Zivilisten per Telefon oder E-Mail ihre Bereitschaft bekundet, in der Krisenregion zu helfen.

Die ersten Freiwilligen der Bundeswehr könnten ihre Arbeit möglicherweise in einem Monat aufnehmen. "Wir werden voraussichtlich in vier Wochen die ersten unten haben", sagte ein Sprecher des Kommandos Sanitätsdienst der Bundeswehr in Koblenz (Rheinland-Pfalz) am Freitag. In Koblenz bereitet eine Task Force Ebola den Einsatz vor. Die Ausbildung der Freiwilligen soll nach Angaben des Verteidigungsministeriums am Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg stattfinden.

cib/dpa/AP

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