Epidemie Die Lücken beim Ebola-Check

Das Ebolavirus ist im Westen angekommen. Auch mit den Sicherheitssystemen an Flughäfen lässt sich das nicht verhindern. Bei Airlines wie der Lufthansa greift bei Verdacht ein Notfallprogramm.

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Temperaturmessung am Flughafen in Lagos: Funktioniert die Kontrolle der Flugreisenden aus den Ebola-Gebieten?
AFP

Temperaturmessung am Flughafen in Lagos: Funktioniert die Kontrolle der Flugreisenden aus den Ebola-Gebieten?


Sie waren auf seine Ankunft vorbereitet, obwohl sie noch nichts von ihm wussten: Im Texas Health Presbyterian Hospital in Dallas lag bereits ein Ebola-Notfallplan in der Schublade, als sich ein 40-jähriger Liberianer auf den Weg in die USA machte. Zu dieser Zeit ahnte noch niemand, dass er acht Tage später mit dem Virus auf der Isolierstation liegen würde.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Ebola in westlichen Ländern eine Epidemie auslöst, ist äußerst gering. Zu gut ist die Ausbildung der Ärzte und Pfleger, zu gut sind die Krankenhäuser. Die Gefahr aber, dass eines Tages ein infizierter Mensch aus Westafrika ein westliches Land erreicht, wie es jetzt in den USA passiert ist, wurde in den vergangenen Wochen immer größer. Inzwischen stehen in Texas derzeit mehr als 80 Personen, die direkten oder indirekten Kontakt mit dem Liberianer hatten, unter Kontrolle.

Auch wenn viele Fluglinien wie Air France ihre Verbindungen nach Westafrika gestrichen haben, ist die Ebola-Region noch immer mit dem Rest der Welt vernetzt. Von Monrovia, der Hauptstadt Liberias, aus starten weiterhin Flugzeuge nach Brüssel und London. Von Freetown in Sierra Leone aus können Reisende über Casablanca nach Frankfurt am Main gelangen, derselbe Zwischenstopp verbindet auch Conakry in Guinea mit Paris.

Aus Nigeria nach Deutschland

Deutschland erreichen aus den bisher von Ebola betroffenen Ländern nur Flugzeuge aus Nigeria auf direktem Weg, die Lufthansa bietet täglich zwei Verbindungen von Frankfurt am Main aus in das Land an. "Die Überprüfung vor Ort, ob Passagiere erkrankt sind, liegt in der Hand der örtlichen Gesundheitsbehörde", sagt Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow. In der Kabine erhalten die Kunden Informationsblätter des Frankfurter Gesundheitsamtes mit Hygienetipps.

Die Crew der Airline sei geschult, sagt Jachnow: Sollte es auf irgendeinem Flug der Lufthansa einen Verdachtsfall geben, würden die Flugbegleiter den Passagier isolieren, also die Plätze neben ihm räumen, und eine Toilette für ihn reservieren. Ein Hygiene-Kit enthält nötige Schutzvorrichtungen wie Handschuhe und Masken. Zudem würde sofort das Gesundheitsamt in Frankfurt informiert.

EBOLA-VERDACHT - DAS PASSIERT IN DEUTSCHLAND

Sollte ein Ebola-Fall auftreten, "geht aus unserer Sicht das Ansteckungsrisiko für die anderen Passagiere an Bord gegen null", sagt Jachnow. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO stuft die Gefahr, sich während eines Fluges an einem Mitreisenden zu infizieren, als sehr gering ein und sieht bisher keine Notwendigkeit für internationale Reisebeschränkungen.

Verbindungen nach Nigeria gut gebucht

Die Verbindungen nach Nigeria, die vor allem Geschäftsleute nutzen, seien nach wie vor gut gebucht, sagte Jachnow. Daran habe sich auch nach Auftreten der Ebola-Infektionen in dem Land nichts geändert, mittlerweile gilt die Epidemie in Nigeria als eingedämmt. Crewmitglieder haben nach seiner Information bisher nicht von der Angstklausel Gebrauch gemacht, die es jedem Lufthansa-Angestellten erlaubt, bei Bedenken in Gefahrenlagen nicht eingesetzt zu werden.

Sobald ein Pilot einen Ebola-Verdachtsfall am Frankfurter Flughafen Fraport meldet, läuft dort ein Notfallverfahren an. Das Flugzeug werde auf eine Außenposition gestellt, sagt Dieter Hulick, Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport. Ärzte gehen an Bord, die den möglicherweise am Ebolafieber Erkrankten untersuchen und ihn gegebenenfalls sofort in einem Sonderisoliertransporter in die Universitätsklinik Frankfurt überführen. Eine Blutprobe wird innerhalb weniger Stunden in einem Hochsicherheitslabor des Marburger Instituts für Virologie untersucht.

Kontaktpersonen unter den Passagieren und der Crew stehen laut Hulick in Sonderräumen am Flughafen so lange unter Beobachtung, eventuell sogar unter Quarantäne, bis es Entwarnung aus dem Klinikum gibt. Alle anderen Mitreisenden erhalten Informationszettel mit Notrufnummern und können weiterreisen. In Deutschland gab es bisher Ebola-Verdachtsfälle in Hamburg, Berlin und am Frankfurter Flughafen - alle unbestätigt. Zuletzt ging am 3. August eine Meldung in Frankfurt ein, sagt Hulick. Der Verdacht konnte aber schon vor der Landung abgeklärt werden.

Überprüfung der Kontaktpersonen: CDC-Checkliste (bitte klicken)
SPIEGEL ONLINE (deutsche Übersetzung)

Überprüfung der Kontaktpersonen: CDC-Checkliste (bitte klicken)

Auf die Ehrlichkeit angewiesen

In Westafrika hingegen sind die Möglichkeiten, Ebola-Infizierte vor ihrer Reise an den Flughäfen herauszufiltern, begrenzt. Die beste Vorsorge bietet eine einfache Methode: Bei allen Passagieren sollte, bevor sie an Bord gehen, Fieber gemessen werden. Allerdings kann es nach einer Infektion zwei bis 21 Tage dauern, bis die Körpertemperatur steigt und sich erste Symptome zeigen. Auch der Mann, der in die USA reiste, trug das Virus schon in sich - und hatte am Flughafen von Monrovia noch kein Fieber.

Hinzu kommt laut "New York Times" ein Fragebogen: Hatten Sie in den vergangenen 21 Tagen Kontakt mit Ebola-Kranken? Leiden Sie unter Kopfschmerzen? Magenschmerzen? Übelkeit? So sinnvoll die Fragen sind, die Methode hat einen entscheidenden Nachteil: Sie ist auf die Ehrlichkeit der Menschen angewiesen. Falls er überhaupt befragt wurde, kann auch der liberianische Patient auf seinem Weg in die USA nicht ganz ehrlich gewesen sein: Er hatte einer Familie geholfen, eine 19-jährige infizierte Schwangere zu einer Ebola-Station zu bringen. Er hatte also Kontakt mit Ebola.

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insgesamt 45 Beiträge
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Seite 1
Ju Br 02.10.2014
1. Es reicht wirklich.
Ein Notfall Plan ist ja ganz nett. Aber nur ein Reiseverbot ist wirklich sicher. Und man kann Geschäfte auch ohne Reisen über die betroffenen Region erfolgreich abschließen.
playablanca 02.10.2014
2. Unzureichende Maßnahmen
"Die beste Vorsorge bietet eine einfache Methode: Bei allen Passagieren sollte, bevor sie an Bord gehen, Fieber gemessen werden. Allerdings kann es nach einer Infektion zwei bis 21 Tage dauern, bis die Körpertemperatur steigt und sich erste Symptome zeigen. Auch der Mann, der in die USA reiste, trug das Virus schon in sich - und hatte am Flughafen von Monrovia noch kein Fieber." Genau aus diesem Grund reicht es nicht, nur Fieber zu messen. Auch der Fragebogen, obwohl gut gemeint, reicht nicht aus. Das einzige, was zuverlässig wirken würde, ist eine dreiwöchige Quarantäne (oder die Flüge wahlweise ganz streichen). Alles andere sind doch nur Placebo-Maßnahmen, die Sicherheit nur vorgaukeln und gar nicht leisten können. Es wäre echt super, wenn endlich auch mal die politisch Verantwortlichen Stellung nehmen würden.
alphabit 02.10.2014
3. Bioterrorismus
Zu sagen "Die Wahrscheinlichkeit, dass Ebola in westlichen Ländern eine Epidemie auslöst, ist äußerst gering" ist wohl sehr optimistisch. Es brauchen nur eine handvoll Selbstmordattentäter der IS oder Quaida nach Nigeria fliegen, sich dort infizieren, und dann nach Europa oder Amerika weiterzureisen um dann totales Chaos auszulösen ...
deus-Lo-vult 02.10.2014
4.
Wir werden uns durch unsere grenzenlose Toleranz und Hilfsbereitschaft die Seuche schon ins Land holen. Irgendein Gutmensch wird sie schon aus Afrika mitbringen. Nur keine Bange.
martinstuttgart 02.10.2014
5.
Um sowas zu Stoppen muss einfach radikal vorgegangen werden. es mussen an Flughäfen und an Ländergrenzen mobile Checkpoint s mit der Scheckheft gepflegten Passkontrolle überein stimmen. Ich denke es wird schlimmer als angenommen.
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