Ebola-Überlebende Das Geschenk der Immunität

Wer eine Ebola-Infektion überlebt, kann sich wahrscheinlich nie wieder mit dem Virus anstecken. Körperflüssigkeiten aber können noch wochenlang infektiös sein. Die wichtigsten Antworten zum Leben nach der Krankheit.

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High five: Die 37-jährige Frau hat die Infektion überstanden, ihre Freude teilt sie mit einer Helferin von Ärzte ohne Grenzen
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High five: Die 37-jährige Frau hat die Infektion überstanden, ihre Freude teilt sie mit einer Helferin von Ärzte ohne Grenzen


Teresa Romero hatte Glück. Die am Ebolafieber erkrankte Pflegehelferin aus Madrid hat das lebensgefährliche Virus offenbar besiegt. Ein erster Test sei am Sonntag negativ gewesen, teilte die Regierung in Madrid mit. Es müsse nun ein zweiter Test abgewartet werden, um sie als geheilt zu betrachten.

Bislang überleben bei dieser Epidemie etwa 30 Prozent der mit dem Ebolavirus Infizierten. Das heißt, ihr Immunsystem war stärker als der Erreger. So wie bei dem Kind aus Guinea. Es hatte überlebt, seine Eltern aber waren an Ebola gestorben. Sein Onkel nahm es mit in sein Dorf, doch schon zwei Tage später kehrte er zur Krankenstation zurück, erinnert sich Maximilian Gertler, der für Ärzte ohne Grenzen dort gearbeitet hat. Die anderen im Dorf trauten der Ebola-Vergangenheit des Kindes nicht. Der Onkel musste es wieder abgeben.

Das ist die eine, die dunkle Seite des Lebens nach einer Ebola-Infektion. Auf der anderen Seite stehen jene Ebola-Patienten, die jetzt anderen helfen und gegen die Epidemie kämpfen wollen: Auf einer Konferenz in Sierra Leone haben sich erstmals Überlebende versammelt, um ihre Unterstützung zu koordinieren.

Wer das Virus einmal besiegt hat, ist wahrscheinlich sein Leben lang immun. Doch welche Spuren hinterlässt das Virus im Körper? Wie ergeht es Genesenen in der Gesellschaft? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Leben nach einer Ebola-Infektion.

Wird man nach einer Ebola-Infektion wieder komplett gesund?

Ja. Wer überlebt, ist wie nach einer Grippe vollständig genesen. "Das Virus lässt sich vollständig eliminieren", sagt Bernhard Fleischer, Leiter der Immunologie am Bernhard-Nocht-Institut (BNI) für Tropenmedizin. In diesem Punkt unterscheidet sich Ebola etwa vom HI-Virus: Weder das Immunsystem noch Medikamente sind bisher in der Lage, die Viren im Körper vollständig zu beseitigen.

Wann gilt ein Ebola-Patient als wieder gesund?

In Deutschland werden "verschiedenste Körperflüssigkeiten wie Urin, Blut oder Schweiß untersucht", sagt Fleischer. Wenn sich darin keine Viren mehr befinden, gilt ein Patient als gesund. In Hamburg kam ein Ebola-Patient nach fünf Wochen und aufwendigen Tests aus dem Krankenhaus.

In Westafrika befinden sich die Patienten oft kürzer auf den Krankenstationen. "Die, die nicht überleben, sterben meist innerhalb der ersten Woche in Behandlung", sagt Maximilian Gertler. "Bei Überlebenden liegt der durchschnittliche Klinikaufenthalt meist bei zehn bis 14 Tagen."

Wie lange sind Ebola-Kranke noch ansteckend?

Grundsätzlich gilt die Regel: Je besser es einem Patienten geht, desto weniger Viren befinden sich in seinen Körperflüssigkeiten und desto geringer ist das Risiko, dass er jemanden infiziert. Einige Tage nachdem die Symptome verschwunden sind, gelten die Patienten als nicht mehr ansteckend - mit einer Ausnahme: In einer kleinen Studie mit zwölf Patienten aus dem Jahr 1999 konnte das Ebolavirus noch 33 Tage in Abstrichen aus der Scheide und dem Rektum einer Patientin nachgewiesen werden, bei vier Männern fanden sich noch 101 Tage nach der Infektion Ebola-Spuren in der Samenflüssigkeit. "Übertragungen durch Sperma beim Geschlechtsverkehr sind noch mehrere Wochen lang möglich", warnt das Robert Koch-Institut (RKI).

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Ebola: Die Gesichter der Überlebenden
Die Helfer in Westafrika klären die Patienten über dieses Risiko auf. "Die Betroffenen verlassen das Behandlungszentrum gesund, gewaschen und mit neuer Kleidung", sagt Gertler. "Trotzdem müssen die Helfer ihnen erklären, dass sie noch etliche Wochen über Sperma und Scheidenflüssigkeit ansteckend sein können und ihnen Kondome mitgeben. Menschlich ist das oft eine große Herausforderung."

Welche Spuren hinterlässt das Virus im Körper?

Das Immunsystem des Körpers reagiert auf eine Ebola-Infektion, indem es große Mengen Antikörper bildet: "Selbst wenn man das Blut der Betroffenen auf eine Konzentration von 1 zu 100.000 verdünnt, kann man die Antikörper noch nachweisen", sagt Fleischer.

Ähnlich wie bei Mumps und Masern bleiben die schützenden Eiweiße wahrscheinlich bis ans Ende des Lebens im Blut. "Deshalb geht man davon aus, dass die Genesenen ihr Leben lang immun gegen das Virus sind", sagt Fleischer. Wissenschaftliche Studien gibt es dazu aber noch keine.

Wie ergeht es den Betroffenen nach ihrer Heilung?

"Keiner, der da gewesen ist, vergisst die Momente, in denen Menschen, die wieder gesund sind, strahlend das Zentrum verlassen", sagt Gertler. "In diesem Moment überwiegt die Freude, die Infektion überlebt zu haben." Gleichzeitig seien jedoch viele schwer traumatisiert. "Wieder Gesunde sind oft die einzigen Überlebenden einer ganzen Familie. Sie kehren in ein Leben zurück, das nie mehr dasselbe sein wird, auch wirtschaftlich sind sie ruiniert."

Während in den Städten das Verständnis für das Virus und seine Übertragungswege gewachsen sei, überwiege in Dörfern zum Teil noch die Skepsis. "Es gibt ein starkes Bildungsgefälle von der Stadt zum Land", sagt Gertler. In manchen Orten gelte die Erkrankung noch immer als Fluch, die Überlebenden würden ausgegrenzt und stigmatisiert. "Dabei geht von ihnen unserem Verständnis nach keine Infektionsgefahr mehr aus", sagt Gertler.

Wie können die Überlebenden helfen?

Eine Möglichkeit ist, die Antikörper der Überlebenden anderen noch Erkrankten zu übertragen. Diese experimentelle Therapie wird beim aktuellen Ausbruch zum Teil schon erprobt. "Allerdings ist noch unklar, wie gut sie schützt", sagt Fleischer.

Dank ihres körpereigenen Schutzes gegen Ebola könnten Überlebende zudem verstärkt bei der Betreuung von Patienten oder dem Transport von Leichen helfen. Wie genau diese Hilfe aussehen könnte, besprechen Experten und 35 Ebola-Überlebende derzeit auf der Konferenz in Sierra Leone, die mit Unterstützung des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) stattfindet.

Unicef geht davon aus, dass in den nächsten sechs Monaten bis zu 2500 Ebola-Überlebende für Aufgaben zur Bekämpfung der Seuche ausgebildet werden könnten, darunter als Pfleger für an Ebola erkrankte Kinder. "Die geplante Konferenz ist eine erste Initiative, viele weitere sollten folgen", sagte Unicef-Sprecher Christophe Boulierac in Genf.

DIE EBOLA-STERBLICHKEIT
Beim aktuellen Ebola-Ausbruch lässt sich noch nicht exakt sagen, wie viele die Infektion überleben. Zwar wurden laut WHO bislang knapp 9000 Infizierte und mehr als 4000 Tote gezählt - viele sterben jedoch erst Tage bis Wochen nach ihrer Ansteckung. Aus diesem Grund liegt der Anteil der Menschen, die eine Infektion nicht überleben, wahrscheinlich weit höher als bei 50 Prozent. Experten schätzen, dass nur jeder dritte bis vierte Infizierte das Krankenhaus wieder verlassen kann.

"Dies sind Zahlen, die wir auch in unseren Projekten in Westafrika sehen", sagt Maximilian Gertler, Vorstandsmitlied der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen. "Gleichzeitig sind die Überlebenschancen derjenigen, die frühzeitig in die Ebola-Zentren kommen, deutlich höher. Auch deshalb ist es so wichtig, dass so schnell wie möglich mehr Behandlungszentren mit qualifiziertem Personal in Betrieb genommen werden."

Spenden für die Ebola-Krisengebiete
Ärzte der Welt e.V.

Stichwort: Ebola

Deutsche Kreditbank (DKB)

IBAN: DE06 1203 0000 1004 3336 60

BIC: BYLADEM1001

Internet: www.aerztederwelt.org

Ärzte ohne Grenzen e.V.

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE72 3702 0500 0009 7097 00

BIC: BFSWDE33XXX

Internet: www.aerzte-ohne-grenzen.de

Spenden bei Ärzte ohne Grenzen sind nicht zweckgebunden.

Cap Anamur

Stichwort: Ebola

Sparkasse KölnBonn

IBAN: DE85 3705 0198 0002 2222 22

BIC: COLSDE33

Internet: www.cap-anamur.org

Caritas international

Stichwort: Ebola-Hilfe

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE88 6602 0500 0202 0202 02

BIC: BFSWDE33KRL

Internet: www.caritas-international.de

Deutsches Rotes Kreuz

Stichwort: Ebola

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE63 3702 0500 0005 0233 07

BIC: BFSWDE33XXX

Internet: www.drk.de

Diakonie Katastrophenhilfe

Stichwort: Ebola

Ev. Darlehensgenossenschaft

IBAN: DE26 2106 0237 0000 5025 02

BIC: GENODEF1EDG

Internet: www.diakonie-katastrophenhilfe.de

Don Bosco Mondo e.V.

Stichwort: Ebola

Pax-Bank eG

IBAN: DE10 3706 0193 3040 5060 70

BIC: GENODED1PAX

Internet: www.don-bosco-mondo.de

German Doctors e.V.

Stichwort: Ebola-Hilfe

Evangelische Bank

IBAN: DE12 5206 0410 0004 8888 80

BIC: GENODEF1EK1

Internet: www.german-doctors.de

humedica e.V.

Stichwort: Ebolahilfe

Sparkasse Kaufbeuren

IBAN: DE35 7345 0000 0000 0047 47

BIC: BYLADEM1KFB

Internet: www.humedica.org

I.S.A.R. Germany

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE25 3702 0500 0001 1825 00

BIC: BFSWDE33xxx

Internet: www.isar-germany.de

Misereor

Stichwort: Ebola Krise

Pax Bank Aachen

IBAN: DE75 3706 0193 0000 1010 10

BIC: GENODED1PAX

Internet: www.misereor.de

Oxfam Deutschland e.V.

Stichwort: EBOLA

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE60 3702 0500 0008 0905 01

BIC: BFSWDE33XXX

Internet: www.oxfam.de

Plan International Deutschland e.V.

Stichwort: Ebola

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE86 2512 0510 0009 4449 44

BIC: BFSWDE33HAN

Internet: www.plan-deutschland.de

Save the Children

Stichwort: Ebola-Nothilfe

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE92 1002 0500 0003 2929 12

BIC: BFSWDE33BER

Internet: www.savethechildren.de

SOS Kinderdorf

Stichwort: Ebola

Bankhaus Lampe

IBAN: DE84 4802 0151 0003 0200 02

BIC: LAMPDEDDXXX

Internet: www.sos-kinderdorf.de

Unicef

Stichwort: Ebola

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE57 3702 0500 0000 3000 00

BIC: BFSWDE33XXX

Internet: www.unicef.de

Welthungerhilfe e.V.

Stichwort: Ebola-Epidemie

Sparkasse Köln/Bonn

IBAN: DE15 3705 0198 0000 0011 15

BIC: COLSDE33

Internet: www.welthungerhilfe.de

World Vision Deutschland

Stichwort: Ebola

Evangelische Kreditgenossenschaft

BAN: DE91 5206 0410 0004 0007 81

BIC: GENODEF1EK1

Internet: www.worldvision.de

mit Material von dpa

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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
iman.kant 20.10.2014
1. Ebola wird nicht zur Pandemie!
Dieser Artikel verdeutlicht geradezu warum die Panikmache absurd ist. 30% Überleben diese Krankheit und sind imun. Diese Überlebenden sollten grundsätzlich zur Pflege von Kranken eingesetzt werden. Dies verstehe ich als Pflicht derer die mit Hilfe anderer überlebt haben. Damit wird diese Krankheit besiegt, bzw. eingedämmt werden.
H-Vollmilch 20.10.2014
2. Falsche Aussage
Natürlich kann man sich noch anstecken. Der Virus bzw die krankheits üblichen Symbtome kann/können nur nicht mehr ausbrechen.
Kiesch 20.10.2014
3. Sinnvolle Maßnahme
Habe mich sowieso schon gefragt warum man nicht verstärkt Überlebende als Helfer einsetzt, da hier nunmal ein Erkrankungsrisiko nichtmehr gegeben ist und die somit bei der Behandlung nicht ihr leben riskieren. So könnte man vor allem verhindern, dass immer mehr Pflegepersonal ausfällt. Sinnvoll wäre allerdings dabei auch diese Menschen auch gut dafür zu bezahlen (um den Anreiz zu erhöhen - und auch menschlich wäre es sicher sinnvoll, da die wie im Artikel geschrieben meist ihr ganzes bisheriges Leben verloren haben).
timelock1 20.10.2014
4. Auch immun gegen sich verändernde Viren?
Sind die 30% denn nicht lediglich immun gegen den konkreten Virenstamm, der sie erkranken ließ und nicht generell gegen Ebola?
zauselfritz 20.10.2014
5.
Zitat von H-VollmilchNatürlich kann man sich noch anstecken. Der Virus bzw die krankheits üblichen Symbtome kann/können nur nicht mehr ausbrechen.
Nein, man kann sich nicht mehr anstecken! Das Immunsystem tötet das Virus schnell ab. Man kann also nicht als Überträger wirken, denn noch bevor die Virenlast entsprechend gross werden kann, wird das Virus bereits eliminiert sein - deshalb gibt es keine Symptome!
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