Ebola in den USA Krankenschwester in Dallas unter Quarantäne gestellt

Die in den USA mit Ebola infizierte Krankenschwester wurde isoliert. Sie steckte sich offenbar trotz Schutzkleidung bei einem Patienten an. US-Präsident Obama fordert von der Gesundheitsbehörde eine Erklärung.

Wohnsitz der Krankenschwester in Dallas: Unklarheit über Art der Ansteckung
AFP

Wohnsitz der Krankenschwester in Dallas: Unklarheit über Art der Ansteckung


Dallas - Sie hatte den Mann betreut, der Ebola von Afrika in die USA gebracht hatte. Und obwohl im Krankenhaus strenge Sicherheitsvorkehrungen herrschen und Ärzte und Pfleger Schutzkleidung tragen, hat sich eine Krankenschwester im US-Bundesstaat Texas mit Ebola angesteckt. Sie habe sich am Freitagabend mit leichtem Fieber gemeldet und sei unter Quarantäne gestellt worden, teilten die Behörden mit.

Infiziert hatte sich die Frau bei dem Liberianer, der Ende September in die USA geflogen war und nach vier Tagen Ebola-Symptome entwickelt hatte. Thomas Eric Duncan war am vergangenen Mittwochmorgen im Krankenhaus Texas Health Presbyterian in Dallas gestorben. Die Krankenschwester soll mit dem 42-Jährigen bei seinem zweiten Besuch in der Notaufnahme "intensiven Kontakt" gehabt haben.

Wie genau sie sich allerdings angesteckt haben könnte, war zunächst unklar. Die Pflegerin ist sich keines Fehlers bewusst. "Die Person war den Maßgaben der CDC gefolgt: Anzug, Handschuhe, Maske, Brille", sagte Daniel Varga von der texanischen Gesundheitsbehörde am Sonntag in Dallas. Womöglich könnte sich die Frau den Gesichtsschutz abgenommen haben, hieß es von der Gesundheitsbehörde CDC zur möglichen Fehlerquelle.

US-Präsident Barack Obama hat eine rasche Aufklärung der Umstände gefordert. Die Gesundheitsbehörde CDC müsse transparent aufarbeiten, wie es trotz strenger Sicherheitsvorkehrungen zu der Infizierung kommen konnte, forderte Obama laut einer Mitteilung des Weißen Hauses.

Wohnung und Auto werden dekontaminiert

Die Gesundheitsbehörde CDC fürchtet nun, dass sich weitere Menschen infiziert haben könnten. Das gesamte Behandlungsteam stehe nun unter Ebola-Verdacht. "Ich will es klar sagen. Es besteht die Möglichkeit, dass es weitere Fälle hier in den USA geben wird", sagte CDC-Chef Tom Frieden am Sonntag in Atlanta. Den Angaben zufolge hatte die US-Krankenschwester aber offenbar nur mit einer Person Kontakt, während sie ansteckend war. Der Bürgermeister von Dallas, Mike Rawlings, sagte, die Wohnung und das Auto der Frau würden dekontaminiert.

Der Gesundheitszustand der US-Pflegerin sei stabil, hieß es am Sonntag vom Krankenhaus. CDC-Chef Frieden zufolge enthält das Blut der Frau erst wenige Viren, darum sei die Hoffnung auf eine Genesung groß.

Auf dem New Yorker John F. Kennedy-Flughafen werden Reisende aus von der Ebola-Epidemie betroffenene Ländern inzwischen auf mögliche Symptome untersucht. Die vier anderen großen US-Flughäfen sollten folgen. Der Schutz der US-Bürger habe höchste Priorität, sagte Martin Cetron von den CDC. Aber: "Egal wie viele dieser Schritte wir durchführen, das Risiko kann nicht auf null gesenkt werden." Die CDC rechnen mit täglich rund 150 Reisenden aus Liberia, Sierra Leone und Guinea.

US-Präsident Barack Obama wurde über den neuen Fall in Texas in Kenntnis gesetzt. Er teilte am Sonntag aus dem Weißen Haus mit, die staatlichen Behörden sollten sofort zusätzliche Maßnahmen berücksichtigen, um sicherzustellen, dass Krankenhäuser und medizinische Versorgungstätten Handlungsanweisungen befolgen, wenn ein Ebola-Patient eingeliefert werde.

Israel führt Kontrollen für den Flughafen Ben Gurion ein

Auch Israel hat spezielle Kontrollen für Reisende aus diesen drei Ländern eingeführt. Sie sollten besonders ausführlich befragt werden, teilte das Büro des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu mit. Dies gelte für den internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv sowie für alle Grenzübergänge und Seehäfen.

Ähnliche Prüfungen in Deutschland sind vorerst nicht geplant. Dort besteht nach Einschätzung von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) kein Grund zur Sorge.

Der Zustand der Pflegehelferin Teresa Romero in Madrid hatte sich am Wochenende stabilisiert. Dies gab die Ebola-Sonderkommission der spanischen Regierung bekannt. Die Frau hatte sich bei der Behandlung eines aus Westafrika eingeflogenen Ebola-Kranken infiziert. Es war die erste Ebola-Übertragung von Mensch zu Mensch in Europa. Auch in Deutschland werden derzeit zwei Ebola-Patienten behandelt, einer in Frankfurt am Main, der andere in Leipzig.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat inzwischen weit über 8000 Ebola-Fälle in den drei am stärksten von Ebola betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone registriert. Mehr als 4000 Menschen starben. Experten gehen zudem von einer hohen Dunkelziffer aus.

kha/dpa/Reuters



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vanselow 12.10.2014
1. Außer Kontrolle
Wenn sich Fachpersonal mit Schutzkleidung infizieren kann, ist das für Laien kaum vermeidbar. Die WHO schätzt mehr als eine Million Infizierte in Afrika für Januar. Dann werden auch mehr Infizierte nach USA oder Europa kommen. Diese Seuche muss in Afrika von der internationalen Gemeinschaft bekämpft werden. Kosten dürfen keine Rolle spielen. Diese Seuche könnte uns alle treffen. Da besteht wenig Unterschied zwischen dritter Welt und erster Welt. Dieser Virus wurde ständig unterschätzt.
Zapallar 12.10.2014
2.
Versteh ich nicht ... uns wird doch ständig gesagt, alles ist sicher und das virus kann nie und nimmer auf unbeteiligte übertragen, dafür seien die sicherheitsvorkehrungen zu hoch. Und nun doch?
Weißlicht 12.10.2014
3. Experten ohne Expertise
Wie kommt dieser Rechtsanwalt (!!) Hermann Gröhe dazu, Screenings an deutschen Flughäfen auszuschließen! Bei uns werden Leute Minister für Gesundheit, die keinerlei Grundlagenwissen haben. So geht das nicht. Die einzige Lösung ist, die betroffenen Gebiete in Westafrika vollkommen abzuschotten. Keinerlei zivilen Flugverkehr mehr. Die Theorie mancher "Experten", dann würde "alle" versuchen zu fliehen, ist absurd. Die Region ist viel zu isoliert. Ohne Flugverkehr geht es kaum. Wie sehr solche "Experten" daneben liegen, zeigt sich ja schon an den vielen Infizierten im medizinischen Personal. Hätte man ihnen vernünftige Verhaltensmaßregeln mitgegeben, wären die meisten von ihnen wohl noch am Leben. Ja, da wird ignoriert, dass das Virus auf Oberflächen tagelang überleben kann. Da wird ignoriert, dass sich zweimal Versuchstiere im Labor über die Luft angesteckt haben. Nur Kontakt mit Körperflüssigkeiten wäre zu vermeiden, hieß es, das seien Blut, Urin und Faeces. Dann später ist es auch der Schweiß. Eine kurze Berührung an der Außenseite des Schutzanzuges. Ein Abnehmen des Gesichtsschutzes... Was kommt als nächstes?
zieloptiker 12.10.2014
4. Russland wars, .... sagt die WELT!!!
Glaubt man den Qualitätsjournalisten von der WELT, so steckt auch hier Putin (irgendwie mal wieder) hinter Ebola. http://www.welt.de/politik/ausland/article131459175/Russland-hat-Ebola-zur-Waffe-gemacht.html Obwohl die Quelle der neuerlichen Epidemie ja ein Fledermausbiss gewesen sein soll, so soll diese Art der Berichterstattung den unterschwelligen Hass weiter schüren, so dass wir irgendwann einmal, komplett gebrainwashed, jeden Blödsinn mitmachen, der gegen Russland geplant wird.
200MOTELS 12.10.2014
5. Dank unserem Gesundheitsminister
Grohe kann sowas bei uns in Deutschland nicht passieren.
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