Ebola-Epidemie in Westafrika Nigeria bestätigt zweiten Infizierten

In Nigeria gibt es den zweiten Ebola-Fall: Ein Arzt hat sich bei der Behandlung des ersten Patienten mit dem tödlichen Virus angesteckt. Insgesamt ist die Zahl der Infizierten auf 1603 gestiegen, mehr als 800 sind gestorben.

Vorsorge in Monrovia: Mehr als 1400 Menschen haben sich mit Ebola infiziert
DPA

Vorsorge in Monrovia: Mehr als 1400 Menschen haben sich mit Ebola infiziert


Abuja - Kurz nachdem der 40-jährige Patrick Sawyer Ende Juli die nigerianische Millionenstadt Lagos erreicht hatte, kollabierte er am Flughafen. Er war der erste offizielle Ebola-Infizierte in Nigeria, jetzt gibt es einen zweiten Krankheitsfall im bevölkerungsreichsten Land Afrikas.

Ein Arzt habe sich bei der Behandlung Sawyers mit dem lebensbedrohlichen Virus angesteckt, sagte Nigerias Gesundheitsminister Onyebuchi Chukwu am Montag. Mehr als 60 weitere Menschen, die vermutlich mit Sawyer Kontakt hatten, würden derzeit beobachtet. Acht von ihnen seien unter Quarantäne gestellt worden, neben dem Arzt zeigten noch zwei weitere Personen typische Symptome.

Der Liberianer Sawyer war am 20. Juli von Monrovia über Togos Hauptstadt Lomé nach Lagos geflogen, um an einer Konferenz teilzunehmen. Er traf sichtlich geschwächt ein und kam sofort in ein Krankenhaus, wo er am 25. Juli in Quarantäne starb. Die Klinik wurde inzwischen geschlossen.

Mehr als 1600 Infizierte, mehr als 800 Opfer

Das Ebola-Virus breitet sich seit Jahresanfang immer weiter in Westafrika aus, betroffen sind bisher vor allem Guinea, Sierra Leone und Liberia. Die Weltgesundheitsbehörde WHO geht inzwischen von mehr als 1600 Infizierten aus, 887 starben. Bisher gibt es weder einen Impfstoff gegen das Virus noch ein wirkungsvolles Medikament noch, das zugelassen ist.

Der US-Arzt Kent Brantly, der sich in Liberia infiziert hatte, war am Wochenende in den Bundesstaat Georgia geflogen worden. Er wird in der Universitätsklinik Emory in Atlanta behandelt, dort befindet sich eine von vier Isolierstationen in den USA, die auf die Behandlung von Patienten mit höchst gefährlichen Infektionen eingestellt ist. Dem Mediziner gehe es schon etwas besser, sagte Tom Frieden, Direktor der Seuchenschutzbehörde Centers for Diesease Control (CDC).

Auch die 59-jährige Nancy Writebol, eine Missionarin, die sich mit dem Virus angesteckt hat, soll voraussichtlich am Dienstag von Liberia in die USA geflogen werden. Writebol und Brantly hatten im gleichen Team in der Nähe der liberianischen Hauptstadt Monrovia gearbeitet. Das Überführen der Erkrankten in die USA wurde von einigen Bürgern kritisiert - aus Angst davor, dass sich die Krankheit dort weiter ausbreiten könnte. Doch Experten schließen eine Ansteckung der Bevölkerung nahezu vollständig aus. Das Virus überträgt sich nur durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Schweiß oder Urin der Infizierten und nicht über die Luft (mehr dazu lesen Sie hier).

Um den Ausbruch einzudämmen, hatte die WHO vergangene Woche ein 100-Millionen-Dollar-Programm aufgelegt. Der Aktionsplan sieht unter anderem stärkere Maßnahmen zur Aufklärung vor. US-Experten zeigten sich optimistisch, dass sich die Verbreitung des Virus bald eindämmen lasse. Noch allerdings sei der Ausbruch außer Kontrolle.

Anmerkung der Redaktion: Die WHO hat ihre Angaben aktualisiert. Statt 1440 haben sich mittlerweile 1603 Menschen infiziert, statt 826 gibt es 887 Todesopfer. Die letzten Zahlen entsprachen dem Stand vom 31. Juli 2014, die Aktualisierungen stammen vom 4. August 2014.

irb/AFP/AP/dpa/Reuters

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tjivi 04.08.2014
1. beschwichtigen ist gefährlich,
Panik schüren natürlich auch. Wir müssen nunmal damit leben, dass diese lebensbedrohliche Krankheit sich möglicherweise in der ganzen Welt ausbreiten wird. Wenn die Seuche, wie berichtet, außer Kontrolle geraten ist, ist es eine der größten Bedrohungen der Menschheit, da eine Pandemie zumindest nicht unwarscheinlich ist. Frühere größere Ebolaausbrüche wie z.B. in Kinshasa konnten nur gestoppt werden, weil das Virus schnell erkannt und die Stadt abgeriegelt wurde. In der Vergangenheit trat Ebola meistens in abgelegenen Dörfern auf, wo es nicht so schnell auf andere Gebiete übergreiften konnte. Es wurden rechtzeitig Vorsorgemaßnahmen wie Isolierung ergriffen. Auch wenn das Virus anfangs weniger infektiös ist, liegt gerade in der Inkubationzeit von drei Wochen eine Gefahr. Aus welchem anderen Grund konnte es sich sonst über mehrere Länder ausbreiten? Außerdem gibt es auch in Mali erste Infizierte. Boko Haram, die den Terror auch aus Mali nach Nigeria trägt, macht die Bekämpfung des Virus nicht leichter.
JaguarCat 06.08.2014
2. Wahrscheinlich ist Ebola schon viel weiter ...
... als die "Seuchenexperten" mal wieder wahrhaben wollten. Wie damals bei der Schweinegrippe, die sich, weil sie meist *leicht* verläuft, schon weit verbreitet hatte. Die Seuchenexperten sahen dann plötzlich überall die Spitzen von Eisbergen aus dem Wasser ragen (die schweren Fälle, wo Menschen starben), ohne, dass sie das ganze Gebirge unter Wasser (das schon damals dichte Infektionsnetz mit Abertausenden von leichten Fällen) wahrnahmen. Erst nach einem halben Jahr Aufregung und Panik kehrte Vernunft ein und erste Mediziner erklärten gegenüber der Presse, dass die Schweinegrippe weniger gefährlich als die saisonale Grippe der Vorsaison ist. Das heißt jetzt nicht, dass Grippe harmlos ist, wie die Toten beweisen, aber die Schweinegrippe war eben nicht der Killer, als der sie hingestellt wurde! Bei Ebola nun dasselbe Spiel: Die Krankheit "springt", es gibt nicht nachvollziehbare Infektionsketten. Das bedeutet, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit viele Infizierte gibt, die zwar das Virus weitergeben, aber selbst nicht nennenswert krank werden. Das hat zwei Auswirkungen: A) Die Virulenz, die Gefährlichkeit, wird überschätzt. B) Zugleich kann sich das Virus trotz aller Isolationsmaßnahmen weiter verbreiten, weil man eben nicht alle Virusträger identifiziert! Jag
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