Eckart von Hirschhausen: Herr Doktor macht krank

Woran leidet unser Gesundheitssystem? Einer muss es wissen: Eckart von Hirschhausen. Deutschlands bekanntester Arzt praktiziert jetzt auf offener Bühne. In seiner Videosprechstunde "Faktencheck Gesundheit" enthüllt er die Abgründe des Medizinbetriebs.

Faktencheck Gesundheit

Zu ihrem Arzt haben die Deutschen eine enge Beziehung: Jeder von ihnen bringt es auf 18 Arztkontakte jährlich - am Telefon, in der Sprechstunde, für eine Untersuchung oder auch nur ein Rezept. Ist der Patient erst einmal in der Praxis, bleibt es oft genug nicht beim Gespräch: Mehr als 100 Millionen Röntgenbilder, zig Millionen Tomografien und immerhin eine Million Herzkatheter fertigen deutsche Ärzte jährlich an. Anschließend wird fleißig behandelt: Allein mehrere hunderttausend Knieoperationen sorgen mit dafür, die über 2000 deutschen Krankenhäuser auszulasten.

Könnte diese intensive Nutzung des Gesundheitssystems etwas damit zu tun haben, dass die mehr als 300 Milliarden Euro, die diesem System jährlich zur Verfügung stehen, nicht auszureichen scheinen? Der Arzt und Medizinkabarettist Eckart von Hirschhausen hat darauf eine eindeutige Antwort: Ja, es hat etwas damit zu tun.

Der Großteil der Untersuchungen und Behandlungen ist gerechtfertigt, das stellt Hirschhausen nicht in Frage. Doch die ständige Verfügbarkeit technischer Methoden verführe Ärzte wie Patienten dazu, auch Dinge zu tun, die medizinisch nicht notwendig sind - und ein Risiko in sich bergen.

Weniger ist mehr

Für den "Faktencheck Gesundheit" der Bertelsmann-Stiftung fasst Hirschhausen im Video "Weniger ist mehr" anschaulich zusammen, wieso Ärzte und Patienten nicht unbedingt Gutes tun, wenn sie alles Machbare tatsächlich nutzen: Eine Vielzahl von Tests ist nicht nur unnötig, sondern kann Schäden und Beschwerden erst hervorrufen, wenn zum Beispiel bei einer Untersuchung ohne Anlass etwas gefunden wird, das gar keine Symptome hervorruft - aber zu einem weiteren Eingriff führt.

Dabei geht es nicht darum, Patienten bei Beschwerden teure Methoden vorzuenthalten. Doch das Untersuchen von Menschen ohne Probleme, nur weil es technisch möglich ist, der Check-up aus reiner Vorsicht, das gelte es zu verhindern.

Neben dem Video stellt "Faktencheck Gesundheit" auch einen Merkzettel bereit, den Patienten vor dem Arztbesuch ausfüllen können - damit ihnen die wichtigsten Fragen nicht erst dann einfallen, wenn sie die Praxis schon wieder verlassen haben.

dba

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insgesamt 217 Beiträge
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1.
lebenslang 14.02.2013
von allen skandalen des gesundheitsbetriebes ist das unter drogen-setzen von aktiven kindern und jugendlichen zum zwecke der ruhigstellung der erschreckenste. dabei bilden pharmaindustrie, ärztr und überforderte eltern ein unrühmlichjes kartell zum schaden der heranwachsenden generation. anstatt die aktivität sinnvoll in körperliche betätigung zu lenken, wirft man pillen ein um so das problem zu lösen. unglaublich, das soetwas in deutschland möglich ist.
2. die Untersuchung ...
Spiegelleserin57 14.02.2013
Zitat von sysopWoran leidet unser Gesundheitssystem? Einer muss es wissen: Eckart von Hirschhausen. Deutschlands bekanntester Arzt praktiziert jetzt auf offener Bühne. In seiner Videosprechstunde "Faktencheck Gesundheit" enthüllt er die Abgründe des Medizinbetriebs. Eckart von Hirschhausen: Faktencheck Gesundheit über zu viel Medizin - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/eckart-von-hirschhausen-faktencheck-gesundheit-ueber-zu-viel-medizin-a-882898.html)
des Patienten kommt nur noch selten vor. Die Ärzte orientieren sich sehr stark an Laborwerten und anderen technischen Verfahren. Sie sehen kaum den Patienten und haben zu wenig Zeit. Viele Erkrankungen werden erst durch die Schilderung des Patienten erkennbar. Leider sehen auch die Studenten schon während ihrer Ausbildung eigentlich kaum Patienten. Der Patient wird verwaltet, nicht behandelt und untersucht! High Tech im Gesundheitswesen schadet wahrscheinlich mehr als es nutzt. Auch die neue elektronische Patientenakte die jetzt vermehrt angewandt wird schickt die Arzt wie auch die Pflege an den Schreibtisch anstatt ans Bett des Patienten.
3.
nichzufassen 14.02.2013
man sollte sich mal die youtube verfuegbaren sachen von georg schramm ansehen bzgl pharmareferent etc, da blickt man in abgruende - und diese kaberettszenen sind schon einige jahre alt. leider hoert herr schramm wohl zum jahresende auf, was nur zu bedauern ist
4. interessant...
Spiegelleserin57 14.02.2013
Zitat von lebenslangvon allen skandalen des gesundheitsbetriebes ist das unter drogen-setzen von aktiven kindern und jugendlichen zum zwecke der ruhigstellung der erschreckenste. dabei bilden pharmaindustrie, ärztr und überforderte eltern ein unrühmlichjes kartell zum schaden der heranwachsenden generation. anstatt die aktivität sinnvoll in körperliche betätigung zu lenken, wirft man pillen ein um so das problem zu lösen. unglaublich, das soetwas in deutschland möglich ist.
aber auch dass alle das mitmachen und sich niemand wehrt! Jeder mündige Bürger hat das Recht Therapien abzulehnen. Ich esse auch keine Kohle auch wenn sie mir als Fleisch angeboten wird, so einfach ist das. Eigenverantwortung ist hier gefragt!
5. Auf Symtome warten, aber Herr Doktor
leser-fan 14.02.2013
Der Tumor sieht zwar verdächtig aus, warten wir erstmal ab bis er Beschwerden macht und gestreut hat, Die Entzündung im Kniegelenk sieht zwar übel aus, kann Gewebe zerstören. Wenn ich sie mir aber anschaue, sie laufen noch ganz flott. Zähne zusammenbeißen. Röntgen machen wir, wenn sie Krücken brauchen. Natürlich ist bekannt, dass vor sllem Chirurgen ihre Fallzahlen brauchen und dass der Deutsche mit Leidenschaft von einem zum anderen Arzt oft wöchentlich rennt. Dagegen könnte man was tun. Aber z.B. Fallpauschalen im Palliativbereich einführen. ..eine Horrorvorstellung. "Stirb nicht so langsam, sprengt unser Budget." Aber mit Medikamenten können wir Tempo machen, sonst wird uns das nicht bezahlt. Mann kann viel verbessern. .aber man sollte erstmal damit anfangen, die 2-Klassenmedizin auf den Prüfstand zu stellen. Die KVs abschaffen. Beu Letzterem gubts Milliardeneinsparpotenzial.
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Zur Person
  • Frank Eidel
    Dr. med. Eckart von Hirschhausen, Jahrgang 1967, geboren in Frankfurt am Main, lebt in Berlin. Studierte Medizin und Wissenschaftsjournalismus. Seit 20 Jahren Komiker, Autor und Moderator. Er paart Medizinisches mit Kabarett, Lachen mit nachhaltigen Ideen. Zahlreiche Bücher, zuletzt "Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist?". Talkt im NDR bei "Tietjen und Hirschhausen", moderiert in der ARD "Frag doch mal die Maus" und "Das fantastische Quiz des Menschen". Gründer der Stiftung "Humor hilft heilen".
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