Eckart von Hirschhausen Glückwunsch, Sie haben Genu valgum

55 Minuten warten, fünf Minuten drankommen und verwirrt nach Hause gehen: So läuft der typische Arztbesuch ab. Viele Mediziner haben nie gelernt, sich verständlich auszudrücken, sagt Eckart von Hirschhausen. In seiner Videosprechstunde "Faktencheck Gesundheit" erklärt er, warum Reden Gold ist.

Faktencheck Gesundheit

Eigentlich ist unser Körper nichts anderes, als ein Haufen Zellen. Allerdings ein so gut ausgeklügelter Haufen, dass manche Vorgänge in unserem Inneren wohl immer ein unerklärliches Wunder bleiben werden. Geht etwas schief, haben Ärzte nicht nur die knifflige Aufgabe, die Schwachstellen des Systems zu erkennen und zu beheben. Sie sollten ihren Patienten auch noch erklären, was in ihren Körpern gerade aus der Bahn gerät. Doch daran hapert es häufig.

"Wenn man beim Arzt endlich drankommt, interessiert er sich oft mehr für seinen Computer als für den Patienten", sagt Eckart von Hirschhausen. In seiner Online-Sprechstunde "Faktencheck Gesundheit" erklärt der Arzt und Medizinkabarettist, warum Reden Gold ist.

Während bei einem gebrochenen Arm die Diagnose häufig auch für den Patienten sehr offensichtlich ist, muss der Arzt etwa bei Knieschmerzen oft länger nach Ursachen suchen. Ein Blick aufs Röntgenbild kann oft aufschlussreich sein - zumindest für den Arzt: "Das sieht nicht gut aus. Sie haben eine Chondropathia patellae im Grad III sowie ein Genu valgum", heißt es dann. Auch simplere Diagnosen können sich schnell hinter komplizierten Wörtern verbergen, Knochenschwund etwa hinter "Osteoporose" und Mandelentzündung hinter "Angina tonsillaris".

Befunddolmetscher übersetzt das Ärzte-Kauderwelsch

"Ärzte meinen das nicht böse, aber sie haben es nicht besser gelernt", sagt Hirschhausen. Das Internet bietet vielen ratlosen Patienten gute Hilfe. Wichtig ist nur, sich ausschließlich auf seriöse Quellen zu verlassen. Auf der Seite washabich.de etwa können sich Patienten ihren Befund kostenlos von Medizinstudenten, Ärzten und Psychologen übersetzen lassen. Je nach Andrang kann es allerdings dauern, bis einer der ehrenamtlichen Mitarbeiter die Anfrage beantwortet.

Schneller geht es beim Befunddolmetscher, den die Macher von "Was hab' ich" gemeinsam mit "Faktencheck Gesundheit" der Bertelsmann Stiftung entwickelt haben. Ähnlich wie bei einem Online-Wörterbuch können Patienten dort medizinische Fachbegriffe eingeben, das System übersetzt sie direkt in verständliche Alltagssprache. Das Projekt befindet sich noch in einer Testphase, bisher beschränkt sich das Angebot auf CT, MRT und Röntgenbilder von Wirbelsäule, Hüfte und Knie.

Wer etwa "Chondropathia patellae Grad III" eingibt, erfährt, dass es sich um eine Knorpelschädigung auf der Rückseite der Kniescheibe handelt, bei der bereits größere, tiefere Risse aufgetreten sind. Der Begriff "Genu valgum" hingegen steht sehr simpel für X-Beine. Bei den Übersetzungen wird schnell eines klar: Hinter vielen der kompliziert klingenden lateinischen oder griechischen Begriffe stecken einfache Diagnosen, die jeder verstehen kann. Nachfragen beim Arzt lohnt sich!

Auch sonst kann der Patient dazu beitragen, mit einem guten Gefühl vom Arztbesuch nach Hause zu gehen. Viele vergessen etwa in der Aufregung, was sie alles fragen wollten. Erst wenn der Arzt sie - um seinen straffen Zeitplan einzuhalten - hastig mit einem Händedruck verabschiedet und Richtung Tür geschleust hat, kommen die Erinnerungen zurück. Eine Checkliste kann dabei helfen, sich gezielt auf den Arztbesuch vorzubereiten - und dabei gleich etwas für die Gesundheit zu tun: Fühlen sich Patienten unterstützt, aktiviert das nachweislich ihre Selbstheilungskräfte.

irb

insgesamt 74 Beiträge
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Seite 1
madre 23.04.2013
1.
Zitat von sysopFaktencheck Gesundheit55 Minuten warten, fünf Minuten drankommen und verwirrt nach Hause gehen: So läuft der typische Arztbesuch ab. Viele Mediziner haben nie gelernt, sich verständlich auszudrücken, sagt Eckart von Hirschhausen. In seiner Videosprechstunde "Faktencheck Gesundheit" erklärt er, warum Reden Gold ist. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/eckart-von-hirschhausen-zur-kommunikation-von-arzt-und-patient-a-894031.html
Ich habe noch nie einen Arzt getroffen, der mir nicht verständlich erklären konnte wo das Problem liegt. Die Idee hätte Ecki lieber mal vor 50 Jahren haben sollen. Da waren die Mediziner tatsächlich noch so stur und unverständlich. Jetzt kommt's nen bisschen spät.
zuvo 23.04.2013
2. Wer nicht fragt bleibt Dumm.
Ich habe auch noch nie erlebt das der Arzt nicht gesagt hat "Da haben sie eine Entzuündug, Schädigung, Schwund etc.". Er schreibt das vllt kompliziert auf aber meist selbst auf den Zetteln steht mittlerweile was wo nicht richtig ist durch ankreuzen oder so was. Es ist ja lieb und nett gemeint das alles aber bevor ich mich an irgendwenn im internet oder sonst wo wende da kann ich auch einfach meinen Arzt fragen ob er mir das erklären kann ohne Fachbegriffe.
rotweisse 23.04.2013
3. Wenn der Arzt übers Ziel ...
... hinaus schiesst, verschreibt er selbst dann kein Antibiotika, wenn es doch Bakterien sind. Das ist mir und meinem Mann mit dem gleichen "Notarzt" (sonst Sportmediziner) passiert. Kommentar meiner Hausärztin am Montag danach: Jetzt muss ich ihnen besonders starke Antibiotika: ungereinigtes Penecillin verschreiben. Ansonsten ist auch heute noch was Wahres an diesem Beitrag dran. Glückwunsch MADRE, dass sie noch nie einem solchen Mediziner über dem Weg gelaufen sind.
unterbelichtet 23.04.2013
4. Was fuer ein Quatsch
Da waermt der Spiegel wieder alten Muell auf. Natuerlich ist jeder Arzt faehig, dem Patienten die Diagnose verstaendlich zu machen, schon um ihn "loszuwerden", weil er einen "straffen Zeitplan" hat. Und das Aufmucken gegen den Praxiscomputer ist ja auch muessig. Der Arzt hat extensive (ausgiebige) Dokumentationspflicht, und frueher war es eben die Karteikarte (die noch "schlimmer" war). Daraus so daher zu schwaetzen, er interessiere sich mehr fuer seinen Computer, ist gewollt duemmlich, Herr von Hirschhausen! Jeder Buerger, der heute auf ein Amt geht, sieht die Notwendigkeit des Computers ein und wird nicht dagegen motzen. Als Arzt sollten Sie das wissen und differenzierter (ausgewogener) darstellen koennen, auch wenn Sie es inzwischen mit Kabarett versuchen.
c218605 23.04.2013
5. Fuckten...
Auch eine "Leer"meinung - Herr Hirschhausen, sie besitzen wohl ein abgeschlossenes Medizinstudium - c'est tout? Zum Arzt und damit zum Kollegen, wird man auch nur in Ausuebung dieses wunderbaren Berufes, bei dem jeder mit der Verantwortung auch das Risiko des persoenlichenVersagens am Menschen auf sich nimmt. Diese dann im weißen Kittel als Tanzbaeren in der Comdey-Manege vorzufuehren hat nichts mit Medizin oder gar Aufklärung zu tun. Es dient alleinig dem Eigennutz aller Mediennutten - promoviert oder nicht.
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