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03. Februar 2013, 12:27 Uhr

Ein rätselhafter Patient

Sensationelle Schwangerschaft

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Eine schwangere Afrikanerin hat den errechneten Geburtstermin bereits überschritten, als sie mit Bauchschmerzen in die Klinik geht. Das Kind sitzt offenbar in Steißlage - die Ärzte empfehlen einen Kaiserschnitt. Doch als der junge Assistenzarzt das Skalpell ansetzt, bricht Aufregung aus im OP.

Dass die 33-jährige Afrikanerin eine Sensation ist, ahnen weder ihre Ärzte noch sie selbst, als sie am Ende ihrer Schwangerschaft Bauchschmerzen bekommt. Besonders um den Bauchnabel herum tut es ihr weh, als sie sich im Mpilo Central Hospital in Bulawayo vorstellt, der zweitgrößten Stadt Simbabwes. Es ist ihre erste Schwangerschaft, und es hat bereits Komplikationen gegeben.

In der neunten und in der 15. Woche hatte die Frau mit leichten Schmerzen im Unterbauch das lokale Krankenhaus an ihrem Wohnort aufgesucht. Auch im weiteren Verlauf der Schwangerschaft litt sie immer wieder unter Bauchschmerzen. In der 22. Schwangerschaftswoche stellten Mediziner zudem einen erhöhten Blutdruck fest und verschrieben ihr Medikamente. Alle vier Wochen ließ die Patientin daraufhin ihren Blutdruck messen, er lag jedes Mal im Normbereich. Erst in der 39. Woche war er mit 150/100 mmHg deutlich zu hoch.

In der 33. Woche untersuchten Ärzte die Schwangere offenbar das erste Mal per Ultraschall. Während dies in Deutschland schon in der Frühschwangerschaft üblich ist, besitzt in den ländlichen Gegenden Afrikas längst nicht jede Klinik Ultraschallgeräte. Die vaginalen Untersuchungen hatten bis dahin immer ergeben, dass das Kind kopfüber im Bauch der Mutter liegt. Die Mediziner dokumentierten nach der Ultraschalluntersuchung aber, es handele sich um einen intrauterin - also innerhalb der Gebärmutter - liegenden, lebensfähigen Fötus in Steißlage. In vielen Ländern ist diese Lage des Kindes, bei der das Becken in Richtung Geburtskanal zeigt, ein entscheidendes Argument für einen Kaiserschnitt.

Das Drama beginnt

Als die Frau das Mpilo Central Hospital wegen ihrer Bauchschmerzen aufsucht, hat sie den errechneten Geburtstermin bereits überschritten. Erneut messen die Ärzte einen erhöhten Blutdruck. Bei der Untersuchung tasten sie, dass das Kind weiterhin in Steißlage liegt. Sie raten der Patientin dringend zu einem Kaiserschnitt, wie sie im "Journal of Medical Case Reports" berichten. Die Schwangere willigt ein und lässt sich am folgenden Tag eine rückenmarksnahe Narkose geben - das Drama beginnt.

Zu Beginn der Operation setzt ein wenig erfahrener Assistenzarzt das Skalpell an und schneidet den Bauch der Frau auf. Er durchtrennt die Haut, das Fettgewebe und die Muskeln des Bauches, als plötzlich dunkel gefärbte Flüssigkeit aus der Wunde quillt. Das dürfte so nicht sein, normalerweise enthält dieser mit Bauchfell umkleideten Teil des Unterbauchs keine Flüssigkeit. Und eigentlich müsste der junge Arzt als nächstes die Gebärmutter eröffnen, doch der Rücken des Kindes ist schon zu sehen. Es liegt nicht in der Gebärmutter, sondern mitten im Bauchraum. Sofort holt das Ärzteteam das Baby aus dem Bauch, die Nabelschnur wird abgeklemmt und durchgeschnitten - es ist ein Mädchen. Es schreit, es strampelt, seine Haut ist gut durchblutet. Es geht ihm gut.

"Dass eine Frau mit einer Bauchhöhlenschwangerschaft ein gesundes Baby zur Welt bringt, ist extrem selten", sagt Birgit Seelbach-Goebel, Direktorin der Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Universität Regensburg zu dem Fall aus Simbabwe. "Eine Bauchhöhlenschwangerschaft kann durch Verwachsungen des Mutterkuchens mit umliegenden Organen und Blutungen lebensbedrohlich werden." In Deutschland werden diese Fälle meistens schon in den ersten Wochen erkannt, weil Gynäkologen mit einem vaginalen Ultraschall die Lage des Embryos bestimmen können. "Wird der erste Ultraschall wie in diesem Fall aber erst in der 33. Woche gemacht, ist es manchmal sehr schwer, genau zu erkennen, ob der Fötus innerhalb oder außerhalb der Gebärmutter liegt", meint Seelbach-Goebel.

Bei welcher Entscheidung ist die Lebensgefahr geringer?

Die Mutter ist einerseits glücklich - und hat andererseits große Angst. Im Operationssaal herrscht Aufregung: Der Mutterkuchen löst sich nicht von allein. Der junge Chirurg klemmt die Arterien ab und ruft einen erfahrenen Kollegen zu Hilfe, der entscheidet, dass die Frau eine Vollnarkose braucht. Die Gefahr für eine lebensbedrohliche Blutung ist groß, weil die Plazenta stark durchblutet ist. Die beiden Mediziner konsultieren einen weiteren Arzt.

Auch der Mutterkuchen liegt nicht in der Gebärmutter, sondern außen am Dünn- und am Dickdarm und der Harnblase. Die Ärzte wissen, dass sie das Organ entfernen müssen. Zwar riskieren sie so weitere Blutungen. Lassen sie den Mutterkuchen aber im Bauch, besteht die Gefahr, dass sich das Gewebe entzündet, abkapselt oder blutet. Die Chirurgen nähen die Wunde nach der Entfernung mit acht Stichen, kleine Membranteile belassen sie im Bauchraum, um den Darm und die Blase nicht zu verletzen. Die Frau verliert bei der Operation eineinhalb Liter Blut und bekommt Konserven.

Fünf Tage später will sie schon nach Hause. Zwar entdecken die Ärzte noch Flüssigkeit im Bauchraum, ansonsten geht es Mutter und Kind aber gut. Das kleine Mädchen ist so kräftig, dass es an der Brust trinken kann. Doch schon am nächsten Tag muss sich die Frau nach dem Essen übergeben, sie hat starke Bauchschmerzen. Drei Tage später kommt sie zurück ins Krankenhaus. Die Flüssigkeit im Bauchraum, die Ärzte auch Aszites nennen, hat deutlich zugenommen. Mit langen Nadeln müssen die Mediziner wiederholt literweise Flüssigkeit ablassen, außerdem verordnen sie der Patientin Antibiotika.

In ihrem Fallbericht schreiben die Ärzte: "Wir sind uns bewusst, dass unser Management mangelhaft erscheinen mag. Wir arbeiten in einem einkommensschwachen Land. Uns fehlten die finanziellen Mittel, um herauszufinden, woher die Flüssigkeit im Bauchraum kam."

Der Frau geht es Schritt für Schritt besser, ein erhöhter Blutdruck aber bleibt, auch ist ihr Kalium- und Natriumspiegel zu niedrig. Die Ärzte empfehlen ihr, sich selbst und das Kind regelmäßig untersuchen zu lassen.

Für Mobilnutzer: Über diesen Link erfahren Sie mehr über die Risiken und Behandlungsmöglichkeiten einer Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter.

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