Neue Funktionen Elektronische Gesundheitskarte wird ausgebaut

Ist die elektronische Gesundheitskarte nur teuer und weitgehend nutzlos? Versicherte sind skeptisch; Datenschützer, Kassen und Ärzte zofften sich jahrelang um die Einführung. Doch bald könnte die eGK mit mehr digitalen Funktionen ausgestattet sein.

Elektronische Gesundheitskarte: Die eGK ist hoch umstritten - und hätte bereits 2006 eingeführt werden sollen
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Elektronische Gesundheitskarte: Die eGK ist hoch umstritten - und hätte bereits 2006 eingeführt werden sollen


Berlin - Hauptstadtflughafen, Elbphilharmonie - elektronische Gesundheitskarte. Das IT-Milliardenprojekt scheint sich nahtlos in Großvorhaben mit Pannen-Image einzureihen. Ursprünglich sollte die eGK am 1. Januar 2006 eingeführt werden. Widerstand von Ärzten, Streit und Planungsprobleme verzögern eine sinnvolle eGK bis heute. Im Stillen aber geht der Aufbau schneller voran als bekannt - was bekommen die Versicherten wann zu spüren?

Der Krankenkassen-Verband und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) haben sich erst kürzlich mit gegenseitigen Schuldzuweisungen zur eGK hervorgetan. Noch immer keine Einigung beider Seiten gibt es in der Frage, wann die alte Versichertenkarte abläuft. Alles nur schrille Begleitmusik für eine digitale Revolution im Gesundheitswesen?

Rund 97 Prozent der Versicherten haben die Karte. Gesamtkosten: 2014 laut den Kassen mehr als eine Milliarde Euro. Doch viel kann die eGK nicht. Das zu ändern, ist Ziel der Gematik. Die Gesellschaft mit den Krankenkassen, Ärzten, Kliniken und Apothekern als Trägern sitzt in hellen Räumen an der Spree in Berlins Mitte. Man zeigt sich dort tatkräftig.

"Im kommenden Jahr steht die Gesundheitsdatenautobahn"

Im Moment wird laut Gematik-Geschäftsführer Arno Elmer die Infrastruktur aufgebaut. "Da werden jetzt Leitungen verlegt", versichert der eloquente 48-Jährige mit Erfahrung in führender Position etwa bei der Nürburgring GmbH oder dem Immobiliendienstleister CB Richard Ellis. "Im kommenden Jahr steht die Gesundheitsdatenautobahn."

Doch diese allein sei erstmal nutzlos, sagt Rainer Bernnat, Experte für IT-Wirtschaft bei der Beratungsfirma Strategy& und langjähriger Begleiter der eGK. "Erst wenn Autos darauf fahren, bringt es Mehrwert und wird die Öffentlichkeit überzeugt werden." Gematik-Geschäftsführer Elmer beschreibt die bestehenden Datennetze bei Praxen und Kliniken als Landstraßen - bald würden sie an die neue digitale Autobahn angeschlossen. Gelingt das?

Spontane Begeisterung löst das Projekt in Zeiten der Datenspionage bei vielen nicht gerade aus. Aktivisten machen etwa im Bündnis "Stoppt die e-Card!" Front. "Die Sicherheit des Systems ist weit höher als die beim Onlinebanking", beteuert Elmer. Zentrale Server solle es nicht geben, die Daten bleiben in Praxen und Kliniken - Verschlüsselungen und PIN-Nummern sollen den Austausch sicher machen.

Leidet der persönliche Arzt-Patient-Kontakt unter der eGK?

Bei den Medizinern gibt es auch andere Gründe für Ablehnung. "Viele Ärzte haben Angst, der persönliche Kontakt zu den Patienten nehme ab, weil Daten elektronisch abgefragt werden", sagt Philipp Klöcker, Mitautor einer einschlägigen Studie der Universität Augsburg. Berater Bernnat meint: "Viele wollen sich nicht in die Karten schauen lassen." Doch in der Ärzteschaft gibt es auch andere Stimmen.

"Deutschland hinkt beim Thema E-Health hinterher", klagt der Chef des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt. "In anderen Ländern klappt der Arzt sein Notebook auf und hat sofort die Krankheitsdaten des Patienten vorliegen." Weigeldt kritisiert indirekt auch die in der Gematik vertretene KBV: Die Gematik-Beteiligten wollten die sensiblen Daten jeweils selbst haben - "diese aber nicht den anderen zugestehen".

Vom Hickhack alarmiert macht nun Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) Dampf. In der Koalition wird erwartet, dass sein geplantes E-Health-Gesetz bis Oktober auf den Weg kommt. Die Ärzte sollen auf digital umschalten. Von Ende 2015 an sollen laut den Kassen etwa Adresse und Versichertenstatus auf der Karte online überprüft werden können. Von 2016 an soll die elektronische Unterschrift eingeführt werden. Auch Notfalldaten sollen auf der Karte gespeichert werden können - Ärzte könnten rasch Infos über Allergien oder Herzschrittmacher bekommen.

Greifbar ist auch, dass Ärzte, Kliniken und Apotheker die Daten eines Patienten schnell austauschen können. "Heute werden Röntgenbilder zum Beispiel noch in Pappröhren verschickt", sagt Elmer.

Der künftige Nutzen von eGK und E-Health-Netz hängt davon ab, welche Programme Firmen bieten. Ekkehard Mittelstaedt vertritt als Verbandsgeschäftsführer die IT-Anbieter im Gesundheitswesen. Die Räume des Verbands bvitg nahe des Berliner Gendarmenmarkts sind nüchtern, die Verheißungen von IT-Lösungen für bessere Behandlungsabläufe groß. Mittelstaedt meint, die Industrie biete schon heute Anwendungen an - weit über den Transport von Daten zwischen Ärzten hinaus.

Beispiel Arzneisicherheit: Es gilt, Patienten vor Wechselwirkung bei mehreren Pillen und Überdosierung zu schützen. Also könnte es für alle berechtigten Ärzte und Apotheker einsehbare Medikationspläne geben. "Patienten und Ärzte könnten aber auch von automatischen Wechselwirkungsprüfungen profitieren oder von Vorschlägen zur Medikation, die Programme anhand aktueller wissenschaftlicher Standards machen", sagt Elmer.

Wesentliche Anwendungen würden jedenfalls bis 2018 eingeführt - bis dahin dürften der neue Berliner Flughafen und die Hamburger Elbphilharmonie bereits fertig sein.

Basil Wegener, dpa

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insgesamt 48 Beiträge
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Seite 1
Immanuel_Goldstein 25.07.2014
1.
Zitat von sysopDPAIst die elektronische Gesundheitskarte nur teuer und weitgehend nutzlos? Versicherte sind skeptisch; Datenschützer, Kassen und Ärzte zofften sich jahrelang um die Einführung. Doch bald könnte die eGK mit mehr digitalen Funktionen ausgestattet sein. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/elektronische-gesundheitskarte-neue-digitale-features-fuer-die-egk-a-982869.html
Ich warte auf den Tag, an dem man bei einem Vorstellungsgespräch die elektronische Gesundheitskarte und eine Schufaauskunft samt NSA-Verifizierung und Führungszeugnis vorlegen muss.
marty_gi 25.07.2014
2. 3 %
Ich gehoere zu den 3 % - und das noch sehr lange. Es konnte mir bislang niemand auch nur einen halbwegs sinnvollen Nutzen erklaeren, und schon mal garnicht, warum darauf ein Bild sein soll. Wenn man meine Identitaet beim Kauf mit einer Kreditkarte anzweifelt, muss ich einen Ausweis vorzeigen - das waere hier auch gegangen. Roentgenbilder bekomme ich heutzutage auf CD mitgegeben. Und ich will ueberhaupt nicht, dass jeder Arzt meine komplette Krankenakte jederzeit einsehen und abrufen kann....
zefixnochamoi 25.07.2014
3. Verschlüsselungen und PIN-Nummern
"Sie wissen Ihre PIN nicht? - Sorry, heute leider keine Pillen. Wie, Sie haben Schmerzen? Ja tut mir leid, ohne PIN geht nix..." Ach ja, und natürlich sind die Daten SUPERSICHER. Aber nur, wenn Sie die PIN wissen ... Ich bin gespannt, wieviele ältere Menschen ihre PIN nicht wissen oder falsch eintippen.
wrzlbrnft 25.07.2014
4. Gibt es doch schon alles heute ohne eGK
"Beispiel Arzneisicherheit: Es gilt, Patienten vor Wechselwirkung bei mehreren Pillen und Überdosierung zu schützen." Dafür gibt es doch schon heute APPs oder der Apotheker führt einen solchen Test durch. "Auch Notfalldaten sollen auf der Karte gespeichert werden können" Jeder kann heute auf einer Karte diese Daten mit sich führen. Diese auch im Gegensatz zur eKG für jeden lesbar. Man sucht hängeringend nach Möglichkeiten, um die horrenden Kosten der eKG begründen zu kennen. In Wirklichkeit ist dass ei Flop, der BER um Größenordnungen übertrifft. Der einzige "Nutzen" ist das langfristige Aushorchen der Bürger ohne rechtliche Grundlage.
Fricklerzzz 25.07.2014
5. Ich werde auf/mit der Karte garnichts speichern lassen
Die Server werden mit Sicherheit gehackt und bei mir als Chronisch Krankem mit Verdienst werden dann das Postfach und das telefon heiß laufen - ohne mich Oder glaubt auch nur einer das die Pharma-Industrie die Daten nicht sofort abzugreifen versucht ? Gegen genug Bahres werden sich bestimmt auch Genug Leute finden die denen zuarbeiten.
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