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Milliardenkosten: Der Zoff um die elektronische Gesundheitskarte

Muster der elektronischen Gesundheitskarte: Größte Unterschied ist das Konterfei des Versicherten Zur Großansicht
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Muster der elektronischen Gesundheitskarte: Größte Unterschied ist das Konterfei des Versicherten

Die elektronische Gesundheitskarte droht zu einem Milliardengrab zu werden. Krankenkassen und Ärzte geben sich für die jahrelangen Verzögerungen bei der Einführung gegenseitig die Schuld.

Elf Jahre nach dem Beschluss zur Einführung der elektronischen Gesundheitskarte, kurz eGK, droht das IT-Projekt zum Milliardengrab zu werden. Krankenkassen und Ärzte, die die Karte mit Kliniken, Apothekern und der Industrie gemeinsam einführen sollen, haben sich bei dem Projekt zerstritten. Die Kassen werfen den Ärzten vor, den geplanten Online-Austausch sensibler Patientendaten zu behindern. Die Mediziner werfen den Kassen Versagen vor. Für die Versicherten geht der Streit richtig ins Geld.

Zerknirschheit gehört zum guten Ton, wenn die Verantwortlichen von der Karte reden - gepaart mit Schuldzuweisungen. "Wir haben die Komplexität dieses Projekts unterschätzt", sagt die Chefin des Kassen-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer. "Ich glaube, das hat auch die Industrie getan." Damit deutet sie an, dass die IT-Firmen etwa bei Hard- und Software hinterherhinkten. Unternehmen wie T-Systems, arvato Systems und Compugroup Medical sind Partner der von Krankenkassen, Ärzten, Apothekern und Kliniken getragenen Betreibergesellschaft Gematik.

Bei den Betreibern selbst aber läuft es alles andere als rund. Wie ist der Stand?

97 Prozent der 70 Millionen gesetzlich Versicherten haben die eGK laut den Kassen mittlerweile. Das Problem: Die einzige Neuerung im Vergleich zur alten Versichertenkarte ist das Passbild. Vom nächsten Jahr an sollen Versichertendaten etwa bei Adressänderungen schnell geändert werden können. Doch erst ab 2018 soll es medizinisch sinnvolle Anwendungen geben - etwa das Speichern von Vorerkrankungen oder die Übermittlung elektronischer Fallakten.

"Wenn die Hemmnisse so weitergehen, wird daraus nichts"

"Das sind Planungen", sagt jedoch Christian Zahn vom Verwaltungsrat des Kassenverbands, "wenn die Hemmnisse so weitergehen, wird daraus nichts." Gemeint sind damit vor allem die Ärzte: Sie haben auf dem jüngsten Ärztetag nur äußerst knapp den Antrag scheitern lassen, sich ganz aus dem Projekt zurückzuziehen. Und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) wird nicht müde, ein eigenes Netz (KV-SafeNet) als Datenautobahn für die Gesundheitsinformationen der Versicherten zu propagieren - was die Krankenkassen als unsicher ablehnen.

880 Millionen Euro hat die eGK bisher gekostet - 2014 sollen es mehr als eine Milliarde werden. Umsonst?

Das Ende des Projekts will bisher offiziell keiner. Auf der einen Seite verspricht die Karte Verbesserungen: Sobald sie als Schlüssel für Online-Kommunikation über Server funktioniert, die als sicher gelten, sollen Ärzte Befunde und andere Informationen elektronisch übermitteln und Fallakten über den Behandlungsverlauf austauschen können. Nach der Entlassung von Patienten aus der Klinik haben niedergelassene Ärzte heute oft wenig Ahnung, was dort passiert ist, oder welche Pillen die Patienten schlucken.

"Diese Taktik ist durchschaubar und mies"

Auf der anderen Seite sind die Sorgen um die Sicherheit gewachsen, nicht zuletzt seit dem Bekanntwerden der Datenspionage von Geheimdienste. Die Kassen-Verbandschefin Pfeiffer wirft den Ärzten indirekt vor, den Versicherungen kaum Einblick in die Datenströme geben zu wollen: "Für die KBV ist es wichtig, eine Infrastruktur zu haben, die sie selbst in der Hand hat." KBV-Chef Andreas Gassen kontert, die Kassen wollten zunächst nur ihre Aufgabe, die Adress- und andere Stammdaten der Versicherten zu verwalten, auf die Arztpraxen abwälzen. Weil die Ärzte dies nicht mitmachten, gäben die Kassen ihnen nun den Schwarzen Peter an dem Debakel. "Diese Taktik ist durchschaubar und mies", wettert Gassen.

Die Bundesregierung hat sich aus dem Streit bisher vorwiegend herausgehalten. Jetzt fordern die Kassen wirksame Fristen zur Einführung der Karte mit Funktionen - und wollen mit Blick auf die Ärzteschaft bei einer Blockade Sanktionen. "Das schafft nur der Gesetzgeber", sagt ihr Verwaltungsratschef Volker Hansen. Nun zeigt sich auch die Koalition alarmiert. Die Karte müsse endlich Verbesserungen bringen, sagt CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn. "Dafür lohnt es sich auch, die gesetzlichen Zügel anzuziehen und weiter Druck zu machen."

Was jetzt schon klar ist: Vor einem Mehrnutzen sollen bundesweit alle ausgegebenen Gesundheitskarten ausgetauscht werden. 2017 soll es laut den Kassen so weit sein, denn dann müssen bisher benutzte Sicherheitsschlüssel erneuert werden. Der Austausch könnte einen dreistelligen Millionenbetrag kosten.

Von Basil Wegener, dpa

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insgesamt 41 Beiträge
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    Seite 1    
1. im Einzelfall bestenfalls wertlos, eher gefährlich
rot 18.06.2014
"..Jetzt fordern die Kassen wirksame Fristen zur Einführung der Karte mit Funktionen.." hat schon mal jemand daran gedacht die Haupt-betroffenen, die Versicherten und Patienten zu fragen, was die wollen? Wird da mal wieder über den Kopf der betroffenen hinweg was zusammen- gemauschelt um die Kosten (und Gewinne) zu optimieren? Daß mit der elektronischen Durchsichtigkeit des Patienten alles besser wird, glaubt wohl niemand so recht. Auch wird sich ein Arzt/Krankenhaus schwerlich auf das verlassen können, was irgend ein Niemand auf irgendeinem Surfer der Gott-weiß-wo steht (vielleicht auch in Amerika?) abgespeichert hat. Der medizinische Wert ist etwa der von Höhren-Sagen;unzuverlässig - wertlos also, wenn nicht gar gefährlich. Wer haftet z.B. bei einer fehlerhaften Behandlung aufgrund falscher Daten? Nebenbei gesagt, es gab schon Anfang der 70 Jahre massiv Versuche (zB von Dow Chemical) an die bei der Berufgenossenschaft gepeicherten Gesundheitsdaten von Chemiearbeitern zukommen und die nach Amerika zu transferieren. Das wurde jedoch von der zuständigen Ärztin (wie ich zufällig persönlich mithören konnte) entrüstet abgelehnt. Jetzt soll das alles legal werden? letztlich zum Schaden der Betroffenen. Denn daß das alles nur geht, wenn die entsprechenden Gesetzte z.B. des Datenschutzes mehr oder weniger zu Makulatur verarbeitet werden, ist die logische Voraussetzung.
2.
pussinboots 18.06.2014
Zitat von sysopDPADie elektronische Gesundheitskarte droht zu einem Milliardengrab zu werden. Krankenkassen und Ärzte geben sich für die jahrelangen Verzögerungen bei der Einführung gegenseitig die Schuld. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/elektronische-gesundheitskarte-verzoegerungen-kosten-milliarden-a-976014.html
Ein weitere Lösung der Gleichung X droht zu einem Milliardengrab zu werden. Y und Z geben sich für die jahrelangen Verzögerungen bei der Einführung gegenseitig die Schuld. Meist geht der Nutzen für die Bürger gegen 0 und die Gewinne für die beteiligten Firmen gegen unendlich.
3. Zurück zum Krankenschein.....
n.r.g.mecklenburg 18.06.2014
..... und der guten alten Karteikarte. Ach ja, das geht ja nicht. Das würde ja Arbeitsplätze bringen und die Kommunikation zwischen Menschen bedeuten. Hunderte von Millionen für Systemumstellungen. Und das alle paar Jahre. Das ist ein unnötiger Kapitalaufwand. Das Geld, investiert, in Löhne, wuerde wieder im Kreislauf landen, anstatt in unproduktiver Hardware zu verweilen um nach drei Jahren abgeschrieben zu werden.
4. Was anzunehmen war
asentreu 18.06.2014
Ich gehöre immer noch zu den 3% ohne eGK. Man wird zwar alle vier Wochen mit Briefen terrorisiert, am AOK- Kassentelefon vorsätzlich angelogen ("die Ärzte können die alten Karten gar nicht mehr auslesen, die haben von uns neue Geräte bekommen", "und warum ist das dann bei meinem Arbeitgeber in der Notaufnahme kein Problem und seit wann zahlt ihr auch nur einen Cent für Praxis- und Ambulanzausstattung?"... Schweigen... klappt bei allen Ärzten immer noch mit dem "Kartenlesen"). Wenn die ein Passfoto von mir wollen, können sie es auch bezahlen. Im Übrigen IST die Karte sinnlos. Das Passfoto sollte Sozialbetrug verhindern, es gab in Berlin (migrantische) Großfamilien die alle eine Karte benutzten bis es aufflog. Erstens lasse ich mich nicht in Geiselhaft nehmen für Sozialbetrüger. Zweitens werden es jetzt kaum weniger Fälle, solange man tagtäglich eGKs mit Kopftuchpassfotos (oft gerne Nikabs, nicht ohne Grund!) in der Hand hat, je weniger Gesicht man da sieht umso weniger kann man wissen ob der Stoffhaufen mit zwei Augen auf der Karte der echten Patientin entspricht.
5. Beitragsvernichtung!
genugistgenug 18.06.2014
Zitat von sysopDPADie elektronische Gesundheitskarte droht zu einem Milliardengrab zu werden. Krankenkassen und Ärzte geben sich für die jahrelangen Verzögerungen bei der Einführung gegenseitig die Schuld. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/elektronische-gesundheitskarte-verzoegerungen-kosten-milliarden-a-976014.html
das ist nur iene riesige Geldvernichtung und Abzockerei. PS hier in UK hat der NHS (National Health Service) das Parallelprojekt eingestampft (war glaube ich 2011)
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