Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Westafrika: Sierra Leone ist Ebola-frei

Feier in Freetown, Sierra Leone: Das Land gilt seit dem 7. November als frei von Ebola Zur Großansicht
AP/dpa

Feier in Freetown, Sierra Leone: Das Land gilt seit dem 7. November als frei von Ebola

Es war die erste erlaubte öffentliche Feier seit anderthalb Jahren: In Sierra Leones Hauptstadt Freetown wurde verkündet, dass das Land offiziell Ebola-frei ist. Mehr als 11.000 Menschen in Westafrika waren an der Infektion gestorben.

Mit Freudenfeiern und Feuerwerk hat Sierra Leone das offiziell bestätigte Ende der Ebola-Epidemie in dem westafrikanischen Land gefeiert. Unter dem Jubel der Anwesenden erklärte der WHO-Vertreter Anders Nordstrom am Samstag bei einer Zeremonie in der Hauptstadt Freetown: "Heute, am 7. November 2015, erklärt die Weltgesundheitsorganisation das Ende des Ebola-Ausbruchs in Sierra Leone." Nach den Regeln der WHO gilt ein Land 42 Tage nach dem letzten Infektionsfall als Ebola-frei.

Tausende Menschen feierten auf den Straßen. Bars gaben Freigetränke aus, Menschen tanzten, Trommelrhythmen erfüllten die 1,2-Millionen-Einwohner-Stadt, deren Straßen von Feuerwerk widerhallten. Es war die erste von den Behörden erlaubte öffentliche Feier seit dem Beginn der Epidemie vor rund anderthalb Jahren. Mehr als 8700 Menschen erkrankten in Sierra Leone an Ebola, etwa 3600 von ihnen starben. Hinzu kamen zahlreiche Verdachtsfälle. Unter den Toten waren auch 221 Helfer aus dem Gesundheitsbereich.

Präsident Ernest Bai Koroma warnte allerdings vor der Gefahr eines möglichen Wiederaufflammens von Ebola. Sein Land werde deshalb eine gewisse Kapazität an Labortests und Behandlungszentren beibehalten. Sierra Leone verfüge jetzt über ein System, mit dem es reagieren könne, sagte der Präsident. Zugleich stellte Koroma ein Ende des nationalen Notstands in Aussicht, der unter anderem die Bewegungsfreiheit im Land stark einschränkt. Der Staatschef würdigte das Heldentum der Ebola-Helfer, die gegen die Epidemie gekämpft haben.

Forscher hatten kürzlich zur Vorsicht gemahnt: Männer könnten nach einer überstandenen Ebola-Erkrankung noch mindestens neun Monate Bestandteile des Erregers in der Samenflüssigkeit haben. Das hatte eine Studie mit 93 Überlebenden in Sierra Leone ergeben. Der Nachweis von Ebola-Erbgut heiße aber nicht, dass auch infektiöse Viren vorhanden seien, schrieben die Autoren im "New England Journal of Medicine". "Es zeichnen sich immer mehr Gesundheitsprobleme ab, die Ebola-Überlebenden drohen", betonte Tom Frieden, Leiter der US-Gesundheitsbehörde CDC, die an der Studie mitwirkte.

Vereinzelt Fälle in Guinea

Bei der schlimmsten Ebola-Epidemie in der Geschichte kamen in ganz Westafrika seit Ende 2013 etwa 11.300 Menschen ums Leben. Am meisten betroffen waren Sierra Leone, Guinea und Liberia, wobei Liberia schon im September für Ebola-frei erklärt worden war. Guinea registriert dagegen weiterhin Ebola-Fälle, wenn auch nur in geringer Zahl.

Wirtschaftlich ist der Schaden für die Region immens. Die Weltbank rechnet mit 1,4 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro) Verlust allein für den Staatshaushalt Sierra Leones im laufenden Jahr. Das Bruttoinlandsprodukt des Landes dürfte infolge der Krise um mehr als 20 Prozent schrumpfen. Sierra Leone war bereits vor der Ebola-Epidemie eines der ärmsten Länder der Welt. Ein verheerender Bürgerkrieg ging erst 2002 zu Ende.

wbr/AFP/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Endlich!!! Und trotzdem getrübt...
michel-watcher 08.11.2015
Nur weil die westliche Welt viel zu lange zuschaute und es Ewigkeiten dauerte, bis man anfing zu helfen, wurde diese Epidemie so dramatisch. Anfangs schien es so, als ginge uns das nichts an. Selbst als 'Ärzte ohne Grenzen' laut um Hilfe rief, geschah erst mal nichts. Erst als man befürchtete, dass Europa mit gefährdet sein könnte, rollte die Hilfe an. Ziemlich erbärmlich und traurig! Beschämend! Doch jetzt freuen wir uns sehr für die Menschen dort, die so viel Leid ertragen mussten, hoffen, dass sie verschont bleiben künftig. Und wenn, dass dann sofort geholfen wird! Ego- Europa! Pfui!!! Ebola ist eine sehr fiese Infektion, zahlreiche Überlebende haben massive Beschwerden! Dieser Virus darf keine Chance mehr bekommen. Und das nicht aus Egoismus, sondern als Selbstverständlichkeit!
2.
säkularist 08.11.2015
Zitat von michel-watcherNur weil die westliche Welt viel zu lange zuschaute und es Ewigkeiten dauerte, bis man anfing zu helfen, wurde diese Epidemie so dramatisch. Anfangs schien es so, als ginge uns das nichts an. Selbst als 'Ärzte ohne Grenzen' laut um Hilfe rief, geschah erst mal nichts. Erst als man befürchtete, dass Europa mit gefährdet sein könnte, rollte die Hilfe an. Ziemlich erbärmlich und traurig! Beschämend! Doch jetzt freuen wir uns sehr für die Menschen dort, die so viel Leid ertragen mussten, hoffen, dass sie verschont bleiben künftig. Und wenn, dass dann sofort geholfen wird! Ego- Europa! Pfui!!! Ebola ist eine sehr fiese Infektion, zahlreiche Überlebende haben massive Beschwerden! Dieser Virus darf keine Chance mehr bekommen. Und das nicht aus Egoismus, sondern als Selbstverständlichkeit!
Ich kann Ihrer Freude vollkommen zustimmen. Allerdings sehe ich nicht, warum Europa in der Pflicht steht überall und immer an vorderster Front zu helfen. Da hätte die AU z.B. auch mal was sinnvolles tun können. Afrika will sich doch angeblich von Europa emanzipieren. Aber wenn irgendwas ist, dann wird immer nach Europa gerufen.
3. Weil wir - mit zahlreichen anderen- massiv profitieren
michel-watcher 09.11.2015
Zitat von säkularistIch kann Ihrer Freude vollkommen zustimmen. Allerdings sehe ich nicht, warum Europa in der Pflicht steht überall und immer an vorderster Front zu helfen. Da hätte die AU z.B. auch mal was sinnvolles tun können. Afrika will sich doch angeblich von Europa emanzipieren. Aber wenn irgendwas ist, dann wird immer nach Europa gerufen.
Natürlich sind wir nicht für die ganze Welt alleine verantwortlich, damit haben sie recht. Aber wir tragen trotzdem Verantwortung, eben weil ein nicht geringer Teil unseres Wohlstands der Armut der afrikanischen (und anderen) geschuldet ist. Erst das Gefälle macht Geschäfte mit Afrika so attraktiv, erst die dortige Ausbeutung ermöglicht unglaubliche Gewinne. Die Zusammenhänge zwischen unserem Reichtum und der Armut auf der anderen Seite sind mannigfaltig und vielerorts nachzulesen. Deshalb tragen wir auch Verantwortung. Nicht wir alleine, natürlich. Aber eben unseren Teil. Klar ist es traurig, wenn sich andere hier zurücklehnen, jede Verantwortung wegschieben. Aber soll das als Grund herhalten, ebenfalls so zu handeln? Nein, ich glaube nicht, zumal D. ja auch direkt und indirekt am Tod und der Unterdrückung zig tausender Menschen weltweit beteiligt ist!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Gesundheit auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel: