Erkältung, Grippe, Magen-Darm-Infekte Wie halten sich Ärzte im Winter gesund?

Sie verbringen ihren gesamten Arbeitstag mit Kranken - und sehen im Winter ständig Erkältete oder Grippekranke. Wie schaffen es Ärzte, sich nicht anzustecken? Wir haben zwei gefragt.

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Husten, Niesen, noch mehr Husten. Bei der typischen winterlichen Geräuschkulisse in den Wartezimmern von Arztpraxen kann man sich schon fragen: Wie schaffen es Mediziner, den Winter gesund zu überstehen?

Wir haben darüber mit der Hausärztin Anke Richter aus Bad Oeynhausen, der Vorsitzenden des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe, sowie dem Kinder- und Jugendarzt Herrmann Josef Kahl aus Düsseldorf gesprochen.

Bis zu 180 Patienten kommen pro Tag in die Praxis von Anke Richter, in der neben der Fachärztin für Innere Medizin vier Mitarbeiterinnen arbeiten. "Bei Infektwellen werden wir auch mal krank, aber meist erst am Ende", sagt sie. "Ich glaube, das liegt daran, dass wir es uns innerhalb der Krankheitswelle schlicht nicht erlauben können, krank auszufallen. Da hält dann die Psyche dagegen." Erst wenn der größte Ansturm vorbei ist, bricht der Infekt aus - ein bisschen so wie bei Menschen mit stressigem Job, die dann an den ersten Urlaubstagen krank werden.

Anke Richter, Vorsitzende des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe und Herrmann Josef Kahl, Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte
Axentis/ Deutscher Hausärzteverband; privat

Anke Richter, Vorsitzende des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe und Herrmann Josef Kahl, Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte

Immer auf Hygiene achten

Sehr gewissenhafte Hygiene sind für beide Ärzte selbstverständlich. "Ich gebe allen Patienten zur Begrüßung und zum Abschied die Hand", sagt Kahl, "aber danach wasche und desinfiziere ich die Hände gründlich. Je nachdem was das Kind hat, auch noch gründlicher und länger - etwa bei Lungenentzündungen oder Magen-Darm-Infekten." Kahl rät auch Eltern mit krankem Kind, sich regelmäßig die Hände zu desinfizieren.

Auch Anke Richter reicht ihren Patienten zur Begrüßung die Hand - mit wenigen Ausnahmen. "Wir hatten vor Kurzen eine Keuchhustenwelle, da habe ich darauf verzichtet." Auch Menschen mit einem durch Medikamente unterdrückten Immunsystem gibt sie nicht die Hand - zum Schutz dieser Patienten. Neben jeder Tür hängt ein Desinfektionsmittelspender, den sie nach dem Händeschütteln nutzt. Wie reagiert die Haut auf das ständige Desinfizieren? "Meine Hände sind schon rau", sagt Richter.

Sich regelmäßig die Hände zu waschen, um Ansteckungen zu vermeiden - das mag banal klingen. Das Verhalten der beiden Ärzte verdeutlicht dabei, was notwendig ist, damit der Ratschlag wirklich hilft: immer an die Hygiene denken und sie konsequent im Alltag einbauen.

Manche Ärzte verzichten - anders als Richter und Kahl - bewusst aufs Händeschütteln. Das kann allerdings manche Patienten irritieren und bedarf dann einer Erklärung oder kann schlimmstenfalls das Vertrauen in der Arzt-Patienten-Beziehung beeinträchtigen, weil sich jemand schon bei der Begrüßung abgewiesen fühlt.

Gesunde Ernährung statt Vitaminpillen

Kahl und Richter erzählen beide, dass sie auch im Winter viel Obst und Gemüse essen. Eine gesunde Ernährung mit vielen Vitaminen sei gut fürs Immunsystem. Wer jetzt meint, er könne statt Apfel und Paprika einfach Vitamintabletten schlucken, irrt. Beide Ärzte sagen, sie nehmen keine Nahrungsergänzungsmittel, und diese seien auch kein Ersatz für eine gesunde Ernährung.

Tatsächlich sind Nahrungsergänzungsmittel für gesunde Menschen in Deutschland in aller Regel überflüssig - sie fördern die Gesundheit nicht. Nur in besonderen Fällen wird zu bestimmten Präparaten geraten, etwa in der Schwangerschaft oder bei chronischen Krankheiten. Zur Infektvorbeugung werden die Mittel dagegen nicht empfohlen.

Gegen die Grippe impfen

Als weiteren wichtigen Punkt nennt Kinder- und Jugendarzt Kahl die Grippeimpfung. Er schützt damit nicht nur sich selbst vor einer Ansteckung mit der Infektionskrankheit, sondern indirekt auch seine Patienten, die zum Teil noch nicht alt genug für die Impfung sind.

In Deutschland wird Ärzten und medizinischem Personal generell nahegelegt, sich gegen die Grippe zu impfen, damit Patienten vor einer möglichen Ansteckung geschützt sind. Des Weiteren rät die Ständige Impfkommission Schwangeren, allen ab 60-Jährigen sowie Menschen mit bestimmten chronischen Krankheiten zur jährlichen Grippeimpfung.

Hausärztin Richter setzt außerdem auf ein Hausmittel zur Stärkung der Abwehrkräfte, sie nutzt das Kneipp-Prinzip: "Morgens dusche ich mich nach der warmen Dusche einmal kalt ab."

Zwar ist die wissenschaftliche Beweislage dazu dünn, man kann also darüber streiten, ob Warm-kalt-Duschen zur Infektabwehr beiträgt. Weil die Maßnahme aber weder Zeit noch Geld kostet und grundsätzlich ungefährlich ist, kann man es auch einfach mal ausprobieren.

Auch Pädiater Kahl scheut die Kälte nicht: Er geht bei jeder Wetterlage mit seinem Hund raus. Regelmäßiger Sport beziehungsweise solche regelmäßigen Spaziergänge können dabei helfen, gesund zu bleiben.

Wenn doch mal ein Infekt kommt: Hausmittel und Ruhe

Richter sagt, sie habe nur sehr selten Infekte. "Aber wenn sich eine Erkältung ankündigt, dann schone ich mich sehr konsequent und sage zum Beispiel am Wochenende alle sozialen Verpflichtungen ab, um auszuruhen und am Montag wieder fit zu sein."

Auch Kahl meint, er sei selten selbst krank. Zu Beginn der Arzt-Laufbahn fange man sich erst einmal viele Infekte ein, aber das werde mit der Zeit weniger.

Falls er doch mal erkältet ist, greift der Mediziner auf Hausmittel zurück: "Tee mit Honig, die Brust mit ätherischen Ölen einreiben, Nasendusche mit Kochsalzlösung. Das reicht für gewöhnlich."

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Ranus 28.01.2018
1. Bin seit 34 Jahren
als Hausarzt tätig und bekomme so 1-2 mal im Jahr einen dicken Schnupfen. Deswegen die Praxis zumachen geht nicht. Dass es bislang so harmlos war, führe ich vor allem darauf zurück, dass mein Immunsystem durch den jahrelangen und in den Wintermonaten so intensiven Kontakt mit ansteckenden Patienten so viele Antikörper gebildet hat. Dafür gibt es den in Vergessenheit geratenen Begriff der „stillen Feiung“. Und dann noch: nicht rauchen, einigermaßen gesunde Ernährung, etwas Bewegung, genug Schlaf. Vielleicht noch ein paar gute Gene. Mehr ist es nicht.
Vournet 28.01.2018
2.
Ärzte sind ein gutes Beispiel dafür, dass man mit guter Hygiene Ansteckungen vermeiden kann. Ein im Artikel vergessener Punkt ist die Reinigung der Praxisräume. Ich gehe davon aus, dass diese täglich gereinigt werden und insbesondere Türklinken desinfiziert werden. Alles Händewaschen und Desinfizieren bringt nichts, wenn man beim nächsten Griff zur Türklinke wieder alles zunichte macht, wie es oft in Privathaushalten ist.
satsang 28.01.2018
3. Seit 37 Jahren Hausarzt
Wie @Ranus schon sagt, geht es im wesentlichen um das Training des Immunsystems. Deswegen sind wir Haus- und Kinderärzte am Anfang unseres Berufslebens auch dauernd krank und später nur noch ab und zu (im Urlaub...). Die Übertragung der Viren findet im übrigen hauptsächlich per Tröpfchen-Übertragung (Sprechen, Husten) statt, Händedesinfektion ist deswegen nur begrenzt schützend. Als ein wesentlicher Faktor der verminderten Immunabwehr muß aber auch die unkritische Verordnung und Einnahme von Antibiotika angesehen werden, die das differenzierte Darmimmunsystem anhaltend aus dem Lot bringen kann. Vielleicht eher doch mal auf die "komplementäre Medizin" einschließlich der Homöopathie vertrauen, auch wenn sie von Prof. Edzard Ernst so verteufelt wird? Die SCHADET nämlich wesentlich weniger als jegliche allopathische Medizin!
ramon 28.01.2018
4. Der innere und äußere Zwang...
Ärzte und auch Pflegepersonal arbeiten schlicht öfter mal auf Kosten der eigenen Gesundheit einfach weiter. In meiner Klinik gibt es regelmäßig Ansagen von meinen Chefarzt in der Morgenbesprechung wenn sich ein Kollege mal krank meldet. Da „sorgt“ sich der Chef um die Gesundheit der jungen Mitarbeiter. Der Subtext lautet aber eigentlich, dass man besser kommen sollte, um den reibungslosen Ablauf zu gewährleisten und nicht in Ungnade zu fallen. Auch freuen sich die Kollegen, wenn man krankheitsbedingt einen 24 Stundendienst aufgebrummt bekommt. Zur Begrüßung darf man sich von seinem Oberarzt- der sich in meinem Fall in seiner Habilitation mit „ethical Leadership“ auseinandergesetzt hat- fragen lassen, wann man denn das nächste mal krank machen möchte. Bei niedergelassene Ärzte kommt der selbe Effekt zum tragen wie bei Selbstständigen. Die Arbeit ruhen lassen wegen einer Grippe kommt eher selten in Frage... sicherlich wird man in Gesundheitsberufen abgehärtet, aber der Zwang hat auch seinen entscheidenden Anteil an der Geschichte...
wahrsager26 28.01.2018
5. Gegenhalten ....
wer nämlich selbstständig ist und nicht gerade so verunfallt, das er nicht mehr arbeiten kann,der verhält sich auch im Skiurlaub anders.Der Angestellte weis im Grunde gar nicht wie gut es ihm geht...schwupp ist der gelbe Zettel da-man hat ja auch einen Anspruch. Gut! Aber dann sollte auch honoriert werden,das bisweilen auch mehr Verdient wird.Über Überstunden wird nicht geredet ,es muss ja nicht immer nur der Arzt sein der sich bis zum Umfallen einsetzt! Danke
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