Erkältung Ist Schlaf die beste Medizin?

Wer erkältet ist, gehört ins Bett: Dass Schlaf die Abwehrkräfte stärkt, zeigt auch eine aktuelle Studie. Schon drei Stunden Schlaf zu wenig reichen demnach aus, um das Immunsystem zu schwächen.

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Schlaf ist oft die beste Medizin, weiß nicht nur der Volksmund. Auch deutsche Forscher sind sich sicher, dass er das Immunsystem unterstützt. In einer aktuellen Studie haben sie herausgefunden, dass Schlaf die Arbeit bestimmter Abwehrzellen, der sogenannten T-Zellen, unterstützt. "Einfach nur Hinlegen ist auch gut, aber Schlafen ist besser", sagt Tanja Lange von der Klinik für Rheumatologie und klinische Immunologie an der Universität Lübeck. Zusammen mit Stoyan Dimitrov und Luciana Besedovsky von der Universität Tübingen hat sie die Studie geleitet, die jetzt im Fachblatt "Journal of Experimental Medicine" veröffentlicht wurde.

Akuter Schlafmangel hemme dagegen die Arbeit der T-Zellen. Bereits drei Stunden Schlaf pro Nacht zu wenig können demnach das Immunsystem beeinträchtigen. "Die Studie zeigt einen Pfad, wie Schlaf auf die Funktion von T-Zellen positiv Einfluss nehmen kann", sagt Immunologe Rainer Straub von der Universitätsklinik Regensburg, der nicht an der Studie beteiligt war.

Die T-Zellen gehören zu den Hauptakteuren im Immunsystem. Wenn sie eine von Krankheitserregern befallene Zelle erkennen, aktivieren sie bestimmte Rezeptoren, sogenannte Integrine, mit denen sie ihr Ziel kapern und vernichten können.

Das Forscherteam hatte zehn Frauen und fünf Männern mehrfach Blut abgenommen - tagsüber, nachts und während einer Nacht mit Schlafentzug. Die Zahl der Studienteilnehmer sei zwar vergleichsweise klein, reiche aber aus, um Hinweise auf grundlegende Prozesse im menschlichen Körper zu liefern, argumentieren die Forscher.

Sieben bis acht Stunden Schlaf

Ein Ergebnis: Das Blut, das von Schlafenden um zwei Uhr nachts gesammelt wurde, enthielt eine hohe Menge aktivierter Rezeptoren, mit denen T-Zellen jeweils ganz spezifisch befallene Körperzellen kapern. Blut, das um dieselbe Uhrzeit bei Schlafentzug gesammelt wurde, enthielt wesentlich weniger aktive Integrine.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass ein paar Stunden Schlafverlust genügen, um die Anhaftungsfähigkeit von spezialisierten T-Zellen zu reduzieren", schreiben die Forscher. Tagsüber und bei Schlafentzug seien dagegen Hormone wie Adrenalin und Prostaglandin aktiv.

Dass Schlaf das Immunsystem beeinflusst, hatten auch vorherige Studien gezeigt. Laut einer Studie von 2009 erhöht Schlafmangel das Erkältungsrisiko. Forscher hatten 153 Probanden Nasentropfen mit Erkältungsviren gegeben. In der Gruppe der Menschen, die weniger als sieben Stunden schliefen, waren daraufhin dreimal mehr erkältet als in der Gruppe mit mindestens acht Stunden Schlaf. Das Gefühl, ausgeruht zu sein, spielte dabei keine Rolle.

koe/dpa



insgesamt 8 Beiträge
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dasfred 14.02.2019
1. Schlaf ist sehr wichtig
Je älter ich werde, desto stärker spüre ich in den Knochen, wie wichtig ausreichend viel Schlaf ist. Der Körper hat die Müdigkeit erfunden, um uns zu sagen, wann es Zeit für das Bett ist. Bei Erkältungen lege ich mich automatisch hin und ziehe mir die Decke bis an den Kopf. Die ersten Anzeichen zu ignorieren und trotzdem rauszugehen rächt sich spätestens am nächsten Tag. Der Körper braucht die Zeit und Ruhe zur Selbstheilung. Jeder Tierhalter kann das bei seinen eigenen Tieren beobachten.
fatherted98 14.02.2019
2. Ich wollte...
...ich könnte schlafen. Ich würde jeden Abend um 8 ins Bett gehen....aber leider ist dem nicht so....und deshalb krauche ich seit Jahren bei 5 Stunden die Nacht herum....schlafe ich am Wochenende mal länger (wenn ich kann) habe ich spätestens nach 6 Stunden immense Kopfschmerzen. Der Kommentar meiner Hausärztin: Kann man nichts machen. Tja....
Lisa_can_do 14.02.2019
3. Hut ab
15 Probanden und die Erkenntnis, dass wir Schlaf brauchen. Das Studiendesign war ja recht banal und dennoch nur 15 Teilnehmer? Liest man die Originalbeitrag im Journal of Experimental Medicine ist es ja ganz spannend zu lesen, aber natürlich sehr speziell und fachlich. Welche Information soll in dem Artikel uns geneigten Lesern gereicht werden? Interessant wäre aus meiner Sicht, warum ein so hoher Anteil der Bevölkerung profunde Schlafprobleme hat ohne eine erkennbare pathologische Erklärung.
sushifighter 14.02.2019
4. Erkenntnisquelle ist aber sehr dürftig
den Test mit 15 Propanden durchzuführen, ist nicht unbedingt sehr aussagekräftig. Meine Wenigkeit kommt werktags seit circa. 12-14 Jahren mit durchschnittlich 3-4 Stunden Schlaf komplett aus (oftmals mache ich Nächte auch komplett durch). Am Wochenende schlafe ich dafür bisschen länger (5-7 Stunden). Ich habe in den ganzen Jahren vllt 3-4 Erkältungen gehabt und habe vllt 3 Erkrankungen, wo ich mehrere Tage in der Schule/Uni/Arbeit ausgefallen bin (ok, mein größtes Übel waren zahnschmerzen, da habe ich vllt doch je Jahr 2-3 Tage aussetzen müssen). Btw habe ich trotzdem sehr, sehr gute Leistungen erbracht (nicht gelogen xD). Ich denke, das Erkältnungsrisiko ist nicht so kausal auf die Schlafzeit herunterzubrechen. Bei manchen kann dies ein Faktor sein, bei vielen Eulen aber nicht. Dazu sind doch deutlich mehr Untersuchungen nötig. Auch denke ich, dass der Körper besonders zu Kinderzeiten mit den Gefahren in Kontakt kommen sollte, damit sich das Immunsystem an die Viren etc. gewöhnen kann. Also lasst eure Kinder im Schleim und mit anderen, erkrankten kindern ruhig spielen.
kindchen 14.02.2019
5. Es klingt paradox ...
Zitat von sushifighterden Test mit 15 Propanden durchzuführen, ist nicht unbedingt sehr aussagekräftig. Meine Wenigkeit kommt werktags seit circa. 12-14 Jahren mit durchschnittlich 3-4 Stunden Schlaf komplett aus (oftmals mache ich Nächte auch komplett durch). Am Wochenende schlafe ich dafür bisschen länger (5-7 Stunden). Ich habe in den ganzen Jahren vllt 3-4 Erkältungen gehabt und habe vllt 3 Erkrankungen, wo ich mehrere Tage in der Schule/Uni/Arbeit ausgefallen bin (ok, mein größtes Übel waren zahnschmerzen, da habe ich vllt doch je Jahr 2-3 Tage aussetzen müssen). Btw habe ich trotzdem sehr, sehr gute Leistungen erbracht (nicht gelogen xD). Ich denke, das Erkältnungsrisiko ist nicht so kausal auf die Schlafzeit herunterzubrechen. Bei manchen kann dies ein Faktor sein, bei vielen Eulen aber nicht. Dazu sind doch deutlich mehr Untersuchungen nötig. Auch denke ich, dass der Körper besonders zu Kinderzeiten mit den Gefahren in Kontakt kommen sollte, damit sich das Immunsystem an die Viren etc. gewöhnen kann. Also lasst eure Kinder im Schleim und mit anderen, erkrankten kindern ruhig spielen.
... aber wenn man "nie krank" ist, ist das eher ein Zeichen für ein schlechtes Immunsystem als für ein gutes. Der Grund dafür ist, daß das, was wir als "Krankheit" sehen, nämlich die Krankheitssymptome, gar nicht durch den Erreger selbst ausgelöst wird, sondern durch das Immunsystem. Für einige Viren ist das inzwischen ganz gut belegt. Das Hepatitis-B-Virus etwa schadet der Leberin Abwesenheit eines Immunsystems zumindest kurzfristig überhaupt nicht. Die Entzündung der Leber ist der Versuch des Immunsystems, das Virus wieder loszuwerden. Die "Spanische Grippe" von 1918/19 war deswegen so tödlich, weil das Virus eine besonderst starke Reaktion des Immunsystems hervorrief. HIV-Positive sind oft jahrelang "nie krank", während man am Blutbild deutlich erkennen kann, wie sich das Immunsystem immer weiter verschlechtert. Beginnen sie dann eine antiretrovirale Therapie, erholt sich das Immunsystem wieder - und die Betroffenen leiden auch wieder öfter unter Erkältungen. Bei HIV selbst kennt man übrigens auch keinen Mechanismus, wie das Virus die Immunzellen zerstört. Meine persönliche Theorie dazu: Ähnlich wie das Immunsystem bei der Hepatitis die Leber angreift, um das Virus wieder loszuwerden, greift es bei HIV sich selbst an. Da das Immunsystem kein klar abgegrenztes Organ wie die Leber, sondern über den ganzen Körper verteilt ist, würde das auch die generalisierten Entzündungsreaktionen erklären, die bei HIV auftreten. Aids ist also gewissermaßen eine durch das HI-Virus hervorgerufene Entzündung des Immunsystems. Alte Menschen berichten oft, nur noch selten an Erkältungen zu leiden. M.E. ein Zeichen für das nachlassende Immunsystem im Alter. Krebspatienten berichten oft, jahrelang nicht ernsthaft krank gewesen zu sein, lange bevor der Krebs erkannt wurde. Auch das liegt m.E. am Zusammenhang zwischen Krebs und Immunsystem, ob nun das geschwächte Immunsystem den Krebs begünstigt, oder der Krebs das Immunsystem schwächt. Wahrscheinleich beides.
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