Bei Erkältungen Stiftung Warentest rät von Kombipräparaten ab

Die Nase läuft, der Hals kratzt oder der Schädel brummt? Wer erkältet ist, sollte jede seiner Beschwerden einzeln behandeln. Kombipräparate belasten den Körper sinnlos, warnt die Stiftung Warentest.

Erkältete Frau (Symbolbild)
Getty Images

Erkältete Frau (Symbolbild)


Erkältete brauchen vor allem eins: Geduld. Rund sieben Tage dauert es in der Regel, bis Husten, laufende Nase und Halsschmerzen wieder verschwinden. Daran kann bislang kein Medikament etwas ändern - allem medizinischen Fortschritt zum Trotz. Was hingegen funktioniert, ist, die Beschwerden mit Medikamenten etwas zu lindern und die Zeit damit erträglicher zu machen.

Für die aktuelle Ausgabe hat Stiftung Warentest Studien zu Erkältungsmitteln gesichtet und daraus Empfehlungen entwickelt. Wer erkältet ist, sollte demnach Beschwerden wie Fieber, Husten und verstopfte Nase einzeln behandeln und auf Kombipräparate verzichten, die sich aus mehreren Wirkstoffen zusammensetzen. "Wirkstoffcocktails wie in Wick MediNait oder Grippostad C belasten den Körper unnötig", heißt es in dem Warentest-Bericht.

Hinzu kommt, dass die Mittel dem Bericht zufolge häufig schleimhautabschwellende Wirkstoffe enthalten, die müde machen und zu Herzrasen führen können. Deutlich besser ist, die Schleimhäute bei einer verstopften Nase mit einem Spray zu benebeln. Da der Wirkstoff dann nur lokal wirke, sei er verträglicher, schreiben die Tester.

Ein weiterer Ratschlag: Auch bei Medikamenten lohnt es sich, Preise zu vergleichen. Häufig gibt es neben den bekannten Markenpräparaten Mittel mit den gleichen Wirkstoffen, die nur die Hälfte kosten. Während Erkältete dem Bericht zufolge etwa für eine Packung ACC Akut sieben Euro zahlen müssen, gibt es den gleichwertigen Hustenlöser von 1A Pharma und AL Akut für fast drei Euro.

Was hilft bei was?

Gut belegt ist der Stiftung Warentest zufolge die Wirkung von Schmerztabletten mit den üblichen Wirkstoffen (Ibuprofen, Acetylsalicylsäure und Paracetamol) bei Schmerzen und Fieber. Vitamin-C-Zusätze seien aus medizinischer Sicht jedoch nicht sinnvoll, heißt es in dem Bericht. Wichtig sei zudem, die Dosierungsempfehlungen nicht zu überschreiten. Das senkt das Risiko für Nebenwirkungen.

Erkältung und Grippe: So schützt man sich

    1. Häufig die Hände waschen. Wasser und normale Seife reichen aus, spezielle antibakterielle Seife ist nicht notwendig.

    2. Die Hände vom Gesicht fernhalten. Hat man einen mit dem Virus belasteten Gegenstand angefasst, ist das Risiko groß, sich zu infizieren, wenn man sich an die Nase oder den Mund fasst.

    3. Während der Grippewelle Abstand zu anderen Personen halten, engen Kontakt vermeiden. Dazu zählt auch, anderen die Hand zu geben, sich zu küssen oder zu umarmen.


    Quellen: Robert Koch-Institut, Gesundheitsinformation.de

Ebenfalls gut belegt ist der Nutzen von abschwellenden Nasensprays bei Schnupfen. Aufgrund der Gefahr, dass sich die Schleimhäute an die Wirkung gewöhnen und sich eine Abhängigkeit entwickelt, sollten die Mittel jedoch nicht länger als sieben Tage angewendet werden. Schätzungen zufolge leiden etwa 100.000 Menschen in Deutschland unter einer Nasenspray-Sucht.

Bei leichten Halsschmerzen rät Stiftung Warentest zu Emser-Salz-Pastillen. Bei stärkeren Halsbeschwerden könne man lokal betäubende Mittel einsetzen - deren Wirkung sei bislang allerdings noch nicht ausreichend mit Studien nachgewiesen, kritisieren die Prüfer.

Wer unter Husten leidet, sollte die Mittel auf die Phase abstimmen: Bei trockenem Reizhusten helfen Hustenstiller. Sobald man anfängt, Schleim abzuhusten, sind Schleimlöser die Mittel der Wahl. Allerdings sei auch hier die Wirkung bislang nicht ausreichend belegt, heißt es in dem Bericht der Stiftung Warentest. Nutzer sollten allenfalls unterstützende Effekte erwarten.

Abgesehen vom Placebo-Effekt nicht wirksam sind homöopathische Mittel. Das Geld für die Kügelchen und Säftchen können sich Erkältete also sparen oder in Tee, Suppe oder Wärmflasche investieren. Diese machen zwar ebenfalls nicht gesund, können aber zumindest die Zeit etwas verschönern, bis die Erkältung wieder verschwindet.

Nur Erkältung - oder die echte Grippe?
    Viele sprechen von einer Grippe, wenn sie nur einen grippalen Infekt haben. Zwischen beiden gibt es aber einen großen Unterschied: Während ein grippaler Infekt in der Regel harmlos verläuft und von vielen verschiedenen Viren verursacht wird, stecken hinter einer echten Grippe allein Influenzaviren.
  • Die Symptome einer Grippe sind deutlich stärker als bei einem grippalen Infekt. Bei älteren, sehr jungen und immungeschwächten Menschen kann eine Infektion lebensgefährlich werden. "Auch wenn beide oft miteinander verwechselt werden, ist die Grippe eine ganz andere Nummer als ein grippaler Infekt", sagt der Virologe Stephan Ludwig von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
"Wenn man eine richtige Grippe hat, dann weiß man das. Dann hat man nicht ein bisschen Schnupfen und Kopfdruck, dann hat man hohes Fieber und Schmerzen." Vor den Influenzaviren schützt die jährliche Grippeimpfung. Die harmlosen Erkältungen hingegen kann auch sie nicht abwehren.

Zum Arzt gehen sollten Menschen mit Erkältungsbeschwerden, wenn sie tagelang Fieber von mehr als 39 Grad Celsius entwickeln. Das ist ein Warnzeichen dafür, dass eine Infektion mit Bakterien dahintersteckt, die zu Nasennebenhöhlen-, Mandel- und Lungenentzündungen führen kann. Dann, und auch nur dann, ist die Einnahme eines Antibiotikums sinnvoll. Bei von Viren ausgelösten Erkältungen sind die Mittel wirkungslos.

irb



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.