Sinupret, Meditonsin, Echinacea und Co. Das taugen die Erkältungsmittel aus der Werbung

Auf welche Medikamente schwören Sie bei Erkältungen? Eine Leserbefragung ergab: Sinupret, Umckaloabo, Meditonsin, Grippostad C, Gelomyrtol forte und Echinacea zählen zu den beliebtesten Mitteln. Arzneiexperte Peter Sawicki hat ihren Nutzen geprüft.

Erkältungsmedikamente: Höchster Krankenstand seit 14 Jahren
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Erkältungsmedikamente: Höchster Krankenstand seit 14 Jahren


Mit zuverlässiger Gewissheit rollt sie jährlich über Deutschland: 2013 war die Erkältungswelle offenbar so stark, dass sie den Krankenstand auf ein Höchstniveau der vergangenen 14 Jahre trieb. Einer Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) zufolge waren Arbeitnehmer durchschnittlich 14,7 Tage krankgeschrieben - 2,4 Tage davon aufgrund einer Atemwegserkrankung.

Dabei versuchen Betroffene möglichst viel, um einer drohenden Erkältung zu entkommen: "Am ersten Tag trinke ich einfach ganz viel Tee, dazu gibt es heiße Hühnerbrühe. Meistens bin ich dann schon am nächsten Morgen wieder fit", empfiehlt etwa eine Leserin. Andere setzen auf Obst, "ganz viel Mineralwasser", oder "Salbeitee zum Gurgeln".

Doch wie gut helfen Medikamente bei Erkältungen? In unserem ersten Medikamenten-Check für Erkältungsmittel hatten wir Freiwillige in die Apotheke geschickt und anschließend die empfohlenen Präparate (Wick DayMed, Snup, Aspirin Complex , Influex, Dorithricin Cetebe und Lemocin) auf ihren Nutzen prüfen lassen. Zudem haben wir Sie, liebe Leser, gefragt, auf welche Medikamente Sie bei einer Erkältung schwören.

ZUR PERSON
  • IQWiG
    Peter Sawicki, Jahrgang 1957, arbeitet als Internist und Diabetologe. Von 2004 bis 2010 war er Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in Köln. Das unabhängige Institut prüft systematisch den Nutzen und die Schädlichkeit von Medikamenten.

Hunderte Leser schickten uns ihre Vorschläge. Die meist genannten Mittel haben wir unserem Medikamenten-Check unterzogen: Dazu baten wir den Arzneiexperten Peter Sawicki, die Präparate für SPIEGEL ONLINE anhand der vorhandenen klinischen Studien zu begutachten.

Als zusätzliche neutrale Quelle haben wir die Ergebnisse des Handbuchs "Rezeptfreie Medikamente" der Stiftung Warentest hinzugezogen.

In der Aufstellung sehen sie, welche Erkältungsmittel taugen.

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Sinupret

Wirkstoffe: Eisenkraut, Enzianwurzel, Gartensauerampferkraut, Holunderblüten, Schlüsselblumenblüten (hier geht es zum Beipackzettel)

Sawicki: Das Präparat ist eine Mischung aus verschiedenen Pflanzenextrakten ohne nachgewiesenen Nutzen bei Virusinfekten und Infekten der oberen Atemwege. Grundsätzlich ist das Medikament (mit Ausnahme des Sirups) nur zur Behandlung der Infektion der Nasennebenhöhlen zugelassen - also nicht bei grippalen Symptomen.

Fazit: Medikament nicht notwendig.

Stiftung Warentest: Wenig geeignet bei Nebenhöhlenentzündung, weil die therapeutische Wirkung nicht ausreichend nachgewiesen ist. Nicht sinnvolle Kombination.

Der Hersteller: Dem Fazit der Stiftung Warentest widerspricht Bionorica. In einer Stellungnahme schreibt das Unternehmen: "Sinupret forte hat im Rahmen der Neuzulassung im Jahre 1997 eindeutig seine hohe pharmazeutische Qualität und Wirksamkeit in der Behandlung von akuten Nasennebenhöhlenentzündungen nachgewiesen." Zur klinischen Wirksamkeit gebe es eine Vielzahl von Studien. Sinupret forte habe sich zum meist verkauften pflanzlichen Arzneimittel Deutschlands entwickelt, was die Zufriedenheit der Anwender bestätige.

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Umckaloabo

Wirkstoff: Pelargonium-sidoides-Wurzeln-Auszug (Pelargonienwurzelextrakt; hier geht es zum Beipackzettel)

Sawicki: Mehrere Studien mit mäßig guter Qualität haben die Effekte von Umckaloabo untersucht. Das Medikament könnte demnach die Symptome von Bronchitis, Nasennebenhöhlenentzündung und Schnupfen verringern. Bei Kindern mit Bronchitis scheint Umckaloabo als Lösung besser zu wirken als in Tablettenform. Doch es gibt auch Berichte über Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen und Leberschäden.

Fazit: Umckaloabo hilft möglicherweise bei der Reduktion der Symptome von oberen Atemwegsinfektionen. Nebenwirkungen können auftreten.

Stiftung Warentest: Die Umckaloabo-Lösung ist bei akuter Bronchitis mit Einschränkung geeignet. Die therapeutische Wirksamkeit der Tropfen sollte besser nachgewiesen werden. Die Tabletten sind bei akuter Bronchitis wenig geeignet. Deren therapeutische Wirksamkeit ist nicht ausreichend nachgewiesen.

Der Hersteller: In einer E-Mail schreibt der Hersteller Dr. Schwabe: "Nahezu 10.000 Erwachsene und Kinder ab einem Jahr wurden in 25 Studien mit diesem zugelassenen Arzneimittel behandelt." Eine Zulassung werde nur erteilt, wenn das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zu dem Schluss komme, dass die wissenschaftliche Datenlage ausreichend ist, um sowohl Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit des Produktes zu belegen. Dies gelte für die Umckaloabo-Lösung. Im Falle der Tabletten habe das 2009 zu einer Neuzulassung nach dem Arzneimittelgesetz geführt.

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Meditonsin

Wirkstoffe: Aconitinum D5, Atropinum sulfuricum D5, Mercurius cyanatus D8 (hier geht es zum Beipackzettel)

Sawicki: Homöopathisches Präparat ohne wissenschaftlich nachgewiesenen Nutzen (mehr über den Nutzen alternativer Heilmethoden finden Sie hier).

Fazit: Medikament nicht notwendig.

Stiftung Wartentest: Keine Bewertung.

Der Hersteller: "Homöopathische Präparate stellen bei der Behandlung von Erkältungskrankheiten eine schonende und nebenwirkungsarme Alternative zu chemisch definierten Präparaten dar", schreibt die Firma Medice in einer E-Mail. Meditonsin sei im Gegensatz zu den meisten anderen Homöopathika ein vom BfArM zugelassenes Arzneimittel und sei kürzlich erneut durch das Institut bewertet und als wirksam und sicher befunden worden.

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Grippostad C

Wirkstoffe: 200 mg Paracetamol, 150 mg Ascorbinsäure (Vitamin C), 25 mg Koffein, 2,5 mg Chlorphenaminmaleat (hier geht es zum Beipackzettel)

Sawicki: Paracetamol wirkt fiebersenkend und schmerzlindernd. Vitamin C und Koffein haben keinen wissenschaftlich belegten Effekt bei der Behandlung viraler Erkrankungen oberer Atemwege. Chlorphenaminmaleat ist ein antiallergischer Wirkstoff. Grippostad C ist in einer kontrollierten Studie untersucht worden. Die wissenschaftliche Qualität dieser Studie ist allerdings so niedrig, dass sich daraus kein Beleg eines Nutzens dieses Präparates ableiten lässt.

Fazit: Ein Nutzen ist nicht belegt.

Stiftung Warentest: Wenig geeignet bei Erkältungen und grippalen Infekten, weil das Mittel nicht sinnvoll zusammengesetzt ist. Um Schmerzen zu lindern und Fieber zu senken, genügt Paracetamol allein.

Der Hersteller: Auch die Stada AG beruft sich in ihrer Stellungnahme auf die Zulassung seitens des BfArM: "Bei Grippostad C handelt es sich um ein zugelassenes Arzneimittel zur Behandlung von Erkältungssymptomen", schreibt eine Pressesprecherin. In einer klinischen Studie von 2002 habe man nachweisen können, dass jede der vier Einzelkomponenten zum Behandlungserfolg beitrage und die Kombination damit den Einzelsubstanzen überlegen sei.

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Gelomyrtol forte

Wirkstoffe: Eukalyptusöl, Süßorangenöl, Myrtenöl (Myrtol), Zitronenöl (hier geht es zum Beipackzettel)

Sawicki: Mehrere Studien mit mäßig guter Qualität haben die Effekte von Myrtol untersucht. Das Medikament könnte Symptome von Infektionen der Bronchien und Nasennebenhöhlen lindern.

Fazit: Gelomyrtol kann bei Bronchitis und Nasennebenhöhleninfektionen nutzen. Bei grippalen Infekten ist es nicht untersucht.

Stiftung Warentest: Gelomyrtol ist bei Husten als sekretlösendes Mittel mit Einschränkung geeignet. Die bisher vorliegenden Studien reichen noch nicht aus, um den therapeutischen Stellenwert abschließend zu bestimmen.

Der Hersteller: Auch bei Pohl-Boskamp beruft man sich auf das BfArM, das die Präparate Gelomyrtol und Gelomyrtol forte "zur sekretolytischen Therapie und Erleichterung des Abhustens bei akuter und chronischer Bronchitis" sowie "zur sekretolytischen Therapie bei Sinusitis" zugelassen habe. Die Beurteilung durch Stiftung Warentest sei irritierend, schreibt ein Pressesprecher auf Anfrage, da diese ihre Beurteilung für den Wirkstoff Myrtol nur auf zwei Studien stütze. Dabei umfasse das wissenschaftliche Material dazu weitere klinische Studien, unter anderem eine aktuelle Untersuchung aus 2013, die bei der Bewertung nicht mit eingeflossen seien.

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Echinacea

Wirkstoff: 100 mg Purpursonnenhutkraut-Presssaft (hier geht es zum Beipackzettel)

Sawicki: Echinacin ist in mehreren wissenschaftlichen Studien von relativ guter Qualität untersucht worden. Demnach hat es keinen positiven Effekt auf die Vorbeugung grippaler Infekte. Bei der Behandlung einer schon bestehenden Infektion sind die Studienergebnisse widersprüchlich.

Fazit: Es liegen kein belegter Nutzen bei der Vorbeugung und ein unsicherer Effekt bei der Behandlung grippaler Infekte vor.

Stiftung Warentest: Mit Einschränkung zur unterstützenden Behandlung bei häufig wiederkehrenden Atemwegsinfekten geeignet. Die bisher vorliegenden Studien reichen noch nicht aus, um den therapeutischen Stellenwert zu bestimmen.

Der Hersteller: Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE hat sich Ratiopharm bisher noch nicht geäußert.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels wurde Sinupret eine falsche Wirkstoffkombination zugeschrieben. Wir haben dies korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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insgesamt 100 Beiträge
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Seite 1
varesino 06.03.2014
1. SPON Nebenwirkungen
So, so, Sinupret enthält: "Sinupret Wirkstoffe: Paracetamol 500 mg, Phenylephrin 10 mg, Guaifenesin 200 mg (hier geht es zum Beipackzettel)" Paracetamol? Bitte abschreiben üben. Ziemlich typisch für die Qualität von SPON, google, google-translator, cut & paste ....
triplett 06.03.2014
2. bitte lesen
Sie doch den Beipackzettel, auf den Sie hinweisen: "Sinupret Wirkstoffe: Paracetamol 500 mg, Phenylephrin 10 mg, Guaifenesin 200 mg (hier geht es zum Beipackzettel)" - Sinupret enthält weder Paracetamol noch Phenylephrin oder Guaifenesin, sondern mehrere Pflanzenextrakte. Wer soll Ihre Pharmakritik bei solcher Schlamperei denn bitte glauben?
beyering 06.03.2014
3. Das darf ja wohl nicht wahr sein...
Ich habe keinerlei Beziehungen zu Ärzten, Apothekern oder der Pharma-Industrie. Bin also wirklich vollkommen neutral. Aber es ist ja wohl komplett lächerlich, derart rationale Bewertungen beim Thema "Krankheit" und "Medikamente" zu publizieren. Noch nie was von "Placebo-Effekten" gehört? Noch nie was davon gehört, dass Menschen nicht wie Maschinen oder wie Laborgeräte auf Medikamente bzw. Nicht-Medikamente reagieren? Solche "Tests" sind genau so überflüssig und dämlich wie die Bemerkungen von Lebensmittel-Verkäufern, dass dieses oder jenes "lecker" sei. Beschränken Sie sich bitte auf die Feststellung von Schädlichkeiten - und gern auch auf die Feststellung viel zu hoher Preise für die Präparate.
aprilapril 06.03.2014
4. Also alles Schrott!
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEAuf welche Medikamente schwören Sie bei Erkältungen? Eine Leserbefragung ergab: Sinupret, Umckaloabo, Meditonsin, Grippostad C, Gelomyrtol forte und Echinacea zählen zu den beliebtesten Mitteln. Arzneiexperte Peter Sawicki hat ihren Nutzen geprüft. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/erkaeltung-was-hilft-gelomyrtol-umckaloabo-echinacea-im-test-a-954781.html
Habe gerade eine Erkältung hinter mir, die mich 3 Wochen lang geplagt hat. War der Schnupfen besser, verstärkte sich der Husten, war der besser, kam der Schnupfen zurück. Das gute daran: 4 kg weniger Gewicht wegen hohen Fiebers, das ich seitdem halten konnte.
Reg Schuh 06.03.2014
5. Was hilft, das hilft
Was hilft, das hilft. Und das ist von Mensch zu Mensch verschieden: Sinupret hilft bei mir sehr gut, die Nebenhöhlen freizuräumen. Der Unterschied zum Zustand ohne das Medikament schlägt sich deutlich im Taschentuch nieder. Ich kenne auch Leute, denen es nicht hilft. So ist das nun mal. "Wenig geeignet bei Nebenhöhlenentzündung, weil die therapeutische Wirkung nicht ausreichend nachgewiesen ist." ist eine Aussage, die so sehr nach 'neutraler Studie, finanziert von der Pharma-Stiftung Konkurrenz' reicht, daß ich das auch mit Nebenhöhlenentzündung rieche.
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