Mann stirbt in Straßenbahn "Liebe Zuschauer, der geht auf Sie"

Ein Mann kippt in der Straßenbahn um - und Dutzende Menschen schauen zu. Am Ende ist er tot. Ein Notarzt regt sich nun über Twitter auf, weil niemand Erste Hilfe geleistet hat, obwohl das so einfach ist.

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Viele Deutsche trauen sich noch immer nicht zu reanimieren. Das kostet jährlich Tausende Leben. Bei mehr als 50.000 Menschen in Deutschland bleibt jedes Jahr das Herz stehen, während sie nicht in einem Krankenhaus sind. Doch nur jeder Dritte bekommt sofort Hilfe von Laien, wie Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) zeigen.

Besonders ein Fall sorgt derzeit in sozialen Netzwerken für Aufregung. "Mann kippt in voller Straßenbahn um", schreibt ein Mann auf Twitter, der angibt, Notarzt zu sein. "Er macht keinen Mucks mehr. Einer wählt 112, immerhin. Bei Ankunft des Rettungsdienstes sind beide Wagen weiterhin vollbesetzt, 50 Menschen gucken neugierig. Keiner hat draufgedrückt (versucht, zu reanimieren, Anm. der Redaktion). Am Ende ist der Mann tot. Liebe Zuschauer, der geht auf Sie."

Er kritisiert, dass der Mann möglicherweise überlebt hätte, wenn jemand Erste Hilfe geleistet hätte. "Sie haben wahrscheinlich gedacht, ein anderer wird schon. Hat aber keiner. Oder hatten Angst, etwas falsch zu machen. Haben Sie auch: Nichtstun hat diesen Mann getötet", schreibt er weiter. Dabei wäre Hilfe so einfach gewesen - und zwar so:

Prüfen, rufen, drücken - so funktioniert die Erste Hilfe

  • Für eine Wiederbelebung gibt es drei einfache Regeln: prüfen, rufen und drücken. Bricht eine Person bewusstlos zusammen, prüft man erstens durch Schütteln an den Schultern, ob sie noch reagiert, und beobachtet, wie sie atmet.
  • Als Zweites ruft man den Rettungsdienst über die Telefonnummer 112.
  • Bis zum Eintreffen des Notarztes muss drittens sofort mit der Wiederbelebung begonnen werden. Dazu wird auf den Brustkorb des Patienten idealerweise mit einer Geschwindigkeit von 100 Mal pro Minute etwa fünf Zentimeter tief gedrückt. Damit sollte man nicht aufhören, bis Hilfe eintrifft.

Im Video sehen Sie, wie eine Reanimation funktioniert:

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Wer unsicher ist, wie schnell die Herzdruckmassage erfolgen muss, kann folgende Lieder mitsingen:

Dass viele Angst davor haben, etwas bei der Reanimation falsch zu machen, zeigen auch die Reaktionen bei Twitter.

Experten schätzen, dass jedes Jahr bis zu 10.000 Menschenleben zusätzlich in Deutschland gerettet werden können, wenn sich hierzulande mehr Laien eine Reanimation zutrauen würden.

Das ist auch das Anliegen des Notarztes bei Twitter: "Es geht mir nicht um eine Anklage. Sondern um das Bewusstsein, dass jeder helfen kann."

koe



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