Erste Hilfe Nur jeder Fünfte traut sich Wiederbelebung zu

Die meisten Menschen in Deutschland wollen anderen in einer Notsituation helfen - eine Herzdruckmassage aber trauen sich nur die wenigsten zu. Das kostet Leben.

Wiederbelebung (Symbolbild)
Getty Images

Wiederbelebung (Symbolbild)


Nur jeder fünfte Deutsche glaubt, überlebensnotwendige Maßnahmen ausüben zu können, wenn er auf ein Unfallopfer trifft. 22 Prozent würden einer neuen Umfrage zufolge einen Verletzten bei Atemstillstand beatmen, 21 Prozent eine starke Blutung stillen und 19 Prozent eine Herzdruckmassage machen. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Online-Befragung des Instituts Toluna im Auftrag der Asklepios-Kliniken.

Das Ergebnis deckt sich mit einer früheren Untersuchung, laut der in Deutschland nur bei jedem Dritten Menschen mit einem Herzstillstand sofort mit der Reanimation begonnen wird - zumindest, wenn sich der Vorfall außerhalb eines Krankenhauses ereignet. Das hat schwerwiegende Folgen: Die Überlebenschancen der Betroffenen steigen enorm, wenn Ersthelfer sofort mit der Reanimation beginnen. Dabei zählt jede Minute. Laut Rechnungen würden in Deutschland 10.000 Menschen mehr eine Herzattacke überleben, wenn Laien öfter reanimieren würden.

Viele schätzen ihr Wissen als schlecht ein

Grund für die schlechte Quote ist keine mangelnde Hilfsbereitschaft, wie weitere Ergebnisse der Umfrage zeigen. Demnach glauben zwei Drittel der Befragten zwar, dass sie im Notfall Erste Hilfe leisten könnten - allerdings würden sich die meisten auf organisatorische und psychologische Unterstützung beschränken. Sie würden den Rettungsdienst alarmieren oder Umstehende um Hilfe bitten und zur Beruhigung mit dem Verletzten sprechen.

SPIEGEL ONLINE

Prüfen, rufen, drücken: So funktioniert die Wiederbelebung

Für eine Wiederbelebung gibt es drei einfache Regeln: prüfen, rufen und drücken. Bricht eine Person bewusstlos zusammen, prüft man erstens durch Schütteln an den Schultern, ob sie noch reagiert, und beobachtet, wie sie atmet. Als Zweites ruft man den Rettungsdienst über die Telefonnummer 112. Bis zum Eintreffen des Notarztes muss drittens, falls weder Reaktion noch Atmung vorliegen, sofort mit der Wiederbelebung begonnen werden. Dazu wird auf den Brustkorb des Patienten idealerweise mit einer Geschwindigkeit von 100 Mal pro Minute etwa fünf Zentimeter tief gedrückt. Damit sollte man nicht aufhören, bis professionelle Hilfe eintrifft.


Wie die Umfrage weiter ergab, schätzen nur knapp ein Viertel (23 Prozent) der Befragten ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse als gut oder sehr gut ein. Dabei gaben 90 Prozent an, sie hätten einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert. Die Unsicherheit zeigt sich auch im Umgang mit den an vielen Orten verfügbaren Defibrillatoren. Nur etwa die Hälfte der Befragten würde sich zutrauen, dieses Gerät zur Therapie eines Herzstillstandes einzusetzen. Die Geräte sind extra für Laien geschaffen. Wer sie öffnet, wird in der Regel durch genaue Anweisungen bei der Anwendung angeleitet.

"Das Interesse am Thema und die grundsätzliche Bereitschaft zu helfen sind groß, aber das Wissen lückenhaft, und vor lebensrettenden Maßnahmen scheuen viele aus Angst, etwas falsch zu machen, leider zurück", erklärt der leitende Kardiologe der Hamburger Asklepios-Klinik St. Georg, Alexander Ghanem. Dabei ist der größte Fehler, nur auf die Rettungskräfte zu warten. Wer regelmäßig und mit etwas Kraft auf den Brustkorb drückt, kann eigentlich nichts falsch machen.

irb/dpa



insgesamt 22 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
al2510 14.09.2017
1. Bitte Aufkleber verbreiten
In meinem Erste Hilfe Kurs 82 könnte man einen Aufkleber erwerben, wo alles anschaulich noch mal dargestellt war. Das Auto haben wir nicht mehr, ich hatte es an die Fahrertür geklebt. Würde aber gerne noch so einen Aufkleber haben. Vielleicht kann das ja in alle Autos ab Werk eingebaut werden. Den Kurs sollte man auch alle 20 Jahre wiederholen müssen. Gott sei Dank, musste ich nie helfen.
zeichenkette 14.09.2017
2. Herzmassage ist verdammt anstrengend
100mal pro Sekunde den Brustkorb eines Erwachsenen 5cm eindrücken schafft man allein nur länger, wenn man recht fit und sportlich ist.
ansv 14.09.2017
3. Merkt das keiner?
"Das Interesse am Thema und die grundsätzliche Bereitschaft zu helfen sind groß, aber das Wissen lückenhaft, und vor lebensrettenden Maßnahmen scheuen viele aus Angst, etwas falsch zu machen, leider zurück" - wenn das Interesse groß wäre, wäre das Wissen wohl nicht lückenhaft, oder? Glaubt der Kardiologe wirklich jemand würde laut sagen, dass in das Leben eines anderen absolut nicht berührt?
sportbuy 14.09.2017
4. Einsatz von Defis den Profies überlassen!
Wichtig ist eine gute durchgehende Herzdruckmassage. Von einem Laien in einer Extremsituation zu erwarten, dass er sich mit einem Gerät auseinandersetzt, das er noch nie in seinem Leben bedient hat ist vermessen. Und je mehr Krankheiten und Symptome wir Teilnehmer in Erste-Hilfe Kursen um die Ohren hauen, desto weniger werden sie in einer Notfallsituation in der Lage sein etwas zu tun. Lasst uns endlich diese Kurse in Trainings verwandeln, wo nur das trainiert wird was ein Laie wirklich für den Notfall braucht. Denn das sind nur ein paar ganz wenige wichtige Punkte!
asentreu 14.09.2017
5. @Zeichenkette
Ja, es ist anstrengend und ja die Drucktiefe nimmt messbar ab wenn man allein länger reanimiert. Aber: 1.) etwas insuffiziente Reanimation ist wesentlich besser als keine Reanimation. 2.) man ist da doch selten allein. Kommandieren sie einfach. Sprechen Sie beim Reanimieren Personen konkret an, wenn Sie niemanden kennen ("Sie da im roten Shirt! Herkommen!"), die sind fast alle zu feige um abzuhauen. Mit denen können Sie sich zyklisch abwechseln. 3.) Sie reanimieren als Laie ja i.d.R. eine auf dem Boden liegende Personen. Setzen Sie beim Reanimieren ihren Oberkörper als Gewicht ein. Das spart Kraft 3.) Wenn es um ein Menschenleben geht, darf es auch mal anstrengend sein. Gegen Schweiß hilft Duschen, gegen Herz- Kreislauf- Stillstand und evtl. bleibende Schäden nur eine sofortige Reanimation.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.