Erstmals in Deutschland Tierarzt steckt sich mit West-Nil-Virus an

Wohl zum ersten Mal hat sich ein Mensch in Deutschland mit dem West-Nil-Virus angesteckt. Der Tierarzt aus Bayern kam wahrscheinlich bei der Obduktion einer Eule mit dem Erreger in Kontakt.

Bartkauz (Archivbild)
DPA

Bartkauz (Archivbild)


Ein Tierarzt ist in Bayern wenige Tage nach der Obduktion eines verendeten Bartkauzes an West-Nil-Fieber erkrankt. Mittlerweile ist der Mann wieder genesen. Es sei die erste bekannte Übertragung des West-Nil-Virus auf einen Menschen innerhalb Deutschlands, berichtet das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen.

Höchstwahrscheinlich steckte sich der Tierarzt an, als er mit Körperflüssigkeiten eines am West-Nil-Virus verendeten Bartkauzes aus einem Wildpark in Kontakt kam.

Die Infektion verläuft bei vier von fünf Infizierten symptomlos. Etwa 20 Prozent zeigen leichte Krankheitssymptome wie Fieber und grippeähnliche Erscheinungen, dies wird dann als West-Nil-Fieber bezeichnet.

Manchmal - insbesondere bei älteren Patienten mit Vorerkrankungen - kann durch das West-Nil-Virus jedoch auch ein schwererer, hoch fieberhafter Krankheitsverlauf mit einer Hirnhautentzündung auftreten. In seltenen Fällen kann die Krankheit tödlich verlaufen. Der Nachweis des West-Nil-Virus ist meldepflichtig.

Vogel, Mücke, Mensch

In den meisten Fällen sorgen bestimmte Stechmücken für eine Übertragung des Erregers. Vögel sind die wichtigsten Wirte des Virus. Mücken infizieren sich häufig, wenn sie die Tiere stechen und können den Erreger anschließend an den Menschen weitergeben. Aus diesem Grund ereignen sich viele Ausbrüche entlang typischer Routen von Zugvögeln.

Sehr selten stecken sich Menschen durch Bluttransfusionen oder Organtransplantationen an. Ebenso ist eine Übertragung von Mutter zu Kind beim Stillen möglich. Davon abgesehen sind am West-Nil-Fieber Erkrankte aber nicht ansteckend für andere Menschen.

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"Finden Bürgerinnen und Bürger tote Vögel, sollten sie diese Tiere grundsätzlich nicht anfassen und im Fall von Häufungen von toten Vögeln das zuständige Veterinäramt kontaktieren", rät das Landesamt.

In Südeuropa gibt es in diesem Jahr außergewöhnliche viele Fälle des West-Nil-Fiebers. Nach Angaben der EU-Seuchenschutzbehörde erkrankten in diesem Jahr 1317 Menschen in der EU. Die meisten Fälle gab es in Italien, Griechenland und Rumänien. Die EU-Nachbarländer Serbien, Israel und Kosovo meldeten 434 Fälle. 142 starben infolge der Infektion.

Bereits im August hatte das hatte das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) mitgeteilt, dass das Virus bei einem Bartkauz in Halle (Saale) nachgewiesen worden war. Das Tier war tot in seiner Voliere gefunden worden.

wbr/AFP/dpa



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