Pestizide, Kunststoffe, Pflegeprodukte EU prüft Regeln für hormonschädigende Stoffe

Die EU-Kommission will die Auswirkungen von hormonschädigenden Chemikalien in Europa genauer untersuchen. Bislang sind die Regeln uneinheitlich. Und die Gesetzgebung reagiert schwerfällig auf wissenschaftliche Erkenntnisse.

Hautcreme
Getty Images

Hautcreme


Mit einer neuen Strategie will die EU-Kommission Verbraucher besser vor sogenannten endokrinen Disruptoren schützen. Diese Stoffe wirken im menschlichen Körper ähnlich wie Hormone und werden mit hormonbedingten Krebserkrankungen, sowie Fortpflanzungs- und Fruchtbarkeitsstörungen in Verbindung gebracht. Sie kommen vor allem in Pestiziden vor, können jedoch auch in Verpackungs- oder Baumaterialien, in Kunststoffen und Körperpflegeprodukten enthalten sein.

Bislang tun sich die EU-Gesetzgeber mit der Regulierung schwer. In den kommenden Wochen und Monaten solle die diesbezügliche EU-Gesetzgebung auf Schlupflöcher hin untersucht werden, teilte die Brüsseler Behörde mit. Eine öffentliche Umfrage sei ebenfalls geplant.

Welche Regelungen gelten derzeit auf EU-Ebene?

Bei Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln, chemischen Stoffen allgemein, Medizinprodukten und Wasser gibt es spezifische EU-Bestimmungen. In der Regel gilt ein Verbot der Verwendung von als endokrin disruptiv eingestuften Stoffen. Ausnahmen können in besonderen Fällen für einen kürzeren Zeitraum als bei einer regulären Genehmigung erteilt werden.

Bei den Vorgaben für Kosmetika und Verpackungsmaterialien für Lebensmittel sowie im Rechtsrahmen für Schutz am Arbeitsplatz werden endokrine Disruptoren nicht ausdrücklich genannt. Der Kommission zufolge werden sie aber wie andere Stoffe eingestuft, die die menschlichen Gesundheit schädigen können. Das heißt, dass von Fall zu geprüft wird, ob eine Substanz verwendet werden darf oder nicht.

Was sind die Bedenken an den bestehenden Regelungen?

Umwelt- und Verbraucherschützer kritisieren, dass es allgemein schwierig ist, einen Stoff als hormonell disruptiv einzuordnen. Stoffe, die den Hormonhaushalt beeinflussen, hätten meist langfristige Folgen, die nicht ohne Weiteres nachzuweisen seien.

Ende 2017 hatte die EU erstmals Kriterien für die Definition endokriner Disruptoren festgelegt, die allerdings in erster Linie für Pestizide und Pflanzenschutzmittel gelten. Kritiker führen an, dass dies zu Rechtsunsicherheit führen könnte, da für die Einschätzung ein und desselben Stoffes in verschiedenen Bereichen unterschiedliche Kriterien gelten können.

Was soll sich nun ändern?

Die Kommission hat eine breite Eignungsprüfung der Regelungen zu endokrinen Disruptoren eingeleitet. Es sollen bisherige wissenschaftliche Erkenntnisse und große Mengen an Daten analysiert werden, um besser bewerten zu können, wie die Regelungen sich auf die menschliche Gesundheit, die Umwelt und die Wettbewerbsfähigkeit von Landwirten und Industrie auswirken.

Insgesamt tut sich die EU bei dem Thema aber schwer. Die ursprüngliche europäische Strategie zum Schutz der Bevölkerung vor hormonverändernden Stoffen ist rund 20 Jahre alt. Die Definition endokriner Disruptoren für Pestizide und Pflanzenschutzmittel 2017 war die erste wesentliche Neuerung der alten Regelung. Und auch diese wurde vier Jahre später beschlossen, als ursprünglich gefordert.

hei/AFP/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.