EU-Studie: Weniger Europäer sterben nach einem Herzinfarkt

Todesfälle durch Herzinfarkt haben in Europa abgenommen. Wie eine aktuelle Studie zeigt, ist auch in Deutschland die Sterblichkeit bei verstopften Herzgefäßen seit den achtziger Jahren deutlich gesunken. Der positive Trend gilt jedoch nicht für jeden EU-Staat.

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Corbis

Patient im Krankenhaus: Überleben junge Patienten häufiger den Infarkt?

Hamburg - Jeder vierte Mensch stirbt weltweit an einem Herzinfarkt. Verschließen Plaques ein Blutgefäß, das den Herzmuskel mit lebenswichtigem Sauerstoff versorgt, kommt es bei den meisten Patienten zu kaum vorstellbaren Schmerzen in der Brust. Dann zählt jede Minute, um die unersetzbare Muskelkraft im Herzen zu retten.

Obwohl der akute Infarkt und die chronische koronare Herzkrankheit (KHK) weltweit ein Problem bleiben und auch in Deutschland die Todesursachenstatistik anführen, bessert sich die Situation in der Europäischen Union seit Jahrzehnten kontinuierlich. Jetzt zeigt eine große Auswertung der WHO-Datenbank zu Todesursachen, dass nur noch halb so viele Europäer an den Folgen verschlossener Herzkranzgefäße sterben wie in den frühen achtziger Jahren.

Es gebe deutliche Unterschiede bei den Sterblichkeitsraten der verschiedenen EU-Staaten, schreiben Melanie Nichols und ihre Kollegen von der britischen University of Oxford im Fachmagazin "European Heart Journal". In den vergangenen Jahrzehnten habe sich das Verhalten der Menschen geändert, vor allem der Risikofaktor Rauchen spiele heute eine geringere Rolle als in den achtziger Jahren.

Steigende Infarktrate bei jungen Griechen

Wissenschaftler befürchten seit Jahren, dass neue Risiken wie Übergewicht und daraus folgendem Diabetes die positiven Effekte des Nichtrauchens zunichte machen könnten. Dafür finden die britischen Forscher aber keine eindeutigen Belege. Es gebe lediglich Hinweise darauf, dass die Sterblichkeitsraten bei jüngeren Europäern nicht mehr so stark abnehmen wie bei älteren.

Für ihre Ergebnisse hatten die Wissenschaftler Daten der Weltgesundheitsorganisation WHO von 1980 bis 2009 ausgewertet. Sie analysierten die Risiken in den Altersgruppen der Europäer unter 45, von 45 bis 54 sowie 55 bis 64 Jahren und über 65.

Demnach sank in Deutschland die Sterblichkeit infolge einer KHK von 1980 an kontinuierlich: bei Männern über alle Altersgruppen um knapp die Hälfte (49 Prozent), bei Frauen um 39 Prozent. In Dänemark sank sie im gleichen Zeitraum bei Männern sogar um 71 Prozent, bei Frauen um 70 Prozent. Negativ fällt dagegen vor allem Rumänien ins Gewicht: mit einem Risikoanstieg um ein knappes Drittel bei Männern (29 Prozent) und immerhin 15 Prozent bei Frauen.

Besonders auffällig waren die steigenden Sterberaten der unter 45-Jährigen in Griechenland: Bei Männern stieg die Sterblichkeit um knapp ein Viertel (24 Prozent), bei Frauen sogar um 88 Prozent.

Erklären können die britischen Forscher diese Ergebnisse jedoch nicht. Sie vermuten aber, dass die im Verhältnis zu anderen EU-Staaten niedrigen Raten von Diabetes und Bluthochdruck in Griechenland eine Rolle spielen, während zum Beispiel der Anteil der Raucher in der Bevölkerung Griechenlands mit 42 Prozent deutlich höher ist als im Rest der Europäischen Union. Auch Übergewicht ist in Griechenland ein größeres Problem als in den meisten anderen EU-Staaten, bei den Kindern zwischen zehn und zwölf ist die Übergewichtsrate in Griechenland so hoch wie nirgendwo sonst in der EU.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Staaten, schreiben die Autoren, würden die Bedeutung von Vorsorge- und Früherkennungsprogrammen in der EU erhöhen. Noch könnten gesundheitspolitische Entscheidungen die neuen Risikofaktoren Übergewicht und Diabetes beeinflussen.

Allerdings, das räumen die Studienautoren ein, habe bei der Analyse nur die Sterblichkeit (Mortalität) zur Verfügung gestanden. Gerade bei jüngeren Menschen müsse eine sinkende Sterblichkeit nach einem Herzinfarkt nicht unbedingt bedeuten, dass es weniger Infarkte oder KHK in der Bevölkerung gebe - es könnten auch einfach mehr Patienten trotz Krankheit überleben. Diese Patienten würden dann erst später in einer anderen Altersgruppe auffallen, wenn sie doch noch an ihrer Herzkrankheit sterben.

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dba

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insgesamt 4 Beiträge
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1. hm
Leto13 28.06.2013
Vielleicht liegt es im Falle Griechenlands auch an der Krise mit den Spardiktaten, Gehaltszerstoerungen usw? Danke Angela. Danke Marionetten.
2.
CancunMM 28.06.2013
Zitat von Leto13Vielleicht liegt es im Falle Griechenlands auch an der Krise mit den Spardiktaten, Gehaltszerstoerungen usw? Danke Angela. Danke Marionetten.
Na klar die Angela und die Deutschen sind wieder Schuld. Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage haben sich innerhalb von 3 Jahren die griechischen Kinder so vollgehauen mit Junkfood, dass sie innerhalb kürzester Zeit am Herzinfarkt versterben. Die dicken Kinder von Griechenland ! Und die griechischen Frauen haben in den letzten 3 Jahren 300 Zigaretten am Tag geraucht und fallen um wie die Fliegen !
3. hm
Leto13 29.06.2013
Zitat von CancunMMNa klar die Angela und die Deutschen sind wieder Schuld. Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage haben sich innerhalb von 3 Jahren die griechischen Kinder so vollgehauen mit Junkfood, dass sie innerhalb kürzester Zeit am Herzinfarkt versterben. Die dicken Kinder von Griechenland ! Und die griechischen Frauen haben in den letzten 3 Jahren 300 Zigaretten am Tag geraucht und fallen um wie die Fliegen !
Sie haben offensichtlich das Wort "auch" in meinem Beitrag uebersehen. Die Verschlechterung der Lage in GR geht offensichtlich mit der generellen Verschlechterung einher. Die ist internationalen Experten zufolge den aktuellen Spardiktaten aus Berlin und den unfaehigen Marionetten die hier aktuell regieren zu danken.
4. Armer Leto!
heimlifeiss 01.07.2013
na wenigstens haben Sie immer einen Schuldigen parat, nicht wahr? Angela und die Marionetten schuld am Rauchertod fettleibiger Griechen! Buh, Angela!
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