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Europa: Arme Menschen sterben häufiger an Alkoholkonsum

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Alkohol: Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sterben in Ungarn die meisten Menschen an den Folgen von Alkohol

In den meisten europäischen Ländern leben gebildete und wohlhabende Menschen länger als Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Status. Ein Grund für diesen Unterschied scheint im Alkoholkonsum zu liegen.

In vielen europäischen Ländern sterben ärmere und weniger gebildete Menschen häufiger an Alkohol als wohlhabende und besser gebildete Personen. Diesen Zusammenhang beobachteten Forscher nun bei einer Analyse der Sterberegister von 17 europäischen Staaten.

Alkohol leiste in vielen Staaten einen erheblichen Beitrag zu den sozialen Unterschieden in der Sterblichkeit der Bevölkerung, schreiben die Forscher um Johan Mackenbach vom Erasmus University Medical Center in Rotterdam im Fachblatt "PLOS Medicine".

Sozial besser gestellte Menschen trinken demnach zwar häufiger und zum Teil auch mehr als Menschen mit geringerem Bildungsgrad. Laut den Forschern sind problematische Trinkgewohnheiten - etwa das Komasaufen - in unteren sozialen Gruppen jedoch weiter verbreitet. Verhalten wie dieses steigert die alkoholbedingten Gesundheitsprobleme.

Problemländer Finnland und Dänemark

Für die internationale Studie werteten die Forscher Daten ab etwa 1980 aus. Basierend auf dem Bildungsgrad und dem Beruf teilten sie die Verstorbenen in unterschiedliche soziale Gruppen ein. Im Ländervergleich starben in Ungarn insgesamt die meisten Männer und Frauen an den Folgen ihres Alkoholkonsums - die Mehrheit von ihnen an einer Leberzirrhose.

In allen untersuchten Ländern waren alkoholbedingte Todesfälle in den unteren sozialen Gruppen häufiger. Und doch deuten die Daten auf nationale Unterschiede hin: Im Vergleich scheint der soziale Status in Osteuropa sowie in Finnland und Dänemark die alkoholbedingten Todesfälle am stärksten zu beeinflussen. In Spanien, Frankreich, Italien und der Schweiz waren die Unterschiede zwischen den sozialen Gruppen hingegen weniger stark ausgeprägt. Deutschland wurde von den Forschern nicht untersucht.

In vielen Ländern nahmen die alkoholbedingten Todesfälle bei Männern aus den unteren sozialen Schichten in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zu, während die Zahl der Alkoholtoten in den höheren sozialen Schichten gleichgeblieben ist. Dies hat die Ungleichheit zwischen den sozialen Gruppen verstärkt. In südeuropäischen Staaten hingegen ist die Rate der alkoholbedingten Todesfälle in den unteren sozialen Schichten gleichgeblieben oder sogar zurückgegangen.

Gesundheitsrisiko Alkohol

Weitere Studien sollten erforschen, warum die Zahl der Alkoholtoten in einigen Ländern wie Spanien nicht zugenommen hat, schreiben die Forscher. Die Erkenntnisse könnten helfen, das Problem in anderen Staaten zu bekämpfen.

Alkoholkonsum erhöht das Risiko für viele chronische und tödliche Erkrankungen. Er kann unter anderem Leberschäden, Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs verursachen, zu akuten Vergiftungen führen oder das Risiko für tödliche Unfälle erhöhen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Alkohol jährlich für 3,3 Millionen Todesfälle weltweit verantwortlich - ein Anteil von 5,9 Prozent an allen Todesfällen. In Deutschland sterben nach Angaben der Drogenbeauftragten der Bundesregierung jährlich etwa 74.000 Menschen an den Folgen von Alkoholmissbrauch. Etwa 1,3 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig.

ruh/dpa

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insgesamt 87 Beiträge
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1.
spon_3064063 01.12.2015
Wer Sorgen hat hat auch Likör!
2. was für eine Erkenntnis...
donvito85 01.12.2015
ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte: arme Menschen sterben früher an allem. Alkoholkonsum, Tabakkonsum, Gewalttaten, Krebs, Diabetes, AIDS, ...etc woran das wohl liegen mag??? evtl. gibt irgend wann eine Studie die besagt, dass Armut gesundheitsschädlich ist.....
3. Keine Erhebung in Deutschland?
foxtrottangohamburg 01.12.2015
Warum nicht? Abgesehen davon werden in der Studie in Südeuropa nur die Städte erhoben (Turin für Italien, Madrid, Barcelona und Baskenland für Spanien), aber in Osteuropa ganze Ländern. Das verzerrt die Resultate. Wobei die Hypothese und Schlussfolgerung unabhängig davon richtig sein dürfte.
4. Ungarn im Ländervergleich
Baal 01.12.2015
Jetzt versteh ich den Erfolg von Viktor Orban: Nur eine Minderheit ist dort bei Wahlen klar in der Birne:)
5. Schwer zu glauben ...
westerwäller 01.12.2015
Immerhin sagt man: "Dummheit frisst, Intelligenz säuft, Genie macht beides..."
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