Europa Krebssterblichkeit sinkt - vor allem in Deutschland

In der EU überleben immer mehr Krebspatienten ihre Krankheit, zeigt eine aktuelle Studie. Das gilt in Deutschland vor allem bei Darmkrebs. Bei den Frauen gibt es jedoch auch zwei negative Trends.

Darmspiegelung zur Krebsvorsorge
DPA

Darmspiegelung zur Krebsvorsorge


Das Risiko, an Krebs zu sterben, ist in der EU in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Vor allem bei Darmkrebs gab es eine positive Entwicklung, schreibt ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Annals of Oncology".

Während der Trend bei den Männern bei allen untersuchten Krebsarten konstant oder positiv ist, sterben Frauen inzwischen jedoch häufiger an zwei Formen der Krankheit: Tumoren von Lunge und Bauchspeicheldrüse.

Das Team um Carlo La Vecchia von der Universität Mailand veröffentlicht seit 2011 Daten zur Krebssterblichkeit. Auf Basis von Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellen die Forscher Prognosen fürs aktuelle Jahr auf - sowohl für die gesamte EU als auch für die sechs bevölkerungsreichsten Mitgliedstaaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen und Spanien. Dabei liegt der Schwerpunkt jeweils auf einer bestimmten Tumorart, in diesem Jahr war es der Darmkrebs.

Der aktuellen Prognose zufolge werden 2018 in der EU fast 1,4 Millionen Menschen an Krebs sterben. Dies liegt zwar leicht über der Zahl von 1,3 Millionen von 2012. Das hängt aber vor allem damit zusammen, dass die Bevölkerung älter geworden ist. Berücksichtigt man diese Tatsache bei den Berechnungen, fiel die Krebs-Mortalität von 2012 bis 2018 bei Männern um gut 10 Prozent und bei Frauen um 5 Prozent.

Gründe: Verbesserungen bei Lebensstil, Früherkennung und Therapien

Deutlich ist der positive Trend auch bei Darmkrebs, an dem in der EU nach Tumoren an der Lunge die meisten Krebspatienten sterben. Auch hier stieg zwar die absolute Zahl der Todesopfer aufgrund der höheren Zahl älterer Menschen. Rechneten die Forscher den Einfluss des Alters heraus, fiel die Mortalität aber seit 2012 um knapp 6,7 Prozent bei Männern und um 7,5 Prozent bei Frauen. Damit sterben derzeit pro Jahr knapp 16 von 100.000 Männern und gut 9 von 100.000 Frauen an Darmkrebs.

"In der EU sinkt die Darmkrebs-Mortalität bei Männern seit 1993 und bei Frauen über den gesamten Zeitraum seit 1970", wird La Vecchia in einer Mitteilung der Europäischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO) zitiert. "Tabak, Alkohol, Übergewicht, Diabetes, ein passiver Lebensstil und eine ungesunde Ernährung steigern das Darmkrebs-Risiko." Zu der besseren Prognose haben demnach außer Änderungen im Lebensstil auch eine bessere Früherkennung und Therapie beigetragen.

Unter den sechs größten Mitgliedstaaten steht Deutschland bei Darmkrebs im Vergleich gut da. Zum einen liegt die Mortalität derzeit sowohl bei Männern (12,4 pro 100.000) als auch bei Frauen (7,4 pro 100.000) am niedrigsten. Auch die Entwicklung seit 2012 ist am günstigsten: Bei Männern ist die Mortalität um mehr als 14 Prozent zurückgegangen, bei Frauen um gut 15 Prozent.

Die meisten Todesfälle verursacht Lungenkrebs

"Das zeigt die Wirkung der Darmkrebs-Vorsorge, die 2003 eingeführt wurde", sagt Lina Jansen vom Deutschen Krebsforschungsinstitut (DKFZ). Dass die Darmkrebs-Mortalität in Deutschland besonders stark zurückgegangen ist, führt sie auch darauf zurück, dass Darmspiegelungen hierzulande stärker genutzt werden als in vielen anderen EU-Staaten. Aber auch die Therapie habe sich verbessert, betont Jansen, zudem sei die Zahl der Raucher gesunken. Das wirke sich deutlich auf die Zahl der Sterbefälle aus - mit einigen Jahren zeitlicher Verzögerung.

Die meisten Todesfälle durch Krebs in der EU werden 2018 laut der Prognose durch Lungentumoren verursacht: mit 32 Todesfällen unter 100.000 Männern und 15 unter 100.000 Frauen. Bei Männern sank die Mortalität seit 2012 um 13 Prozent, bei Frauen stieg sie jedoch um 6 Prozent. Den Daten zufolge geht etwa jeder fünfte Todesfall durch Krebs auf einen Tumor der Lunge zurück.

Dass die Zahlen bei Frauen steigen, lässt sich damit erklären, das sich das Rauchen unter Frauen später verbreitete als unter Männern. Zigaretten gelten auch als Risikofaktor für Tumoren der Bauchspeicheldrüse, bei denen die Sterblichkeit bei Frauen aktuell ebenfalls steigt. Für 2018 sagen die Forscher sowohl für Männer als auch für Frauen etwa 44.500 Todesfälle in der EU voraus - bei Frauen bedeutet das eine Zunahme um 2,8 Prozent seit 2012, bei Männern ist der Wert etwa konstant geblieben.

Von Walter Willems, dpa/irb



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