Datenbank Wie viel Geld hat mein Arzt bekommen?

Für mehr als 20.000 Ärzte und Fachkreisangehörige in Deutschland ist jetzt bekannt, wie viel Geld sie 2015 von Pharmafirmen erhalten haben. Gehört Ihr Arzt dazu? Unsere interaktive Karte zeigt die Details.

Von und und Stefan Wehrmeyer


Mehr als 575 Millionen Euro ließen Pharmakonzerne im vergangenen Jahr Ärzten, Fachkreisangehörigen und medizinischen Institutionen zukommen. Ein Teil davon lässt sich bis ins Detail nachvollziehen: Mehr als 20.000 Ärzte und Fachkreisangehörige haben zugestimmt, als Zahlungsempfänger namentlich genannt zu werden. Die Recherche von "Correctiv" und SPIEGEL ONLINE zeigt, wohin das Geld geflossen ist.

Erkunden Sie die freigegebenen Zahlungen in unserer interaktiven Karte

Sind an einer Adresse mehrere Personen oder Institutionen eingetragen, dann zeigt das Tooltip den Empfänger mit der höchsten Gesamtsumme. Über einen Link im Tooltip können Sie in der Datenbank alle weiteren Empfänger sowie eine Aufschlüsselung nach Kategorien einsehen. Lesen Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zur Auswertung in diesem Artikel.Hier eine gekürzte Fassung:

Wem und wofür wurde das Geld gezahlt?
Offengelegt wurden die Zahlungen an Ärzte, Apotheker und Angehörige medizinischer oder pharmazeutischer Heilberufe - zusammengefasst als "Angehörige der Fachkreise". Ärzte und Fachkreisangehörige haben Geld für Vorträge, Fortbildungen und Beratung erhalten, dazu gehört auch die Übernahme von Reise- und Übernachtungskosten sowie Tagungs- und Teilnahmegebühren. Medizinische Institutionen bekamen zudem Geld für Sponsoring, Spenden und Stiftungen.
Welche Firmen haben ihre Daten preisgegeben?
Beim Transparenzkodex handelt es sich um eine Eigeninitiative des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen (VfA) und des Vereins Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie (FSA). Die teilnehmenden Unternehmen decken nach eigenen Angaben 75 Prozent des deutschen Pharmamarkts für verschreibungspflichtige Medikamente ab.
Wie transparent ist der Kodex wirklich?
Noch bietet er zu viele Schlupflöcher. So mussten zwar alle teilnehmenden Unternehmen ihre Zahlungen an Ärzte offenlegen. Die Namen der Mediziner aber nannten sie nur, wenn diese der Veröffentlichung zugestimmt hatten. Stimmten Ärzte nicht zu, wurden ihre Daten zusammengefasst und anonymisiert veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn mein Arzt in der Liste auftaucht - und was, wenn nicht?
Jeder Interessenkonflikt kann sich auf die Urteilskraft eines Mediziners auswirken, muss es aber nicht. Er beschreibt immer nur die Gefahr, dass Mediziner nicht mehr unvoreingenommen urteilen können. Mehrere Untersuchungen haben gezeigt, dass solche Verbindungen das professionelle Urteilsvermögen beeinflussen können. Taucht ein Arzt nicht in der Datenbank auf, kann das entweder bedeuten, dass er kein Geld angenommen hat, oder dass er seinen Namen nicht veröffentlicht sehen will. Ebenso können Geldgeber in der Auflistung für einen einzelnen Empfänger fehlen, weil nicht alle Unternehmen ihre Daten offenlegen.
Wie viele Personen haben der Veröffentlichung zugestimmt?
Mehr als 71.000 Mediziner erhielten den Daten zufolge Zahlungen von Pharmaunternehmen. Davon stimmten 29 Prozent der Veröffentlichung ihres Namens zu, immerhin rund 20.000 Mediziner. Die Daten erlauben somit einen Einblick in finanzielle Verbindungen von Ärzten und Industrie, den es in Deutschland so noch nie gab.

Die Daten haben Rechercheure von "Correctiv" und SPIEGEL ONLINE aus mehreren Dutzend Listen zusammengetragen, die von den Pharmaunternehmen einzeln veröffentlicht wurden - darunter viele nicht computerlesbare PDF-Dateien mit unvollständigen Angaben.

Auch die Qualität der Daten erschien in einzelnen Fällen zweifelhaft, etwa wenn die angegebenen Summen nicht mit den aufgelisteten Zahlungen übereinstimmen. Die angegebenen Adressen waren zudem teilweise unvollständig, sodass einzelne Punkte auf der Karte nicht ganz präzise verortet werden konnten.

In unserer Datenbank können Sie die zusammengeführten und bereinigten Angaben für rund 20.000 Ärzte und Fachkreisangehörige im Detail erkunden. Die Ärzte und Institutionen wurden von jedem Unternehmen um ihre Zustimmung für die Veröffentlichung der Daten gebeten.

  • "Correctiv" ist das erste gemeinnützige Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum. Es finanziert sich vor allem durch Spenden von Bürgern und Zuwendungen von Stiftungen.

    In seinen Recherchen kooperiert "Correctiv" mit Zeitungen, Magazinen, Radio- und Fernsehsendern. Mehr Projekte auf der Correctiv-Website.

Haben Sie eine Anmerkung zu den Daten oder eine Unstimmigkeit in den Angaben entdeckt? Dann melden Sie sich bitte unter der Adresse eurosfueraerzte@correctiv.org, damit wir die Datenbank weiter optimieren können.

Hinweis: In einer früheren Version der interaktiven Karte war in einigen Einträgen die Zuordnung zu den Kategorien "Honorare" und "Sponsoring" vertauscht. Wir haben den Fehler behoben und bitten, ihn zu entschuldigen.

Mitarbeit: Christoph Henrichs, Simon Jockers, Philipp Seibt, Achim Tack

Mehr zum Thema


Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Lampenluft 16.07.2016
1. Weshalb fehlen die Rechtsmediziner?
Das ist interessant, insbesondere da man auch sieht, dass die große Mehrheit der Ärzte in dieser Statistik mitnichten ein zweites Monatseinkommen bekommt. Interessant hingegen wären noch die Nebeneinkünfte der Rechtsmediziner, die an den meisten Universitäten während der bezahlten Arbeitszeit privat Einsätze und Gerichtstermine dem Staat in Rechnung stellen. Warum nur Gelder von Pharmakonzernen? Warum werden nicht die doppelten, staatlichen Gehälter aufgeführt?
TanjaFladra 16.07.2016
2. ist das jetzt alles schlimm oder nicht?
Meine Hausärztin hat also 619 Euro Reisekostenerstattung bekommen. Was sagt mir jetzt das? Irgendwie gar nichts.
dr.haus 16.07.2016
3.
Ein Sumpf tut sich auf .Ein Teil von Ärzten,weit unter 10 % ,haben 400 - 2000 Euro durch Sonderleistungen erhalten. Welche der vielen politischen korruptiven Fehlleistungen unserer herrschenden Klasse soll diese lächerliche Vernebelung nun verschleiern?
Biegel 16.07.2016
4. Sskkandalös ...
Meine Ärztin hat 129 Euro Reisekosten bekommen. Das ist ja, also, das ist ja ... ja, was eigentlich?
hansdampf01 16.07.2016
5. Danke
Mein Hausarzt war auf einer Fortbildung und bekam die Reisekosten erstattet. Find ich gut, dass er sich weiterbildet. Bessert meine Versorgung. Danke!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.