Plopp Darum knacken Finger

Jeder kennt das typische Geräusch, wenn Menschen mit ihren Fingern knacken. Doch wie entsteht es? Dieser Frage sind jetzt sogar Mathematiker nachgegangen.

Auseinanderziehen, dann knackt es
DPA

Auseinanderziehen, dann knackt es


Manche entspannt es, andere zucken schon beim Gedanken an das Geräusch zusammen: Fingerknacken spaltet die Gesellschaft. Auch die Wissenschaft ist bei dem Thema uneins. Sind es die Gelenkknochen selbst oder möglicherweise doch andere Faktoren, die das Geräusch entstehen lassen? Klarheit bestand lange nur in einem Punkt: Damit sie knacken, muss man die Fingergelenke auseinanderziehen.

Mit einer mathematischen Analyse untermauern Forscher jetzt die vergleichsweise gut belegte Theorie, dass kleine Gasbläschen in der Flüssigkeit im Spalt zwischen den Gelenkknochen das Geräusch verursachen.

Das Gas sei normalerweise in der zähen Gelenkschmiere gelöst, berichten zwei Wissenschaftler im Fachjournal "Scientific Reports". Beim Auseinanderziehen entsteht demnach zunächst ein Unterdruck in der Gelenkhöhle, der die Gasbläschen ausperlen lässt - ähnlich wie beim Öffnen einer Flasche Sprudel.

Die Flüssigkeit befindet sich in der Gelenkhöhle (gelb)
SPIEGEL ONLINE

Die Flüssigkeit befindet sich in der Gelenkhöhle (gelb)

Springen die Gelenkflächen dann auseinander, steigt der Druck plötzlich, wie Chandran Suja von der Stanford Universität, USA, erklärt. In der Folge verkleinerten sich die Gasbläschen demnach rasant. "Das ist das Geräusch, das wir hören", erklärt Suja.

Bis zu 83 Dezibel laut

Zusammen mit Abdul Barakat von der École Polytechnique in Palaiseau, Frankreich, berechnete Suja die möglichen Druckschwankungen mithilfe eines mathematischen Modells. Demnach kann das Knacken bis zu 83 Dezibel laut werden. Zum Vergleich: Ab 80 Dezibel gilt ein Geräusch als laut, in diesem Bereich liegen zum Beispiel Rasenmäher oder ein Streitgespräch.

Nach ihrem rasanten Zusammensturz verkleinerten sich die Blasen der mathematischen Theorie zufolge langsam weiter. Das Gas werde wieder in der Gelenkflüssigkeit gelöst - "ohne ein Geräusch zu machen", sagt Suja. Dieser Vorgang könne rund 15 bis 20 Minuten dauern.

Dass Blasen etwas mit dem Fingerknacken zu tun haben, spekulierten britische Wissenschaftler bereits 1947: Sie röntgten Finger vor und nach dem Knacken. Auf den Bildern entdeckten sie nach dem Knacken eine Gasblase im Spalt zwischen den Gelenken, die zuvor nicht da gewesen war. Das Geräusch, spekulierten sie damals, entstehe, wenn sich diese Blase beim Auseinanderziehen der Finger aufplustere. Belege hatten sie nicht.

2015 filmten Forscher der University of Alberta in Kanada, was im Gelenk passiert, wenn es auseinandergezogen wird. Auch sie dokumentierten, wie sich eine Blase auftut. Ihren Beobachtungen zufolge knackte es jedoch tatsächlich bei der Entstehung der Blase und nicht erst, wenn sie sich zurückbildete. Das widerspricht nicht nur den aktuellen Berechnungen, sondern auch einer Reihe weiterer Theorien. Zumindest in einem Punkt scheint aber mittlerweile Einigkeit zu herrschen: Die Blasen sind verantwortlich.

Wie schädlich ist das Knacken denn nun?

Ob es schädlich für die Gelenke ist, seine Finger knacken zu lassen, beantwortet die neue Rechnung nicht. Einige Experten gehen davon aus, dass Dauer-Knacker ihre Gelenke ausleiern. "Wer das mehrmals täglich macht, kann damit die Gelenke lockern", warnte etwa Jacqueline Detert von der Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie an der Charité-Universitätsmedizin Berlin einmal.

Andererseits gibt es jedoch einen Selbstversuch, bei dem ein Mann 50 Jahre lang jeden Tag ausschließlich mit seiner linken Hand knackte. Die Gelenke an seiner rechten Hand ließ er ruhen, von einigen in Gedanken versunkenen Ausrutschern abgesehen. Das Ergebnis: Auch nach mehr als 18.850 Knackern war seine linke Hand genauso gesund wie die rechte.

Natürlich lässt sich nicht von einem Menschen auf alle schließen. Dass es jedoch kaum wissenschaftliche Berichte zu möglichen Folgen des Knackens gibt, weist ebenfalls darauf hin, dass das Knacken kein allzu großes Problem darstellen kann. "Wir hätten vermutlich bereits bemerkt, wenn Menschen, die ihre Gelenke knacken lassen können, häufiger Probleme mit diesen Gelenken haben", sagte die Orthopädin Caroline Werkmeister, Leiterin des Athleticums am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

irb/dpa



insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
geotie 03.04.2018
1.
In jugendlichen Jahren war das mal ein Thema im Radio und dort wurde das mal erklärt. Der einzige Unterschied, es wurde noch genauer untermauert. Manchmal habe ich das Gefühl, das meiste ist schon alles untersucht wurde, nur halt nicht so wissenschaftlich.
Zäld 03.04.2018
2. Verstehe ich nicht
"Beim Auseinanderziehen entsteht demnach zunächst ein Unterdruck in der Gelenkhöhle, der die Gasbläschen ausperlen lässt - ähnlich wie beim Öffnen einer Flasche Sprudel." Soweit kann ich folgen. "Springen die Gelenkflächen dann auseinander, steigt der Druck plötzlich," Wenn die Flächen auseinandergehen und damit mehr Platz machen, wie kann dann der Druck ansteigen? Bei mir reicht es auch aus, daß ich alleine die Gelenke unter Anspannung bewege, daß es knackt. Ohne an den Fingern zu ziehen. Aber vielleicht ist es ja derselbe Mechnismus. Und zu den 10 bis 15 Minuten Erholungszeit: Wenn ich "gut drauf" bin, kann ich alle 10 Sekunden mit dem Fußgelenk einen Knack erzeugen. Das widerspricht sich doch irgendwie.
le.toubib 03.04.2018
3. Ehrlich gesagt:
Zitat von Zäld"Beim Auseinanderziehen entsteht demnach zunächst ein Unterdruck in der Gelenkhöhle, der die Gasbläschen ausperlen lässt - ähnlich wie beim Öffnen einer Flasche Sprudel." Soweit kann ich folgen. "Springen die Gelenkflächen dann auseinander, steigt der Druck plötzlich," Wenn die Flächen auseinandergehen und damit mehr Platz machen, wie kann dann der Druck ansteigen? Bei mir reicht es auch aus, daß ich alleine die Gelenke unter Anspannung bewege, daß es knackt. Ohne an den Fingern zu ziehen. Aber vielleicht ist es ja derselbe Mechnismus. Und zu den 10 bis 15 Minuten Erholungszeit: Wenn ich "gut drauf" bin, kann ich alle 10 Sekunden mit dem Fußgelenk einen Knack erzeugen. Das widerspricht sich doch irgendwie.
Ich glaube, Ihr Knacken hat eine ganz andere Genese als die im Artikel. Aber mehr nicht ohne aktuelles Rx-Bild. ;-) Zu Ihrem Problem beim Verstehen: Das wurde einfach schlecht ausgedrückt, wobei ich versichern kann, manches, das in "Medizinerdeutsch" ganz einfach gesagt ist, wird auf Hochdeutsch übersetzt oft nur sehr holprig und der Wahrheit nicht zu 100 % gerecht. Nehmen wir nur eine simple Kniearthroskopie - in Hochdeutsch kann ich Ihnen partout nicht erzählen, was man dabei alles macht und wobei man aufpassen muss. Unser "Medizinerdeutsch" ist nicht dazu da, um uns damit hervorzutun, es ist reine berufliche Routine ...
rumans 03.04.2018
4. nein es ist ganz anders. Durch den Unterdruck wird die Kapselhaut
nach innen gezogenen. Durch den Innendruck entsteht plötzlich ausperlendes Gas, das im Gegensatz zu vorher Flüssigkeit plötzlich dekomprimierbar ist, der Unterdruck verschwindet, plötzlich keine Notwendigkeit,dass die Kapselhaut nach innen gezogenen wird. Jetzt kommt's: sie schnellt wie eine Peitsche zurück, evtl. kurz sogar weiter nach aussen dann in ihre alte Stellung zurück. Es ist der Peitschenhieb der Gelenkkapsel.
unglaeubig 03.04.2018
5. Scientific Reports
Ich habe selbst in diesem Journal veröffentlicht und Einreichungen begutachtet. Hier wird unter dem guten Namen renommierter Zeitschriften (Science-Group) eine Resteverwertung von anderweitig nicht veröffentlichbaren zweifelhaften Forschungsresultaten betrieben. In den Richtlinien für Gutachter steht: "To be published in Scientific Reports, a paper must be scientifically valid and technically sound [...]. Manuscripts are not assessed based on their perceived importance, significance or impact." Also auf deutsch: Man kann dort veröffentlichen, was man will, hauptsache es ist nicht falsch. Nach diesen Richtlinien könnte kein Gutachter etwas dagegen einwenden, wenn dort jemand veröffentlichen wollte, dass Zebras gestreift sind. Hauptsache er zahlt für die Veröffentlichung die geforderten 1500+ USD. Neu, interessant oder wichtig muss es deswegen noch lange nicht sein, deswegen sollten auch die zahlreich gestreuten Sensations-Pressemitteilungen zu Veröffentlichungen aus dieser Zeitschrift mit Vorsicht genossen werden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.