Fotos aus britischem Krankenhaus Notaufnahmen

Angetrunkene Patienten, übel zugerichtete Opfer von Schlägereien: Nachts herrscht Hochbetrieb in der Notaufnahme des Gwent Hospitals im walisischen Newport. Der Fotograf Sam Peat war mit seiner Kamera dabei.


Ein verschlafenes Provinzkrankenhaus ist das Royal Gwent Hospital im walisischen Newport nicht. Von Ruhe während der Nachtschicht können die diensthabenden Ärzte nur träumen, alle sechseinhalb Minuten wird in der Notaufnahme ein neuer Patient eingeliefert.

Wie hektisch es dann im Accident & Emergency Department (A&E Department) zugeht, zeigen die Bilder des britischen Fotojournalisten Sam Peat.

Er hat eine Nacht lang in der Notaufnahme des Royal Gwent fotografiert. Dabei sind Bilder entstanden, welche die kleinen und großen Dramen der walisischen Stadt dokumentieren. Auf effektvoll eingesetztes Blutrot verzichtet Peat in den Aufnahmen - er hat sie in schlichtem Schwarz-Weiß gehalten. Die Dramatik wird auch so deutlich genug.

In einer weiteren Serie hat der Fotograf einzelne Patienten porträtiert - diesmal in Farbe. "Ich will die Porträtserie auf weitere Notaufnahmen in Großbritannien ausdehnen," schreibt er auf seiner Homepage. Und warnt: "Der Anblick der Patienten kann durchaus verstörend sein."

20:00 Uhr: Ein vermeintlich harmloser Fall? Dieser Patient kommt am Abend mit starken Bauchschmerzen ins A&E Department des Royal Gwent Hospital im britischen Newport - Ursache unbekannt. Es ist der Beginn einer langen Nacht für das medizinische Personal. Der Fotograf Sam Peat hat mit seiner Kamera die Patienten portraitiert.

22:00 Uhr: Dieser Mann hatte einen Unfall mit einer Motorsäge.

22:15 Uhr: Handgelenk gebrochen: Die Frau konnte mit einem Gips verarztet werden.

23.00 Uhr: Diese Patientin hat einen Herzinfarkt überlebt.

23:45 Uhr: Pflaster quer über dem Mund - das Opfer einer Schlägerei wird die Spuren der Nacht noch länger mit sich rumtragen.

2:15 Uhr: Gesichtsverletzungen gibt es häufiger.

4:00 Uhr: Das Opfer eines Autounfalls wird mitten in der Nacht eingeliefert.

4:30 Uhr: Wegen einer Kopfverletzung wurde dieser ältere Mann behandelt.

6:30 Uhr: Inzwischen kann dieser Patient schon wieder eine Teetasse halten. Er ist in der Klinik, weil er plötzlich das Bewusstsein verloren hatte.

Peat will mit seinen Bildern zeigen, wie viele verschiedene Menschen in dem Krankenhaus behandelt werden. Er lobt auch das staatliche Gesundheitssystem NHS: Einer der größten Vorteile sei die konstante Qualität, mit der Menschen betreut würden.

Aber gerade die A&E Departments stehen in Großbritannien immer wieder in der Kritik: Die Wartezeiten sind lang, angetrunkene Patienten werden auch mal aggressiv. "Es gibt viele politische Diskussionen über die Notaufnahmen - schließlich kosten sie den Steuerzahler auch viel Geld", so Peat.

Aufgrund von Sparmaßnahmen der konservativen Regierung haben sich die Wartezeiten noch verlängert. Auch im Royal Gwent Hospital sei die Stellenzahl gesunken und der Druck aufs medizinische Personal gestiegen, sagt Peat. "Aber Entscheidungen über Ressourcen und Sparmaßnahmen werden immer von Managern getroffen, die keine medizinische Ausbildung haben." Man solle mehr Entscheidungsgewalt in die Hände des medizinischen Personals legen, meint der Fotograf.

A&E Departments sind aufgeteilt in die Behandlungsbereiche minor und major. Schwere, potenziell lebensbedrohliche Symptome wie starke Schmerzen im Brustbereich oder Atemnot werden in major-Bereich behandelt, leichtere wie Knochenbrüche oder kleinere Wunden im minor-Bereich - Peat hat in beiden Bereichen fotografiert.

Dem Fotografen ist dabei ein Fall besonders in Erinnerung geblieben: eine Beinamputation nach einem Motorradunfall. "Es war erstaunlich, wie viele medizinische Spezialisten sich während der OP um einen einzigen Patienten gekümmert haben. Das hat mir gezeigt: Wenn du wirklich Hilfe benötigst, dann wirst du sie in einer Notaufnahme auch bekommen."

joe

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