Nach Todesfall in Köln Bestatter mit Lassa-Fieber auf Isolierstation eingeliefert

Vor knapp einer Woche ist in Köln ein Mann am Lassa-Fieber gestorben. Nun kam sein Bestatter mit der gleichen Diagnose auf eine Isolierstation.

Isolierstation der Uniklinik Frankfurt (Archivbild)
DPA

Isolierstation der Uniklinik Frankfurt (Archivbild)


Ein mit dem Lassa-Virus infizierter Patient ist auf der Sonderisolierstation der Frankfurter Uniklinik aufgenommen worden. Der Mann arbeitet bei einem Bestattungsunternehmen in Alzey (Rheinland-Pfalz). Er hatte dort Kontakt mit der Leiche eines Ende Februar in der Kölner Uniklinik gestorbenen Lassa-Patienten aus Togo, wie die Kreisverwaltung Alzey-Worms mitteilte.

Nachdem im Blut des Bestattungsmitarbeiters das Lassa-Virus nachgewiesen wurde, sei er umgehend in die Frankfurter Uniklinik gebracht worden, so die Behörde. "Es wäre der erste Fall einer in Deutschland erworbenen Lassa-Virus-Infektion", sagte der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Lassa zählt wie Ebola- und Marburg-Fieber zu den hämorrhagischen Fiebern. Die Erreger können Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen auslösen, später sind Hautblutungen, Durchfall und Erbrechen möglich. In schweren Fällen kann es zu einem Schockzustand kommen, der etwa zu Organversagen führt.

Dem Robert Koch-Institut zufolge verläuft die Infektion aber häufig mild oder ohne Symptome. Hochrechnungen zufolge infizieren sich jährlich 100.000 bis 300.000 Menschen mit dem Virus, von denen ein bis zwei Prozent am Fieber sterben. Eine Impfung gibt es nicht.

Leichnam in Spezialcontainer transportiert

In Deutschland sind seit 1974 sechs importierte Fälle bekannt geworden. Zuletzt war am 26. Februar in Köln ein US-Bürger gestorben, der in Togo als Krankenpfleger gearbeitet hatte. Erst mehrere Tage nach seinem Tod wurde eine Lassa-Virus-Infektion festgestellt.

Lassavirus unter dem Elektronenmikroskop
DPA/Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Lassavirus unter dem Elektronenmikroskop

Der Leichnam des Amerikaners sei am 3. März in einem Spezialcontainer nach Alzey gebracht worden, wo er für den Weitertransport nach Togo konserviert werden sollte, teilte die Kreisverwaltung Alzey mit. Sechs Tage später, am 9. März, habe sich nach Mitteilung der Kölner Uniklinik herausgestellt, dass der Mann an Lassa-Fieber erkrankt war.

Daraufhin seien dem Mitarbeiter der Bestatterfirma Blutproben entnommen und vom Frankfurter Kompetenzzentrum für lebensbedrohliche Erkrankungen untersucht worden. Die erste sogenannte Nullprobe vom 10. März habe keinen Hinweis auf das Virus gezeigt. Bei einer erneuten Probe sei am Dienstag das Lassa-Virus nachgewiesen worden.

Der Mitarbeiter des Bestattungsinstituts habe als Einziger Kontakt mit dem Toten gehabt, teilte die Kreisverwaltung mit. Nach eigenen Angaben kam er nicht mit Körperflüssigkeiten in Berührung. Die grippeähnlichen Symptome, über die der Mann klagte, bestanden nach dessen Aussagen bereits vor dem Kontakt zur Leiche.

Die Familienangehörigen des Mannes wiesen zwar keinerlei Krankheitssymptome auf, sie seien aber vorsorglich ebenfalls stationär aufgenommen worden.

Die Frankfurter Uniklinik will am Donnerstag in einer Pressekonferenz über den Fall informieren.

jme/dpa



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