Kampf gegen Zigarettenkonsum Paris verhängt Rauchverbot in städtischen Parks

Kein blauer Dunst für grüne Lungen: In Paris ist das Rauchen in sechs Parks in den kommenden Monaten untersagt. Es ist die jüngste von zahlreichen Maßnahmen in Frankreichs Kampf gegen den Tabak.

imago/IP3press

Von , Paris


Der Park George Brassens ist eine grüne Oase im Südwesten von Paris. Die Anlage mit Klettergarten, Jogging-Parcours, Theater und Musik-Pavillon verfügt sogar über Bienenstöcke und einen Weinberg. "Ein Paradies", schwärmt Madame Odette, 78, die gegenüber wohnt. "Für die Kinder gibt es das Karussell oder den Gemüsegarten, selbst Pony-Reiten ist möglich."

Jetzt hat der Park, benannt nach dem großen französischen Chansonnier, eine Besonderheit mehr: Seit dem 10. Juli herrscht auf dem fast neun Hektar großen Gelände ein absolutes Rauchverbot. "Sie betreten einen tabakfreien Garten", verkündet ein Anschlag am Eingang: "Wir bitten Sie um Ihre Mithilfe", so der Hinweis der Stadtverwaltung. Es gehe um Gesundheit und Sauberkeit.

Der Tabakbann gilt nicht nur für den Park im 15. Arrondissement, sondern ebenso für fünf weitere Grünanlagen der Hauptstadt. Bisher bestand nur ein Rauchverbot für die rund 500 Spielplätze in Paris. Das neue Verbot, zur Probe auf vier Monate beschränkt, betrifft hingegen die gesamten Flächen der ausgewählten städtischen Gärten.

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Paris: Kein blauer Dunst für grüne Lungen

Paris folgt mit dem Beschluss dem Beispiel Straßburgs. Dort hatte die Kommunalverwaltung bereits zum 1. Juli ein entsprechendes Dekret für alle Gärten und Parks verkündet. Die Motive sind dabei die gleichen: Zigarettenkonsum und Müll reduzieren. Frankreichs Hauptstadt sieht sich auch durch Vorbilder im Ausland bestätigt. Ähnliche Auflagen gelten in Finnland, Island, Großbritannien und einigen US-Städten.

Keine ähnlichen Verbote in Deutschland angedacht

Deutschland kennt derartige bundesweite Regelungen nicht, das Bundesnichtraucherschutzgesetz gilt nur für geschlossene Gebäude. Darüber hinausgehende Vorschriften sind Sache der Länder und die sehen derzeit keinen Handlungsbedarf.

"Für Außenbereiche, in denen sich die Schadstoffe nicht anreichern können und wo man sich dem Rauch relativ einfach entziehen kann, bestehen keine gesetzlichen Rauchverbote und sind auch nicht geplant", sagt Markus Jox, Pressesprecher des baden-württembergischen Ministeriums für Soziales und Integration. Rico Schmidt, Sprecher der Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz ergänzt: "Für abgegrenzte Bereiche in Parkanlagen, etwa Kinderspielplätze, gibt es bereits Rauchverbote. Weitergehende Regelungen sind nicht im Gespräch."

Zigarettenkonsum ist noch immer für den Tod von jährlich 73.000 Franzosen verantwortlich, so das Nationale Krebszentrum. Gut jeder vierte Erwachsene in Frankreich raucht - Tendenz fallend.

Frankreichs Kampf gegen den Tabak

Seit Jahren ist die Politik in Frankreich darauf ausgerichtet, das Rauchen zurückzudrängen.

  • Seit 2007 ist Rauchen in Einkaufszentren, Schulen, Krankenhäusern, Bahnhöfen und Behörden untersagt.
  • Ein Jahr später wurde die Vorschrift auf Restaurants, Cafés, Hotels und Diskotheken erweitert.
  • Schockbilder und drastische Warnungen vor den Folgen des Nikotinkonsum auf jeder Zigarettenpackung sollen abschreckend wirken.
  • Zusätzlich dürfen Hersteller keine Logos mehr auf die Schachteln drucken.
  • Obendrein steigen die Preise ständig, die meisten Packungen kosten mehr als sieben Euro.

Die Zigarette steht nicht mehr für Geselligkeit

In Frankreich hat sich ein Paradigmenwechsel vollzogen. Vorbei sind die Zeiten, als zum "Savoir vivre" neben Baguette und Rotwein auch die Gauloise gehörte. "Die Zigarette steht nicht mehr für Modernität, weibliche Emanzipation oder Geselligkeit", klagte die Tageszeitung "France Soir" schon vor Jahren: "Die Zigarette ist verhasst." Bezeichnend etwa die Haltung der Pariser Metro: Das Unternehmen zensierte Kinoplakate von Jacques Tati und Audrey Tautou, die die Schauspieler mit Glimmstängel zeigten.

Trotz der kulturellen Wende sorgt der aktuelle Tabakbann für Polemik. "Wenn man verantwortlich in einem Park raucht, ohne andere zu belästigen, ist das keine Aggression gegen Kinder und ihre Eltern", rüffelt die Raucherlobby "Wir sind 13 Millionen" auf ihrer Webseite. Und konstatiert: "Hier wird das legale Recht auf Rauchen infrage gestellt."

Gemischt sind auch die Meinungen der Besucher im Park Georges Brassens. "Ich finde prima, dass hier Tabak verboten ist", sagt Madame Odette, obwohl sie selbst lange Raucherin war. Eine 27-Jährige, die sich mit zwei Freundinnen auf der Liegewiese sonnt, hat von der neuen Vorschrift nichts gehört. "Ups, ich habe gerade eine Zigarette geraucht", gesteht die Studentin und bezeichnet den Bann als Eingriff in die persönliche Freiheit.

insgesamt 70 Beiträge
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macks68 17.07.2018
1. So ein Blödsinn
...auf die Art, wird unsere vermeintliche Freiheit weiter eingeschränkt. Irgendwann sind dann Zucker, Koffein, Fett und Alkohol dran. Die Frage die bleibt: Wann ist Europa überreguliert, wann muß man den Kontinent verlassen? Ab wann ist die Freiheit ganz "ausgeschlichen"? Hm..
fleischwurstfachvorleger 17.07.2018
2. Finde ich richtig!!
Die wenigsten haben ja einen Aschenbecher dabei, also werden die Kippen schön in der Wiese ausgedrückt. Für mich eine unverschämte Rücksichtslosigkeit. Ich bin auch dafür, dass striktes Rauchverbot in Gartenlokalen, Biergärten, Cafes, also überall, wo auch Kinder essen und trinken, eingeführt wird. Denn es stinkt trotzdem ekelig, wennn am Nebentisch im Freien geraucht wird.
bucketfor99 17.07.2018
3. Und
welche anderen fünf Parks?
jkleinmann 17.07.2018
4. Gefühlt raucht die Mehrheit der Franzosen...
Die Unbekümmertheit bezüglich des Rauchens wirkt wie ein Blick in das Deutschland vor vierzig Jahren. Französische Reisegruppen jeden Alters sind daran zu erkennen, dass jeder eine Zigarette in der Hand hält. Selbst junge Altersgruppen und Bildungsschichten, die hierzulande nur noch in der Minderheit rauchen, sehen dies dort offensichtlich als selbstverständlich an. Mir persönlich unverständlich.
Freidenker10 17.07.2018
5.
Das wird der Rentenkasse aber nicht gefallen. Man stelle sich vor wir werden alle 100 was dann? ;-) Bin selbst Raucher und sehe den Trend. Auf manch einem Festchen steht man schon allein in einer Ecke auf dem Balkon/Garten um verstohlen seinen Glimmstengel zu rauchen das Mundspary stets zur Hand... Auf der anderen Seite werde ich wenn ichs überlebe wohl in 20 Jahren wenigstens nicht mit meterdicken Brillengläsern rumlaufen müssen weil ich ständig in mein Smartphone starre...
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