Uniklinikum Freiburg Gefährliche Darmkeime bei Frühgeborenen entdeckt

In einem Freiburger Krankenhaus haben sich zwei Frühgeborene mit einem gefährlichen Darmkeim infiziert. Die Bakterien sind vor allem für Menschen mit geschwächtem Immunsystem eine große Gefahr.

Uniklinik in Freiburg (Archivbild): Darmbakterien nachgewiesen
DPA

Uniklinik in Freiburg (Archivbild): Darmbakterien nachgewiesen


Erneut haben sich Neugeborene auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Deutschland mit einem gefährlichen Darmbakterium angesteckt. Betroffen ist das Universitätsklinikum Freiburg. Laut einer Mitteilung der Uniklinik hatten sich Anfang Oktober und Anfang November je ein Frühgeborenes mit dem Bakterium Serratia marcescens infiziert. Das Darmbakterium sei nicht multiresistent gewesen und die Babys erfolgreich mit Antibiotika behandelt worden.

Serratien kommen im Darm von Menschen und Tieren vor, aber auch in im Boden und Wasser sowie in Pflanzen und Nahrungsmitteln. Meist sind sie harmlos. Gefährlich sind die Stäbchenbakterien vor allem für Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Nach dem Auftreten der ersten Infektion Anfang Oktober hatten die Mediziner auch andere Frühgeborene untersucht. Bei sechs Babys stellten sie dabei fest, dass diese auf der Körperoberfläche mit Serratien besiedelt waren, ohne daran erkrankt zu sein. Die Bakterien seien nicht in den Organismus gelangt und hätten keine Infektion ausgelöst.

Daraufhin habe man umfangreiche Hygienemaßnahmen auf der Neugeborenen-Intensivstation eingeleitet. So habe man besiedelte Kinder und nicht betroffene Kinder von getrennten Pflegeteams betreuen lassen. Am 3. November sei dann trotzdem eine weitere Infektion mit Serratien bei einem anderen Frühgeborenen nachgewiesen worden.

Erreger Serratia marcescens (Archivbild): Meist harmlos - aber nicht immer
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Erreger Serratia marcescens (Archivbild): Meist harmlos - aber nicht immer

Um weitere Infektion zu verhindern, hat das Universitätsklinikum eine zweite Neugeborenen-Intensivstation für Neuaufnahmen eröffnet, damit neue Patienten räumlich und personell von den bisherigen Patienten getrennt sind. Man sei zuversichtlich, dass man eine weitere Ausbreitung verhindern könne, sagte Rüdiger Siewert, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Freiburg.

Durch Keime der Gattung Serratia waren im Oktober 2012 an der Berliner Charité 21 Neugeborene erkrankt, sechs von ihnen lebensgefährlich. Serratia-Bakterien treten in Krankenhäusern teils auch als resistente Keime auf, was eine Behandlung mit Antibiotika erschwert.

Doch Serratia ist beileibe nicht das einzige gefährliche Bakterium. In einem Krankenhaus in Lippstadt hatten sich im Sommer 2014 mindestens 13 Säuglinge mit resistenten E-coli-Bakterien infiziert, eines starb. Diese Darmbakterien können insbesondere für unreife Säuglinge extrem gefährlich sein, weil sich ihre Immunabwehr sehr langsam entwickelt.

hda/dpa

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