Früherkennung Ärzte, informiert eure Patienten besser!

Soll ich wirklich zur Darmspiegelung? Krankenkassen laden Patienten regelmäßig zur Krebsvorsorge ein. Doch eine Analyse kommt jetzt zu dem Schluss, dass Patienten bessere Entscheidungen treffen, wenn sie ihr persönliches Risiko kennen - und auch verstehen.

Patientengespräch: Ein Faltblatt alleine hilft der Patientin nicht weiter
Corbis

Patientengespräch: Ein Faltblatt alleine hilft der Patientin nicht weiter


Brustkrebs, Darmkrebs, Hautkrebs: Ab wann muss ich zur Früherkennung? Welchen Nutzen bringt sie? Gibt sie überhaupt Sinn? Patienten, die sich diese Fragen stellen, fällen unterschiedliche Entscheidungen. Manche Patienten scheuen schlicht die Untersuchung beim Arzt, andere glauben, dass die im Volksmund Krebsvorsorge genannte Untersuchung in jedem Fall einen Nutzen hat. Doch nicht jeder Patient weiß, welche Vor- aber auch Nachteile eine Früherkennung für ihn mit sich bringt.

Dabei zeigt eine aktuelle Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration: Patienten, die über ihr persönliches Risiko aufgeklärt werden, treffen bessere Entscheidungen, als jene Patienten, die nur allgemeine Informationen über die Früherkennung erhalten.

Was zunächst wenig überraschend klingt, ist in Wahrheit eine wichtige Botschaft an jene Gremien, die über die Organisation von Früherkennungsprogrammen entscheiden: Ärzte sollten ihre Patienten gezielt und individuell beraten, statt sich auf vorgefertigte Informationen zu verlassen. Denn nur, wenn der Patient verstanden hat, welchen Nutzen er selbst sich von einer Früherkennungsuntersuchung erhoffen kann und welchen Risiken er sich gleichzeitig aussetzt, kann er eine informierte Entscheidung treffen.

Die Angebote der gesetzlichen Krankenversicherung zum Beispiel für die Brustkrebs- oder die Darmkrebsvorsorge sind freiwillig. Dabei sollte jeder Patient von seinem Arzt im persönlichen Gespräch auf die Vor- und Nachteile hingewiesen werden. Denn eine Untersuchung ohne Risiko gibt es nicht. Bei der Mammografie ist die Frau Röntgenstrahlen ausgesetzt, bei einer Spiegelung kann der Darm verletzt werden. Und fällt im ersten Test etwas Verdächtiges auf, folgen weitere Eingriffe mit neuen Risiken.

Schadet oder nutzt die Mammografie?

Für ihre im Fachblatt "Cochrane Library" veröffentlichte Metaanalyse, eine systematische und standardisierte Auswertung der bisher verfügbaren Daten, durchsuchten Wissenschaftler um Adrian Edwards von der britischen Cardiff University Datenbanken nach Untersuchungen zu dem Thema. Dabei stießen sie auf 41 Studien mit insgesamt 28.700 Teilnehmern, die sich mit der personalisierten Information für Patienten und Früherkennungsangeboten beschäftigten.

Die von den Cochrane-Autoren untersuchten Studien hatten sich vor allem mit Früherkennungsprogrammen für Krebs wie dem deutschen Brustkrebs- und Darmkrebs-Screening beschäftigt. Vor allem über die Brustkrebs-Früherkennung streiten Wissenschaftler sich seit Jahren: Bewahrt das Programm ausreichend viele Frauen davor, an Brustkrebs zu sterben? Oder führen die Mammografien zu unnötigen Eingriffen, weil zu häufig vermeintliche Tumoren auf den Bildern entdeckt werden, die sich hinterher als harmlos herausstellen? Diese Fragen lässt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) derzeit in einer Studie untersuchen.

Eigene Risiken gut verstehen

Umso wichtiger, so die Autoren der neuen Cochrane-Analyse, sei es, dass Patienten sich erst dann für oder gegen eine Früherkennungsuntersuchung entscheiden, wenn sie die eigenen Risiken gut verstanden haben: Sowohl das Risiko, das besteht, wenn man die Untersuchung nicht durchführen lässt, als auch das Risiko durch die Untersuchung selbst. So sollte der Patient zum Beispiel auch verstehen, dass eine Screening-Untersuchung keine endgültige Diagnose ist, sondern nur auf eine mögliche Erkrankung des Patienten hinweisen kann.

Tausende Patienten erhalten hierzulande regelmäßig Post von ihrer Krankenkasse und werden zur Früherkennung eingeladen. Doch der einfache Aufruf an alle Menschen, an der Früherkennung teilzunehmen, so die Autoren, erfülle die hohen Anforderungen an die Information der Versicherten nicht.

Vielmehr sollten Ärzte berücksichtigen, etwa ob der Patient raucht, wie alt er ist und ob er Übergewicht hat. So lassen sich Menschen zum Beispiel nach Gruppen mit niedrigem, mittlerem oder hohem Risiko für eine Krankheit einteilen.

45 Prozent der Patienten, die solche personalisierten Risikoinformationen erhielten, das schließen die Cochrane-Forscher aus drei der insgesamt 41 Studien, fällten informierte Entscheidungen über ein Angebot zur Früherkennung. Als "informiert" definieren Mediziner eine Entscheidung dann, wenn sie ein Mensch bei klarem Verstand trifft, nachdem er wichtige Informationen zu den Vor- und Nachteilen aller Entscheidungsmöglichkeiten abgewogen hat. Zudem muss die Entscheidung mit den eigenen Überzeugungen übereinstimmen. Die Analyse der Gruppe jener Patienten, die nur allgemeine Informationen bekamen dagegen ergab: Nur 20 Prozent von ihnen trafen eine solche informierte Entscheidung.

Die Analyse zeigte zudem, dass die meisten Hochrisikopatienten sich tatsächlich für die Früherkennung entschieden. Insgesamt tendierten persönlich informierte Patienten allerdings eher als allgemein informierte dazu, nicht am Screening teilzunehmen. Die Cochrane-Autoren weisen darauf hin, dass die Ergebnisse vor allem für Brustkrebs- und Darmkrebs-Screeningprogramme gelten und vermutlich nicht zu verallgemeinern sind.

Erst vor kurzem war die Cochrane Collaboration selbst in die Kritik geraten, weil für eine Analyse des verfügbaren Wissens zur Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) ausgerechnet Wissenschaftler engagiert wurden, die im Auftrag der Hersteller an Zulassungsstudien für die Impfstoffe mitgearbeitet hatten. Die Autoren der aktuellen Untersuchung geben an, keine Interessenkonflikte zu haben, die Metaanalyse wurde aus Mitteln der Cochrane Collaboration bezahlt.

Cochrane Review: Gesichertes Wissen durch Analyse
Lesen Sie hier mehr über die Cochrane Collaboration: Was ist eine Metaanalyse, was verstehen Forscher unter evidenzbasierter Medizin und wie entsteht ein Cochrane Review?

dba

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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
Sevilla 01.03.2013
1. Darmspiegelung olé !
Zitat von sysopCorbisSoll ich wirklich zur Darmspiegelung? Krankenkassen laden Patienten regelmäßig zur Krebsvorsorge ein. Doch eine Analyse kommt jetzt zu dem Schluss, dass Patienten bessere Entscheidungen treffen, wenn sie ihr persönliches Risiko kennen - und auch verstehen. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/frueherkennung-beratung-fuer-vorsorge-hilft-patienten-bei-entscheidung-a-886039.html
Für alle Angsthasen! Bei einer Darmspiegelung ist nur das vorherige Leeren des Darm per Abführmittel etwas unangenehm, ich empfehle in der Nähe des Klos zu schlafen. Die Narkose war toll, so ein Schlafmittel wünschte ich mir öfter. Die Behandlung merkt man nicht, aber das gute Gefühl (bei negativem Befund) hält lange an.
janne2109 01.03.2013
2.
Patienten-- informiert Euch ebenfalls, es ist Eurer Körper
Mathesar 01.03.2013
3. ...Leider
Zitat von sysopCorbisSoll ich wirklich zur Darmspiegelung? Krankenkassen laden Patienten regelmäßig zur Krebsvorsorge ein. Doch eine Analyse kommt jetzt zu dem Schluss, dass Patienten bessere Entscheidungen treffen, wenn sie ihr persönliches Risiko kennen - und auch verstehen. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/frueherkennung-beratung-fuer-vorsorge-hilft-patienten-bei-entscheidung-a-886039.html
...fehlt auch in diesem Artikel mal wieder der Hinweis auf dei medizinischen Beratungshotlines der Krankenkassen. Die Telefonnummer findet man meistens auf dem Verischerungskärtchen oder sucht sie im Internet. Dort kann man mit einem Arzt sprechen, der einem auch über die Vor- und Nachteile aufklärt und sehr individuell auf einen eingeht.
tatjuscha 01.03.2013
4. Meine Erfahrung:
Nach meiner Erfahrung werben Ärzte aktiv für Untersuchungen, an denen sie was verdienen. Als Patient durchschaut man das zwar manchmal, ist aber dennoch ratlos.
singlesylvia 01.03.2013
5.
Zitat von SevillaFür alle Angsthasen! Bei einer Darmspiegelung ist nur das vorherige Leeren des Darm per Abführmittel etwas unangenehm, ich empfehle in der Nähe des Klos zu schlafen. Die Narkose war toll, so ein Schlafmittel wünschte ich mir öfter. Die Behandlung merkt man nicht, aber das gute Gefühl (bei negativem Befund) hält lange an.
Für alle Angsthasen: Bin über 55 und hatte letzten July meine Darmuntersuchung - ohne Narkose. Selbst ohne ist die Untersuchung angenehmer als die Abführmittelaktion die Tage davor, besonders wenn gegenüber der Pizzamann ein paar Mal vorfährt und psychoterrorartig Futterfantasien auslöst. Die Empfehlung mit Nähe zur Toilette kann ich nur unterstreichen, wobei plötzliche und unerwartete Attacken nicht auszuschließen sind und schon mal auf den Teppich gehen können. Die Untersuchung, wenn vom Fachmann gemacht, ohne Narkose und wenn man auißerdem auch noch etwas autogenes Training beherrscht, kitzelt etwas und tut weniger weh als die Blähungen durch die Abführmittel. Außerdem kann man dann auf dem Monitor zugucken; ich zumindest konnte es, war schon interessant, wann bekommt man schon mal live was von sich von innen zu sehen, ohne aufgeschnitten zu sein? Wann nimmt das schon mal jemand wörtlich, wenn man vom Arschkriecher spricht? Und wenn das nur alle 10 Jahre nötig ist, ist das'n Klacks. Das Frühstück hinterher hatte mir noch nie so gut geschmeckt.
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