Fruktoseunverträglichkeit: Nicht jedes Obst ist gleich gefährlich

Je nachdem wie ausgeprägt die Fruktoseunverträglichkeit ist, schrumpft der Speisezettel mehr oder weniger zusammen. Aber ein Vitaminmangel ist vermeidbar. Wer eine vererbte Fruktoseintoleranz hat, muss allerdings ganz auf den Fruchtzucker verzichten.

Honig: Besteht bis zu 30 Prozent aus Fruktose Zur Großansicht
DPA

Honig: Besteht bis zu 30 Prozent aus Fruktose

Ein Hinweis vorweg: Haben Sie den Verdacht, unter einer Fruktoseunverträglichkeit zu leiden, lassen Sie das von einem Arzt überprüfen. Dann gilt es, herauszufinden, bis zu welcher Grenze man Fruktose verträgt und wie der Speiseplan in Zukunft aussehen kann.

Wie wird eine Fruktoseunverträglichkeit nachgewiesen?

Ob eine Fruchtzuckerunverträglichkeit besteht, lässt sich mit einem Wasserstoffatemtest feststellen. Er weist den Wasserstoff nach, der entsteht, wenn Darmbakterien die Fruktose vergären. Vor der Messung trinkt der Patient etwa 25 bis 30 Gramm in Wasser gelösten Fruchtzucker. Einige Zeit später pustet er in regelmäßigen Abständen in ein Atemtestgerät. Wird Fruktose zu Wasserstoff und anderen Gasen vergärt, sollte das Gerät anschlagen.

"Es gibt allerdings auch sogenannte Non-Responder, die zwar Symptome bekommen, aber keinen Wasserstoff abatmen, so dass der Befund fälschlicherweise negativ ausfällt", sagt die Ernährungstherapeutin Imke Reese. Ganz wichtig: Nüchtern zum Test kommen, sich vorher nicht anstrengen, nicht rauchen und am Abend zuvor nur leicht Verdauliches essen. Ergibt der Wasserstoffatemtest, dass man an einer Unverträglichkeit leidet, muss man vorübergehend auf Fruchtzucker verzichten. Danach gilt es, die Menge an Fruktose in der Nahrung langsam zu erhöhen. Auf diese Weise kann man herausfinden, wo die individuelle Schwelle für Fruktose liegt.

Vitaminmangel muss nicht sein

Wer eine Fruktoseunverträglichkeit hat, muss sehr bewusst essen, möchte er sich nicht nach dem Essen vor Schmerzen krümmen. Dabei gilt es vor allem, auf fruchtzuckergesüßte Getränke und Nahrungsmittel zu verzichten. Die "schmerzlose Fruchtzuckermenge" sollte man möglichst in Form von fruktosearmen frischen Obst- und Gemüsesorten aufnehmen, um einen Vitamin- und Mineralstoffmangel zu vermeiden.

Fotostrecke

12  Bilder
Fruchtzucker: Fruktose: Welches Obst enthält wie viel Fruktose?
Am besten ist es, das Obst auf mehrere kleine Portionen über den Tag zu verteilen. Es gibt bei Früchten große Unterschiede beim Fruchtzuckergehalt. Trockenobst hat einen recht hohen Fruchtzuckeranteil - also besser meiden. Außerdem ist es ratsam, das Obst in Kombination mit ausreichend Fett und Eiweiß zu sich zu nehmen, zum Beispiel mit Quark oder Joghurt oder als Nachtisch nach einem reichhaltigen Essen. Dann ist die Darmaufnahme der Fruktose natürlich verlangsamt.

Verschiedener Fruktosegehalt und Süßungsmittel Sorbit

Jeweils 100 Gramm Avocado, Papaya, Zuckermelone, Honigmelone oder Aprikose enthalten unter einem Gramm Fruktose. Zwischen einem und vier Gramm Fruchtzucker je 100 Gramm Obst stecken in steigender Reihenfolge Pfirsich, Mandarine, Brombeere, Nektarine, Pflaumen, Himbeeren, Erdbeere, Grapefruit, Ananas, Orange, Wassermelone, Banane und Johannisbeere. Dann geht es steil bergauf: Stachelbeere, Heidelbeere, Kiwi, Sauerkirsche und Apfel liegen noch bei unter sechs Gramm Fruktose je 100 Gramm des jeweiligen Obstes. Die Süßkirsche hingegen enthält noch mehr Fruchtzucker, ebenso wie Birnen und Weintrauben.

Der Zuckeralkohol Sorbit - ein natürliches Abbauprodukt vom Fruchtzucker - kommt in unseren heimischen Früchten vor, wird aber auch künstlich hergestellt und Lebensmitteln als Süßungs- und Feuchthaltemittel zugesetzt. Er ist als Zusatzstoff E420 deklariert. Auch ihn sollten Betroffene möglichst sparsam einsetzen, da er den Fruktosetransport blockiert. Wird er nicht im Dünndarm aufgenommen, wandert er in den Dickdarm und wird dort vergärt - mit blähenden Folgen. Aufgepasst: Sorbit findet sich auch in Kaugummis und Bonbons sowie in ziemlich hohen Mengen in Pflaumen, Birnen, Aprikosen und Pfirsichen. Auch Äpfel enthalten etwas Sorbit.

Vererbte Fruktoseintoleranz kann lebensgefährlich sein

Ganz auf die Fruktose verzichten müssen all jene Menschen, die an einer sogenannten hereditären Fruktoseintoleranz leiden. Die Stoffwechselkrankheit trifft etwa 0,1 Prozent der Bevölkerung - das heißt etwa 80.000 Menschen hierzulande. Aufgrund eines Enzymdefekts reichert sich Fruktose-1-Phosphat in ihrer Darmwand, Leber und in den Nieren an und schädigt deren Funktion stark - mitunter mit lebensgefährlichen Folgen. Schon beim ersten Kontakt der betroffenen Säuglinge mit Fruktose treten Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen auf. Diese Symptome gilt es richtig zu deuten, dann hilft nur eines: Fruktose komplett meiden. Das betrifft auch alle Zuckerarten mit Fruktosemolekülen.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. muss ich jetzt sterben wenn ich
ratschbumm 16.02.2013
Zitat von sysopDPAJe nachdem wie ausgeprägt die Fruktoseunverträglichkeit ist, schrumpft der Speisezettel mehr oder weniger zusammen. Aber ein Vitaminmangel ist vermeidbar. Wer eine vererbte Fruktoseintoleranz hat, muss allerdings ganz auf den Fruchtzucker verzichten. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/fruktoseunvertraeglichkeit-was-kann-man-noch-essen-a-882036.html
täglich ein Kilo Äpfel esse ? Bitte bitte nicht.
2. Laienhafter Unsinn..
doc 123 16.02.2013
Zitat von sysopDPAJe nachdem wie ausgeprägt die Fruktoseunverträglichkeit ist, schrumpft der Speisezettel mehr oder weniger zusammen. Aber ein Vitaminmangel ist vermeidbar. Wer eine vererbte Fruktoseintoleranz hat, muss allerdings ganz auf den Fruchtzucker verzichten. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/fruktoseunvertraeglichkeit-was-kann-man-noch-essen-a-882036.html
"Vor der Messung trinkt der Patient etwa 25 bis 30 Gramm in Wasser gelösten Fruchtzucker. " Die Testung mit 25 bis teils sogar 50 gr Fruktose ist viel zu hoch gewählt, da häufig genug ganz gesunde Menschen dann positiv getestet werden. Sinnvoll wäre eine Testung mit 5 g und dann in aufsteigender Menge, um tatsächlich Menschen zu erwischen, die auch kleine Mengen Fruchtzucker nicht vertragen; hier ist der Artikel auch falsch, wenn eine Testung Sinn machen würde, müsste man bei der Testmenge niedrig beginnen und nicht mit geradezu Höchstmengen. Ansonsten kann man natürlich UND das mach überhaupt Sinn, sich selbst entspechend provozieren. Jeder normale Mensch kann nach einem halben Liter Apfelsaft (was ca. den 25 g Fruktose entspricht) auf nüchternen Magen Durchfall bekommen oder bei Genuss größerer Mengen Pflaumen und geichzeitiger Flüssigkeitszufuhr Magenbeschwerden, wovor selbst meine Großmutter schon gewarnt hat. Wer ein Glas Apfesaft auf nüchternen Magen verträgt, hat jedenfalls sicherlich keine Fruktoseintoleranz. Jedoch werden diese Testungen mit den kleinen Mengen erst von den überwiegend ignoranten Kollege erst gar nicht durchgefüht, da keine positiven Befunde und enttäuschte Patienten. Wer ernsthafte Probleme hat sollte jedenfalls einen großen Bogen um die Ärzte machen, die diesen vollständig absurden "Wasserstoffatemtest" anbieten. Bei den tatsächlich häufigst auftretenden Magen-Darm-Problemen ist jedoch die Fruktoseintoleranz oder besser -malabsortion als Ursache nahezu sicher zu vernachlässigen, wird jedoch von sehr vielen Patiente als Diagnose gerne angenommen. Allergen Fruktoseintoleranz Allergie fruktosemalabsorption Allergologie (http://www.alles-zur-allergologie.de/Allergologie/Artikel/3770/Fruktoseintoleranz/Fruktosemalabsorption.html)
3. Marketing für Ärzte und/oder Pharmaindustrie ?
Bugabuga 16.02.2013
Nach dem die armen Pseudo-Patienten - dank reichlicher Blutwertbestimmungen, die ja so billig sind - zwischenzeitlich alle sich fast nur noch von Obst und Gemüse ernähren, Fette meiden wie Dracula den Knoblauch, ob gesättigt oder ungesättigt, entdeckt die hehre medizinische Wissenschaft auf einmal allzu plötzlich dass der Genuss von Obst in jeder Form ungesund ist, wenn nicht sogar lebensgefährlich. Los geht der Selbstmordversuch schon ab einem Apfel, man staune. Also nicht nur der Mißbrauch durch übertriebene Menge, sondern eigentlich ab der ersten Einheit. Wer hat denn da ein Buch geschrieben, dem man zu Umsatz verhelfen muss? Wer hat die Studien angestoßen. Ach, u.a. die Uni Zürich? Na, soweit ist Basel auch wieder nicht. Was mich am meisten ärgert, dass hier gleich zu Beginn (Platz 2, 1 hat er nicht geschafft, da hat blöder Weise ein anderer zwischen gefunkt) einer eine Anzeige als Kommentar veröffentlichen durfte (sonst wird doch jeder Furz abgelehnt). Der Gipfel: und wer ist schuld an der ganzen Aufregung. Klar doch, wir die Patienten.
4. wieso falsch
rebound68 16.02.2013
@ doc 123 wieso soll der Artikel falsch sein? Es wir genauso verfahren, ich habe es selbst so erlebt: eine hohe Dosis Fruchtzucker in klauwarmen wasser gelöst trinken und dann über drei Stunden hinweg atemröhrchen füllen... Mag sein, dass das medizinisch nicht sinnvoll ist, aber es wird so verfahren, daher denke ich, mit Verlaub, Sie bellen den falschen Baum an...
5. Falsch ist doch wohl....
doc 123 16.02.2013
... was absurd und unsinnig ist, trotzdem es derzeitig so gehandhabt wird. Die Masse meiner Patienten will sich dann doch nicht "verarschen" lassen, wenn ich sie einmal aufgeklärt habe.... Und für mich ist dies mittlerweile auch ganz einfach, wenn ich bei so ziemlich allen Themen, genau das gegenteil behaupte, liege ich immer richtig und ich habe dafür immer ein paar sehr sehr gute Argumente. Ich habe mal ein paar Jährchen zuvor ganz ganz ausführlich über dieses Thema aufgeklärt und stehe an der Spitze der Google-Resultate, sorry, dass ich als regelmäßiger SPON-Forist, das so einfach nicht stehen lassen kann, trotzdem mal gerade wieder einer meiner Beiträge zu Frau Wulff entfernt wurde... Allergen Fruktoseintoleranz Allergie fruktosemalabsorption Allergologie (http://www.alles-zur-allergologie.de/Allergologie/Artikel/3770/Fruktoseintoleranz/Fruktosemalabsorption.html)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Gesundheit
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Diagnose & Therapie
RSS
alles zum Thema Ernährung
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 13 Kommentare
Gesundheit auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel: