WM-Vorrunde Deutsche Elf spielt in Dengue-Risikogebieten

Ausgerechnet zur Fußball-WM steigt im Nordosten Brasiliens die Dengue-Gefahr. Das zeigen aktuelle Berechnungen zu der potenziell tödlichen Krankheit. Im Risikogebiet finden auch die deutschen Vorrundenspiele statt.

Die Mücke Stegomyia aegypti: Trägt das Dengue-Virus von Mensch zu Mensch
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Die Mücke Stegomyia aegypti: Trägt das Dengue-Virus von Mensch zu Mensch

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Sie wollen tanzen, sie wollen feiern, und sie wollen vor allem Fußball schauen: Mehr als eine Million Gäste erwartet Brasilien im Juni und Juli zur Fußball-WM. Bei ihrem Besuch sollten sich Fans und Spieler jedoch vor einer kleinen, getigerten Mücke hüten. Stegomyia aegypti, die ägyptische Tigermücke, ist einer der Hauptüberträger des in Brasilien weitverbreiteten Dengue-Virus.

Bereits Ende letzten Jahres hatten Forscher der britischen Oxford University anhand früherer Krankheitsfälle das Risiko abgeschätzt, sich während der WM-Zeit mit dem Virus zu infizieren. Dabei warnten sie vor allem vor den Spielstätten im Nordosten Brasiliens, in denen auch die deutsche Nationalelf ihre Vorrundenspiele bestreiten wird. Jetzt untermauert ein Frühwarnsystem die Bedenken.

Für ihre Studie kombinierte ein Forscherteam um Rachel Lowe vom Catalan Institute of Climate Sciences in Barcelona aktuelle Wettervorhersagen mit Informationen unter anderem zur Bevölkerungsdichte und zu Abwassersystemen. Auf diese Weise erschufen sie ein mathematisches Modell, das regional sehr präzise - die Forscher teilten Brasilien in mehr als 500 Gebiete ein - auf eine drohende Dengue-Epidemie hinweisen kann.

Entwarnung für den Süden und das Zentrum

Was die Spielstätten im Süden und Zentrum Brasiliens angeht, konnten die Forscher für die Zeit der Fußball-WM Entwarnung geben. Das Risiko, sich etwa in São Paulo oder Porte Alegre mit dem Virus zu infizieren, sei gering, schreiben die Forscher in ihrer Studie im Medizinjournal "The Lancet Infectional Diseases". Eine leicht erhöhte Gefahr attestierten sie hingegen Rio de Janeiro, Belo Horizonte, Manaus sowie Salvador, das zu den drei Spielstätten der deutschen Vorrunde zählt.

Das höchste Risiko aber errechneten die Forscher neben Natal für die Städte Fortaleza und Recife, in denen die weiteren Vorrundenspiele der Deutschen stattfinden. "In Hinsicht auf das Dengue-Risiko hatten die Deutschen mit der Auswahl ihrer ersten Spielorte ziemliches Pech", sagt Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Virusdiagnostik am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). Auch das Mannschaftsquartier der Nationalmannschaft liegt laut den Berechnungen im Risikogebiet.

Durch die Kombination aus Klimadaten und Humandaten sind die Ergebnisse des jetzt entwickelten Frühwarnsystems schon sehr präzise. Allerdings fehlen bisher noch Daten dazu, in welchen Regionen Brasiliens besonders viele und vor allem besonders viele infizierte Mücken leben. Diese Wissenslücke soll ein aktuelles Projekt schließen, das durch das Auswärtige Amt gefördert wird und an dem auch das Bernhard-Nocht-Institut beteiligt ist.

Im Januar erst untersuchte ein Team um Schmidt-Chanasit Mücken in der Gegend um das Stadion bei Salvador auf Infektionen. "Dabei sind wir auf kritische Werte gestoßen", sagt Schmidt-Chanasit. Der Experte rät den deutschen Fans dazu, sich an den ersten drei Spielorten nicht zu lange aufzuhalten. "Durch die Bautätigkeiten für die WM finden die Mücken auch besonders viele Brutgebiete", so Schmidt-Chanasit.

Verschobene Dengue-Saison

Das im Juni erhöhte Dengue-Risiko war so bei den WM-Planungen vor Jahren noch nicht absehbar. In einem Durchschnittsjahr findet die jährliche Dengue-Epidemie Ende des brasilianischen Sommers im April oder Mai ihren Höhepunkt. "Dieses Jahr war der Sommer allerdings sehr heiß und trocken", sagt Schmidt-Chanasit. "Die Daten weisen darauf hin, dass sich der Gipfel deshalb für die WM ungünstig vor allem im Nordosten in Richtung Juni verschiebt."

Infizieren sich Fans mit dem Virus, besteht neben den unangenehmen Folgen für ihre Gesundheit noch ein weiteres Risiko nach der Rückreise. "Die Tigermücke ist hierzulande mittlerweile im Süden und Südwesten heimisch geworden", sagt Schmidt-Chanasit. Noch wurden in Deutschland zwar keine infizierten Mücken entdeckt, es kann jedoch sein, dass infizierte Reiserückkehrer das Virus auf die Tiere übertragen - das gilt auch für Reisende aus anderen Risikogebieten wie Thailand.

Eine Dengue-Infektion führt zu einer fieberhaften Erkrankung mit Kopf- und Gliederschmerzen. Der Krankheitsverlauf ist häufig harmlos, Tropenmediziner gehen davon aus, dass viele Urlaubsrückkehrer die Krankheit gar nicht erkennen. Zum Teil kann es allerdings auch zu schweren, tödlichen Krankheitsverläufen mit zahlreichen Blutungen und Kreislaufversagen kommen. Dies ist vor allem bei wiederholten Infektionen der Fall und trifft in erster Linie Kinder, die in den betroffenen Gebieten leben.

TROPENKRANKHEITEN - UNERWÜNSCHTES REISESOUVENIR

insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
kuac 17.05.2014
1.
Dann sollten die Spieler lieber Zuhause bleiben und auf die Autobahn fahren. Da ist es am sichersten.
Okello 17.05.2014
2. Gefahren
Wie groß ist die Dengue Gefahr verglichen mit einem potentiell tödlichen Verkehrsunfall? Überfall? Anschlag? Partyexzeß?
Jabagrafs 17.05.2014
3. Das muss man sich mal vorstellen, was die leisten müssen!
Die ungewohnte Hitze, dazu hohe Luftfeuchtigkeit und jetzt auch noch der Angstschweiss vor Dengue... Und dann sollen die ja auch noch spielen! Meinen höchsten Respekt haben die jetzt schon. Verdienen die wenigstens genug für diese übermenschliche Leistung?
norman.schnalzger 17.05.2014
4. Darum
ab nach Katar:-) :-)
kabian 17.05.2014
5. Sonst noch Sorgen?
Zitat von JabagrafsDie ungewohnte Hitze, dazu hohe Luftfeuchtigkeit und jetzt auch noch der Angstschweiss vor Dengue... Und dann sollen die ja auch noch spielen! Meinen höchsten Respekt haben die jetzt schon. Verdienen die wenigstens genug für diese übermenschliche Leistung?
Ich hoffe das war Satire von ihnen. Genauso wie dieser Artikel. Was ist wenn ein Komet ins Stadion einschlägt? Oder ein Blitz? Oder ein Supervulkan ausbricht? Spon bewegt sich auf sehr dünnen Eis. Ach übrigens, welche schlagzeile hat den die Bildzeitung. Nur mal zum Vergleich.
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