Fußreflexzonenmassage Unten drücken, oben spüren

Nacken verspannt? Ein Druck auf den großen Zeh kann helfen: Die Fußreflexzonenmassage soll Schmerzen lindern, die Durchblutung fördern und die Selbstheilungskräfte anregen. Manche Ärzte nutzen die wohltuenden Effekte auch bei der Behandlung von Kranken.

Von

Fußreflexzonenmassage: Einige Ärzte setzen auf ihren wohltuenden und schmerzlindernden Effekt
DPA

Fußreflexzonenmassage: Einige Ärzte setzen auf ihren wohltuenden und schmerzlindernden Effekt


Aua, das hat wehgetan. "Aha", meint die Physiotherapeutin und drückt noch mal. "Haben Sie derzeit Rückenprobleme?" Bingo. Damit hat sie ins Schwarze getroffen. Offenbar verrät der Fuß, was sich sehr viel weiter oben abspielt - zumindest wenn man Erfahrungsberichten glaubt.

Die Fußreflexzonenmassage basiert auf der Annahme, dass jedes Organ, jeder Muskel und Knochen über Reflexbahnen mit unseren Füßen in Wechselbeziehung steht. Demnach sind die einzelnen Reflexzonen auf den Fußsohlen bestimmten Organen und bestimmtem Gewebe zugeordnet: Das Gehirn steht etwa mit einer Stelle am großen Zeh in Verbindung, die Hormondrüsen mit der Ferse.

Der Therapeut setzt mit den Fingern an diesen Reflexzonen an, massiert und drückt sie - und übt auf diese Weise Reize aus. Die sollen auf das jeweils zugehörige Organ positiv einwirken: dessen Durchblutung steigern, die Selbstheilungskräfte anregen und so die Erkrankung lindern. Schmerzt eine Zone am Fuß, lässt das der Theorie zufolge gewisse Rückschlüsse auf das Befinden des zugehörigen Organs zu.

Doch wissenschaftlich bewiesen ist die Existenz der Fußreflexzonen nicht. "Es gibt keinerlei anatomische Belege dafür", sagt Andreas Michalsen, Professor für Naturheilkunde an der Berliner Charité. "Deshalb sprechen wir auch nur von einer Fußmassage statt von einer Fußreflexzonentherapie."

Die wohltuende Wirkung ist unstrittig

Gleichwohl gibt es eine Vielzahl von Erfahrungsberichten über positive Effekte der Fußreflexzonentherapie. "Die Fußmassage begeistert auch unsere Patienten sehr", erzählt Michalsen. Und er räumt ein, dass er durchaus glaubt, dass Fernwirkungen bestünden. Allerdings denkt er dabei mehr an durchblutungsfördernde Effekte.

Rechte Fußsohle Linke Fußsohle

Kopfhöhlen
Kopf
Nacken und Hals
Augen
Ohren
Wirbelsäule
Herz
Schilddrüse
Lunge und Bronchien
Schultern und Arme
Zwerchfell
Magen
Leber
Milz
Nieren
Dickdarm
Blase
Harnleiter
Ischiasgegend
Hüfte und Kniegelenke
Steißbein

Quelle: AOK/Vigo

Unstrittig ist die Tatsache, dass die Druckpunktmassage das Wohlbefinden steigert. An den Füßen befinden sich sehr viele Nervenrezeptoren. "Ein Reiz an den Füßen wird bereits von daher als sehr wohltuend empfunden. Eine angstlösende, beruhigende und müde machende Wirkung haben einige kleinere Studien festgestellt", sagt der Berliner Mediziner.

Michalsen setzt die Fußmassage deshalb bei Krebspatienten, bei ängstlichen und unruhigen Patienten sowie bei Patienten mit einer Erkrankung des peripheren Nervensystems ein. Bei Letzteren soll es die Regeneration der Nerven anregen. Bei Rheuma und Weichteilrheuma nutzt Michalsen den schmerzlindernden Effekt der Fußmassage auf den ganzen Körper.

2006 fand eine Doktorandin vom Kompetenzzentrum für Naturheilkunde des Universitätsklinikums Jena Hinweise darauf, dass die Massage Schmerzen lindern und die Beweglichkeit des Kniegelenks steigern kann. 30 Probanden mit Kniearthrose unterzogen sich über sechs Wochen zweimal wöchentlich einer Fußreflexzonenmassage. Das Ergebnis: Lokale Beschwerden, Steifigkeit und Ruheschmerz verringerten sich um 60 Prozent. Die Beweglichkeit des Gelenks steigerte sich um etwa zwölf Grad. Und dies, obwohl keine Bewegungstherapie durchgeführt wurde. Der Ruheschmerz war zwei Monate nach der Behandlung sogar ganz weg. Spätere Kontrolltermine gab es in dieser kleinen Studie allerdings nicht. Wie lange der Effekt anhält, ist also unklar.

Menschliche Zuwendung spielt entscheidende Rolle

Die starke Schmerzlinderung überrascht Doreen Jaenichen, Leiterin der Ambulanz für Naturheilkunde und Integrative Onkologie am Universitätsklinikum Jena, nicht. "Eine wichtige Rolle hierbei dürfte zusätzlich zu anderen Effekten die menschliche Zuwendung und sanfte Berührung durch den Therapeuten zweimal wöchentlich spielen", sagt Jaenichen.

Die frühere und inzwischen verstorbene Leiterin des Jenaer Kompetenzzentrums, Christine Uhlemann, die die Studie betreute, stellte die Hypothese auf, dass die verbesserte Beweglichkeit unter anderem auf einer Reizung der sogenannten Propriorezeptoren beruht. Sie sind an den Füßen in besonders hoher Dichte präsent. Ihre Aufgabe ist es, die Stellung des menschlichen Körpers im Raum an das Gehirn weiterzuleiten. Das Gehirn verarbeitet diese Informationen und veranlasst geeignete Veränderungen der Muskelspannung.

Uhlemann glaubte weniger an Nervenverbindungen zwischen Fußreflexzonen und Organen, wie das für die Reflexzonen am Rücken eindeutig belegt ist - sondern an Verbindungen über Faszien. Diese gehören zum Bindegewebe, umhüllen Organe, Muskeln und Muskelgruppen und haben Stütz- und Verbindungsfunktionen. Auch Michalsen kann sich gut vorstellen, dass eine Fernwirkung zwischen den Füßen und den Organen über Faszien möglich ist. Aber dass eine genaue Einteilung der Füße in Zonen möglich sein soll, bezweifelt er.

Dennoch: Wer keine Krampfadern an den Füßen und keinen diabetischen Fuß hat, kann sich eine wohltuende Fußreflexzonenmassage durchaus gönnen. Pro Behandlung, die etwa 30 bis 40 Minuten dauert, ist mit 25 bis 40 Euro zu rechnen.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 130 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
pscholten 22.11.2013
1. Mehr Infos zu gesunden Füssen
... und wie sie auf den Rest des Körpers wirken hier : http://www.senmotic-barfussschuhe.de/2013/10/08/happy-feet-das-kultbuch-zum-thema-füße-neu-aufgelegt/ Daneben hat auch Richtiges Gehen im Ballengang sehr positive Effekte auf den gesamten Körper. So geht's : http://www.senmotic-barfussschuhe.de/2013/10/21/video-kurs-zum-ballengang/ Fussreflexzonenmassage hausegemacht ;)
phthalo 22.11.2013
2. Placebo
Placeboeffekte sind wohl der wichtigste Nutzen solch einer Massage (und damit sicher nicht zu vernachlässigen). Aber ich behaupte mal ganz kühn, dass jemand der nur vorgibt diese Massage zu behrrschen aber in Wirklichkeit ganz andere Druckpunkte massiert, den selben Effekt erzielen wird wie jemand, der sich damit "auskennt". Witziger weise bilden die Druckpunkte von unten nach oben genau den menschlichen Körper ab (von unten nach oben - vom Kopf angefangen, der am großen Zeh liegt) und dem langen Darm entspricht ein langer Druckpunkt. Naja - wer's glaubt .... Nur die Füße selbst fehlen bei den Druckpunkten. Aber unbestritten ist sicher ein großes Wohlfühlen bei einer Fußmassage - egal wo gedrückt wird - und das heilt ja auch schon.
Shantam 22.11.2013
3. Wissenschaftsglaube ?
Ist es eigentlich Wissenschaftlich schon mal untersucht worden, ob Wissenschaftliche Untersuchungen überhaupt Sinn machen? Bis jetzt wohl nicht, oder? Diese oftmals dämlichen Untersuchungen haben unseren Planeten nicht schöner, sauberer und friedlicher gemacht. Eigenartiger Weise sind auch immer nur die Studien publik gemacht worden die im Endeffekt der Wirtschaft mehr Geld eingebracht haben! Bayer, Höchst und Co hat's erfreut! Ach ja, Autofahrende Frauen sind ja auch "Schuld" daran das Männer Schwul werden! Wissenschaftlich bewiesen :-)
fatherted98 22.11.2013
4. Wieder mal...
..so ein Schwachfugs-Artikel. Massagen gegen Krankheiten? Was kommt als nächstes SPON...Geisterbeschwörung um Mitternacht auf dem Friedhof...Warzen weg durch Besprechen? Schlimm genug das so viele Menschen daran glauben das ihnen kleine Traubenzuckerkügelchen ohne Inhalt bei Krankheiten helfen...jetzt also auch noch die Massage gegen Krebs und Grippe....mal sehn was der Gesundheitsesoteriker von SPON als nächstes vorhat.
wolfi1957 22.11.2013
5. Massage
Erstaunlich immer wieder was manche Lallköpfe alles wissen oder meinen zu wissen
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.