G20-Vorbereitung in Hamburg Kliniken stocken Blutkonserven-Vorräte auf

20.000 Polizisten, Zehntausende Demonstranten, nervöse Leibwächter: Der G20-Gipfel ist ein einziges großes Sicherheitsrisiko - und Hamburgs Krankenhäuser rüsten sich für den Ernstfall.

Eingang des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf
AFP

Eingang des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf


Wer derzeit in Hamburg Gespräche in der U-Bahn belauscht, hört vor allem von Schreckensszenarien. Straßensperren, knatternden Hubschraubern und Autonomen, die sich Straßenschlachten mit der Polizei liefern. Ganz unrealistisch ist das nicht.

Rund um den G20-Gipfel vom 7. bis zum 8. Juli könnten sich erstmals seit Langem militante Linke aus ganz Europa versammeln. Die Polizei warnt vor Ausschreitungen. Hinzu kommen türkische Linksextremisten, PKK-Anhänger und mögliche islamistische Attentäter, die unwägbare Gefahren darstellen.

Alle hoffen, dass Hamburg Szenen wie beim G8-Gipfel in Genua mit Hunderten Verletzten oder gar Todesfälle erspart bleiben. Trotzdem bereiten sich die Krankenhäuser auf mögliche Krawalle vor.

Wie ist die medizinische Versorgung in Hamburg?

Zumindest in dieser Hinsicht ist es ein Vorteil, dass sich Regierungschefs, Polizisten und Demonstranten in einer Großstadt versammeln. In Hamburg kommen auf 100.000 Einwohner 699 Krankenhausbetten, eine dichtere Versorgung hat unter allen deutschen Bundesländern nur Bremen.

Über das Stadtgebiet sind 31 Kliniken verteilt, die Betten für mehr als 10.000 Patienten bereithalten.

Bereiten sich die Kliniken speziell auf den G20-Gipfel vor?

Ja, das tun sie. "Insbesondere unsere zentral in der Innenstadt gelegene Klinik St. Georg hat sich intensiv auf mögliche Notaufnahmen vorbereitet", schreibt Mathias Eberenz, Sprecher der Asklepios Kliniken. Dies sei Standard bei Großveranstaltungen, zu denen in Hamburg zum Beispiel auch der Hafengeburtstag mit mehr als einer Million Besuchern zählt. Selbst bei Wetterlagen wie Glatteis sei eine solche Vorbereitung notwendig.

"Die Klinik kümmert sich dann zum Beispiel um doppelte Dienstbesetzungen", schreibt Eberenz. "Für den G20-Gipfel wird es auch eine besondere Bevorratung von Notfallmedikamenten und Blutkonserven geben." Darüber hinaus seien die Chefärzte der Anästhesie, Chirurgie und Unfallchirurgie zu besonderen Schulungen über Notfallversorgung in Katastrophensituationen geschickt worden.

Auch das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) bereitet sich auf den G20-Gipfel vor, wie Saskia Lemm, Pressesprecherin der Klinik, schreibt. Dies geschehe bei allen anstehenden Großereignissen. Angepasst würden vor allem die Dienst- und Kapazitätsplanungen in den Kliniken sowie in der Zentralen Notaufnahme.

Um schnell reagieren zu können, verfügt das UKE über Alarm- und Einsatzpläne, die verschiedene Szenarien umfassen. "Darin ist unter anderem geregelt, wie diejenigen Kräfte ins UKE einberufen werden, die in dem speziellen Krisenfall am dringendsten benötigt werden."

Werden Katastrophen auch trainiert?

Ja, das werden sie. Neben den Akutvorbereitungen verweisen die Sprecher beider Kliniken auf unangekündigte Notfallübungen, bei denen Ärzte und Pfleger die Reaktion auf eine Katastrophe mit vielen Verletzten trainieren.

Die Übungen folgen einem Drehbuch, bei dem sich zu Beginn die Feuerwehr auf dem "Roten Telefon" der Krankenhäuser meldet. Anschließend werden die Verletzten - bei den Übungen Schauspieler - in engen Abständen und zum Teil mit Großraumrettungswagen oder Hubschraubern in die Notaufnahmen eingeliefert. Um Fehler zu erkennen und aufzuarbeiten, beobachten Prüfer, wie Ärzte und Pfleger auf die Notfallsituation reagieren.

Zu den Aufgaben der Ärzte gehört es unter anderem, die ankommenden Patienten schnell je nach Stärke ihrer Verletzungen verschiedenen Kategorien zuzuordnen - von lebensgefährlich verletzt bis hin zu leichten Blessuren. Außerdem müssen alle ankommenden Patienten registriert werden, damit sie für Angehörige auffindbar sind. Auch das ist Teil der Übungen: Fiktive Angehörige erkundigen sich nach Vermissten, erfundene Pressevertreter rufen an und fragen nach Details.

Bei den fiktiven Katastrophen der vergangenen Jahre kam es zu Bränden, Massenkarambolagen und Massenpaniken, oft mit 200 Verletzten, zum Teil auch mit Kontaminationen nach Laborunfällen. Bleibt zu hoffen, dass die Ärzte ihr Wissen nicht anwenden müssen.

irb



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