Frauen ab 35 Kassen zahlen Krebsabstrich nur noch alle drei Jahre

Frauen ab 35 Jahren haben bald nur noch alle drei Jahre ein Anrecht auf einen Krebsabstrich beim Frauenarzt. Dafür kommt ein weiterer Test hinzu.

Patientin beim Gynäkologen
Monique Wüstenhagen/ TMN

Patientin beim Gynäkologen


Jede Frau sollte einmal im Jahr zum Frauenarzt gehen. Dort wird unter anderem am Muttermund ein Abstrich entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. "Seit diese Untersuchung von den Krankenkassen bezahlt wird, erkranken rund 75 Prozent weniger Frauen an Gebärmutterhalskrebs", erklärt der Gynäkologe Joachim Neis aus Saarbrücken.

Trotz des Erfolgs soll die Früherkennung für Frauen ab 35 Jahren verändert werden. Statt in jedem Jahr sollen die Betroffenen nur noch alle drei Jahre mit einem solchen Pap-Test auf Gebärmutterhalskrebs untersucht werden - dafür kommt für sie ein Test auf Humane Papillom Viren (HPV) hinzu.

Humane Papillom Viren

90 Prozent der weltweiten Gebärmutterhalskrebserkrankungen werden von HPV verursacht. Auf genau diese Viren kann man seit einigen Jahren testen. Den HPV-Test bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen bisher aber nur, wenn der Abstrich einen sehr auffälligen Befund gezeigt hat. Das soll sich für Frauen ab 35 nun ändern. Sie bekommen den HPV-Test zusätzlich zu dem herkömmlichen Pap-Test kostenlos. Dafür wird nicht mehr jedes Jahr auf Gebärmutterhalskrebs getestet, sondern nur noch alle drei Jahre.

Die Frauen können aber weiterhin auf Kosten der Krankenkasse einmal jährlich zur Routineuntersuchung beim Frauenarzt gehen. Dabei wird die Brust abgetastet und die Eierstöcke sowie die Gebärmutter werden untersucht. Es wird nur kein Krebsabstrich mehr gemacht.

Warum betrifft das nur Frauen nach dem 35. Geburtstag?

"Jüngere Frauen stecken sich recht häufig mit HPV an - der Körper wehrt die Viren aber meist erfolgreich wieder ab", erklärt Neis. Ein positiver Test würde sie nur unnötig verunsichern. Bei diesen Frauen bleibt deswegen alles wie zuvor. Sie erhalten auch weiterhin jedes Jahr einen Pap-Test, einen HPV-Test aber müssen sie in der Regel selbst zahlen.

"Frauen im mittleren Alter stecken sich viel seltener mit HPV an - auch, weil sie dann häufig einen festen Partner haben", sagt Neis. Weist der Test bei diesen Frauen Viren nach, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich um eine Infektion handelt, die nicht von allein heilt. "Gebärmutterhalskarzinome entstehen meist sehr, sehr langsam", erläutert Neis. Deswegen genügten aus Sicht der Gynäkologen die Tests alle drei Jahre.

Neis war an der Ausarbeitung der neuen Richtlinie beteiligt und hat das Screening-Programm auf dem Frauenärztekongress Foko in Düsseldorf vorgestellt. Die Neuerung wurde bereits vom Gemeinsamen Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen beschlossen. Sie soll umgesetzt werden, sobald das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) einen Patienten-Flyer dazu erstellt hat. Außerdem soll der Nutzen des neuen Programms von Anfang an überwacht werden. Ein entsprechendes Monitoring wird gerade erarbeitet.

koe/dpa



insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
heikef 09.03.2017
1. Sparen wo es nur geht
Es ist schon traurig zuzusehen das die Krankenkassen immer mehr einnehmen und der Gesellschaft immer mehr Leistungen gekürzt werden.
viwaldi 09.03.2017
2. Lesen bildet
Zitat von heikefEs ist schon traurig zuzusehen das die Krankenkassen immer mehr einnehmen und der Gesellschaft immer mehr Leistungen gekürzt werden.
Ab 35 ist der HPV-Test (molekularpathologisch) damit kostenfrei. Er macht den jährlichen Screening-Abstrich überflüssig und ist aussagekräftiger. So ist es nun mal, das Bessere ist der Feind des Guten.
JaguarCat 09.03.2017
3. Genauere Leistung
Hier wird doch keine Leistung gekürzt, sondern eine Leistung verbessert. Der viel genauere Test auf (aktive) HPV-Viren und Abstrich reicht eben alle drei Jahre, da muss man nicht die Frauen jedes Jahr mit Bammel zum Frauenarzt schicken. Ist doch ein Fortschritt!
postit2012 09.03.2017
4. Man hat schon vor Jahrzehnten davon gesprochen,
dass das 1-Jahresintervall eher zu eng ist und nicht besonders viel nützt. Insofern wundert man sich eher drüber, dass dies so lange gedauert hat.
icke74 09.03.2017
5. Meist meist
Meist wehrt sich der Körper... Meist wächst ein Gebärmutterhalstumor langsam... Ich kannte eine ehemals 29jährige mit Gebärmutterhalskrebs... Wir werden sehen, wie sich diese Neuerung in der Statistik niederschlägt. Wie hoch sind die wirtschaftlichen Einsparungen für die GKV?
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