Schimmelsporen Die unsichtbare Gefahr

Gebäudeschimmel ist gesundheitsschädlich, richtig. Die Sporen in der Luft lassen aber auch viel Raum, um sich in mögliche Risiken reinzusteigern, schreibt Kolumnist Frederik Jötten. Manche Menschen bringen sogar Topfpflanzen in Sicherheit!

Wandschimmel: Die Sporen können Lungenerkrankungen hervorrufen
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Wandschimmel: Die Sporen können Lungenerkrankungen hervorrufen


Als Julia mit ihren Pflanzen auf dem Arm in meinem Zimmer stand, war ich der Meinung, dass sie es langsam zu weit trieb. "Ich kann sie nicht allein im Schimmel zurück lassen", sagte sie und ihre Stimme klang, als ginge es um Kinder und nicht um zwei Topfpflanzen.

Drei Wochen zuvor hatte es in ihr Zimmer geregnet, eine undichte Stelle im Dach. In der Tapete an der Unterseite des Fenstersturzes hatte sich eine Wasserblase gebildet. Julia filmte, ich stach mit einem Messer in die aufgeblähte Raufaser - und heraus kamen 250 Milliliter Wasser, aufgefangen im Messbecher. Das war die Menge, die die Wand nicht mehr aufnehmen konnte, sie war durch und durch nass, die Tapete wellte sich an der Decke - und an einer Stelle war ein schwarzer Fleck so groß wie Zwei-Euro-Stück, der Horror in jeder Wohnung: Schimmel!

"Der Schimmel macht mich kaputt"

Wir ließen ihn an Ort und Stelle, als Beweismittel quasi und informierten unseren Vermieter, der erst im Urlaub war. Dann versprach er, sich zu kümmern. Erst schickte er Handwerker aufs Dach, doch beim nächsten Regen waren wieder Wassertropfen an der Decke. Der Dachdecker wurde wieder bestellt, die Angelegenheit zog sich hin.

Seit der Entdeckung des Schimmels ging es drastisch bergab mit Julia. Zwar war die Stelle direkt am Fenster und sie schlief jetzt im Durchzug, doch ihre Beschwerden häuften sich. Brennende Augen, Niedergeschlagenheit, schließlich Schnupfen. "Der Schimmel macht mich kaputt", sagte sie nach zwei Wochen. Ich versuchte, sie zu beruhigen. "Wenn jetzt ein Quadratmeter verschimmelt wäre, könnte ich mir vorstellen, dass das gesundheitsschädlich wäre", sagte ich. "Aber dieser kleine Fleck bestimmt nicht, bei ständigem Luftaustausch durch zwei Fenster - es riecht noch nicht einmal nach Schimmel."

"Ich habe doch schon Schnupfen und Husten!", zischte sie.

"Aber das ist doch eine normale Atemwegsinfektion - wahrscheinlich war es einfach zu kalt mit den beiden geöffneten Fenstern."

"Du verharmlost den Schimmel. Ich ziehe aus - sofort!"

Sie hatte sich eine Wohnung zur Zwischenmiete besorgt, zwei Tage später stand sie also mit ihren Topfpflanzen in meinem Zimmer und wollte, dass ich diesen Asyl gäbe.

"Das sind Pflanzen", sagte ich. "Die Erde, in der sie wachsen, ist voller Schimmel, das ist Natur!"

"Ja aber, die sind andere Arten von Schimmel gewöhnt - nicht den schwarzen Hausschimmel!"

"Selbst wenn - wie sollen ein paar Schimmelsporen, die eventuell durch die Gegend fliegen, die Pflanze vergiften?"

Putz runter, trocknen, gut ist

Am Ende kam ich nicht an gegen die Angst vor dem Schimmel. Julia stellte die Pflanzen in die Küche, evakuierte alles, einschließlich sich selbst, aus ihrem Zimmer. Wir telefonierten. "Seit Jahren habe ich morgens geschwollene Augen", sagte Julia am Telefon. "Der Schimmel hat mich vergiftet."

Ich konnte sie nicht davon überzeugen, dass sie sich wohl keine bleibenden Schäden zugezogen haben würde. Schimmel ist eine unsichtbare Gefahr, in die man sich gut reinsteigern kann, ähnlich wie Strahlung, die man in Röntgengeräten oder im Flugzeug abbekommt. Beides ist in großer Dosis wirklich bedenklich, bei geringerer Exposition aber kann die Panik davor schädlicher sein als die Gefahr selbst. Wahrscheinlich würde ich das Schimmelproblem aber auch als schwerwiegender einschätzen, wenn der Fleck in meinem Schlafzimmer gewesen wäre.

Jedenfalls muss jeder Schimmel schnellstmöglich weg. Handwerker und Vermieter haben versprochen, dass die Tapeten im ganzen Zimmer runter sollen, ebenso der Putz an der verschimmelten Wand, dann wird das Ganze getrocknet, der Schimmel abgetötet, neu verputzt und tapeziert. Das hört sich doch an, als würde die Gefahr gebannt - Julia, komm zurück!

SCHIMMEL - FRAGEN AN DIE EXPERTIN

insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
nixfürungut2 08.10.2014
1.
...schlimmer jedoch ist, dass er meist unsichtbar ist. Klimaanlagen in Supermärkten, Autos, etc. sind sowas, außerdem so ziemlich jedes ältere gedämmte Haus. Ich kann da ein Lied von singen, denn ich merke es und auch wie hoch die jeweilige Belastung ist. Ich bin froh, dass ich weiss woher die Symptome kommen, da ich jahrelang im Ungewissen war. Da die Belastung so ziemlich überall vorliegt, ist es auch schwer herauszufinden, da die Symptome wie z.B. Schnupfen/Sinusitis/Müdigkeit nicht von jetzt auf gleich verschwinden. Meine Erfahrung sind ca. 2 Wochen, in denen man die Vermeidungsstrategie einhalten muss, um den Unterschied deutlich zu merken. Aber gut, muss jeder selber wissen, ob er Schimmel für gefährlich hält oder nicht.
santacatalina 08.10.2014
2. ich hab auch
schimmel in der wohnung - gelegentlich. mit der konsequenz, daß ich einmal im jahr die möbel abrücke, mir die außenwände anschaue, gegebenenfalls schimmelspray draufsprühe und gut ist. wenn ich mich regelmäßig drum kümmere, ist es wenig schimmel, in manchen jahren brauche ich überhaupt kein spray, und krank bin ich auch nicht. und meinen blumen geht es gut.
Sibylle1969 08.10.2014
3. Häufiges Problem
Bei schlecht gemachter Wärmedämmung kann es ganz leicht zu Schimmelbefall kommen. Selbst bei korrektem Lüften und Heizen ist man nicht davor gefeit. Das Mietshaus, in dem wir wohnen, ist Baujahr 1950 und wurde 2008 wärmegedämmt, allerdings nicht besonders fachmännisch. Wir hatten dann ganz schnell ein Schimmelproblem in der Wohnung, der Schimmel hatte sich hinter Möbelstücken gebildet, die an Außenwänden stehen. Wir wussten leider nicht, dass man nach der Wärmedämmung keine größeren Möbelstücke an Außenwänden stehen haben darf. Nachdem die großflächige Schimmelstelle fachmännisch saniert worden war und wir nunmehr keine Möbel mehr an den Außenwänden stehen haben, ist das Problem mittlerweile beseitigt.
L!nk 08.10.2014
4. Julia, komm zurück!
Hole Deine Botanik ab - und tschüs.
tradepro 08.10.2014
5. Informationsgehalt?
Wo liegt jetzt der Informationsgehalt des Artikels? Das liest sich mehr wie ein Roman als wie ein Fachbeitrag. Lediglich die Fragen und Antworten bieten etwas Sachinformation.
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