Beeren und Pilze sammeln Infektion mit dem Fuchsbandwurm - wie groß ist das Risiko?

Brombeeren pflücken, Pilze sammeln - aber lauert da nicht der Fuchsbandwurm? Der Parasit ist zwar gefährlich für den Menschen, eine Infektion durch Früchte aber unwahrscheinlich. Größere Gefahr geht von Tieren aus.

Fuchs: Im Darm der Tiere können sich Bandwürmer vermehren, die für den Menschen gefährlich sind
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Fuchs: Im Darm der Tiere können sich Bandwürmer vermehren, die für den Menschen gefährlich sind


Ein Befall mit dem Fuchsbandwurm kann für Menschen zwar lebensgefährlich sein - kommt aber nur sehr selten vor. Im Vergleich zu den Vorjahren waren die Meldezahlen nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) im Jahr 2017 rückläufig: Es gab 30 Fälle. Allein zwölf Patienten kamen aus Baden-Württemberg, sechs aus Hessen und fünf aus Bayern - wobei das RKI darauf hinweist, dass davon nicht in jedem Fall auf den Infektionsort geschlossen werden könne.

Generell komme der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) nur auf der nördlichen Hälfte der Weltkugel vor, in Europa vor allem in Süddeutschland, der Nordschweiz, Westösterreich und Ostfrankreich. Seit 2010 gab es laut RKI in jedem Jahr mehr als 30 Fälle von alveolärer Echinokokkose, wie die vom Fuchsbandwurm ausgelöste Krankheit beim Menschen heißt, im Jahr 2015 waren es sogar 45. Doch selbst in jenem Jahr lag das Risiko einer Infektion statistisch gesehen nur bei 0,00005 Prozent. Die Gefahr, vom Blitz getroffen zu werden, ist Schätzungen zufolge größer.

Zehn Jahre bis zu den ersten Symptomen

Infizierte Menschen haben zunächst meist keine Beschwerden oder Schmerzen, wie das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) erklärt: "Der Erreger befällt unbemerkt die Leber, in der sich die Larven des Bandwurms entwickeln." Manchmal würden auch die Lunge oder - seltener - das Gehirn befallen, die Larven wüchsen sehr langsam und zerstörten tumorartig das Organ. Bis die ersten Symptome auftauchten, könne es mehr als zehn Jahre dauern. Dass Ärzte auf Anhieb die richtige Diagnose stellten, sei aufgrund der Seltenheit der Erkrankung keineswegs der Normalfall, oft müssten die Betroffenen Umwege in Kauf nehmen.

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Noch vor 30 Jahren galt eine Ansteckung mit dem Erreger als Todesurteil. Heute gebe es Medikamente, die den Erreger in Schach hielten, eine vollständige Heilung sei aber noch nicht möglich, sagte Klaus Brehm vom Institut für Hygiene am Uniklinikum Würzburg jüngst im Bayerischen Rundfunk. "Die Medikamente können das Wachstum der Larve im Körper des Menschen eindämmen, sind aber nicht in der Lage, das Larvengewebe abzutöten, sodass Patienten die Arznei ein Leben lang nehmen müssen."

Die geschlechtsreifen, drei bis vier Millimeter langen Würmer leben im Darm von Fleischfressern, in Europa vor allem von Rotfuchs, Marderhund und seltener auch Hund und Katze, wie das Friedrich-Loeffler-Institut, das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, erläutert. Die Tiere schieden mit dem Kot die reifen Eier aus. Diese seien gegenüber Umwelteinflüssen sehr resistent, könnten unter günstigen Bedingungen mehrere Monate infektiös bleiben. Ein Abtöten der Eier sei nur durch kurzes Abkochen oder ein mehrere Tage dauerndes Einfrieren bei minus 80 Grad möglich.

Kaum Infektionsrisiko durch Beeren

Der Übertragungsweg des Fuchsbandwurms auf den Menschen ist nach LGL-Angaben noch nicht abschließend erforscht. Eine Übertragung von einem Haustier auf den Menschen sei weltweit bisher noch in keinem Fall nachgewiesen worden, dennoch könne eine Übertragung vom Hund nicht ausgeschlossen werden. Daher sollten Hunde, die herumstreunen und Mäuse jagen, regelmäßig auf Bandwürmer untersucht und entwurmt werden. Bei Katzen besteht nach Angaben der Behörde nur ein geringes Übertragungsrisiko, weil sie eine geringere Empfänglichkeit für den Fuchsbandwurm haben und im Falle einer Infektion sehr viel geringere Eizahlen ausscheiden.

Das Sammeln von Beeren oder Pilzen sei in keiner Studie als Risikofaktor identifiziert worden. Man müsse mehrere Hundert Eier des Fuchsbandwurms aufnehmen, um sich zu infizieren, sagte Biologe Brehm. "Je höher eine Beere am Strauch hängt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Beere mit Fuchskot in Verbindung kommt. Das heißt, die Beere muss schon erkennbar mit Fuchskot verunreinigt sein, und kaum jemand wird so eine Beere essen", betonte Brehm. Aus Angst vor dem Fuchsbandwurm keine Beeren zu vertilgen, ist daher unsinnig - das Infektionsrisiko geht gegen Null.

Wichtiger ist, Abstand zu toten Füchsen zu halten. Bei regelmäßigem Fuchsbesuch im Garten, so die bayerische Gesundheitsbehörde, sei es ratsam, den Fuchskot mit einer umgestülpten Plastiktüte konsequent vom Grundstück abzusammeln. Einer Untersuchung des Bayerischen Jagdverbands (BJV) und des LGL aus dem Jahr 2013 zufolge sind 27 Prozent der Tiere, also gut jeder vierte Fuchs, mit dem Parasit befallen.

hei/dpa

insgesamt 4 Beiträge
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fatherted98 22.08.2018
1. Panikmache...
...in einigen Zeitungen wird schon vom Verzehr von Heidelbeeren gewarnt (obwohl aus Kulturbeständen und mit Sicherheit nicht im Wald gepflückt).
lemmuh 22.08.2018
2.
Zitat von fatherted98...in einigen Zeitungen wird schon vom Verzehr von Heidelbeeren gewarnt (obwohl aus Kulturbeständen und mit Sicherheit nicht im Wald gepflückt).
Ja, das sind noch die Folgen der Panik, die vor Jahren von der Forstwirtschaft geschürt würde, damit ihnen Pilz- und Beerensucher nicht die jugen Bäume zertrampeln.
tiger-li 24.08.2018
3. och Nö!
Was soll dieser Artikel? seit Jahren predige ich wie gefährlich der Fuchsbandwurm ist! dass man keine Pilze und Beeren essen soll und jetzt Das! Wenn sich das rumspricht muss ich meine Pilzplätze wohl wieder teilen.....
blödbacke 25.08.2018
4. @3: "Tiger-li"
Ach, stell am Waldrand einfach Schilder "Fuchsbandwurm - gefährdeter Bezirk" auf, und du hast deine Ruhe...
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