Hepatitis-C-Mittel Sovaldi Experten warnen vor gefälschtem Medikament

Erst im Juni wurden in Deutschland Fälschungen eines Hepatitis-C-Medikaments entdeckt - nun gibt es in den Apotheken einen weiteren Fall bei einem ähnlichen Arzneimittel.

Betroffener Hersteller Gilead
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Betroffener Hersteller Gilead


Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnt Patienten vor Fälschungen des Arzneimittels Sovaldi der Firma Gilead. Betroffen sind 400 mg Filmtabletten, die auf den deutschen Markt gelangt sind. Das Medikament mit dem Wirkstoff Sofosbuvir wird in Kombination mit anderen Arzneimitteln bei Erwachsenen zur Behandlung der chronischen Hepatitis C angewendet und ist relativ teuer.

Die betroffenen Packungen tragen die Chargenbezeichnung VVDXD (Verfallsdatum 01/2019), bei der es sich um eine real existierende Charge für den deutschen Markt handelt. Doch die gefälschten Tabletten sind nicht wie üblich gelb, sondern weiß.

Auch die Verpackungen wurden von den Fälschern verändert. Allerdings ist eine Unterscheidung ohne direkten Vergleich mit einer Originalverpackung nicht möglich, so das Bonner Institut.

Patienten, die das Arzneimittel einnehmen und feststellen, dass es sich dabei um weiße Tabletten handelt, sollen diese nicht einnehmen und sich an ihren behandelnden Arzt oder ihren Apotheker wenden, um das weitere Vorgehen abzusprechen. Zudem fordert das BfArM Apotheken auf, ihre Sovaldi-Kunden über den Fall zu informieren. Derzeit werden die Fälschungen bezüglich ihre Zusammensetzung untersucht. Über den weiteren Stand der Ermittlungen ist nichts öffentlich bekannt.

Um Sovaldi hatte es 2015 einen Streit zwischen Krankenkassen und Hersteller gegeben. Gilead wollte ursprünglich einen Verkaufspreis von knapp 700 Euro pro Pille ansetzen, einigte sich dann aber mit den Kassen auf einen Preis von knapp 500 Euro pro Tablette.

Auch "Harvoni" gefälscht

Die Fälschung wurde im Zuge von Untersuchungen eines ähnlichen Falls entdeckt: Erst im Juni waren manipulierte Produkte des Hepatitis-C-Medikaments Harvoni 90 mg / 400 mg Filmtabletten desselben Herstellers aufgetaucht. Das Medikament war in einer Apotheke in Nordrhein-Westfalen entdeckt worden. Damals entsprachen Verpackung und Tablettenform aber dem Original - allerdings stimmte auch hier die Farbe nicht.

Der Zoll zieht jährlich eine Vielzahl gefälschter und illegaler Arzneimittel aus dem Verkehr. 2015 etwa waren 3,9 Millionen Tabletten beschlagnahmt worden, viermal so viele wie 2014. Verbraucherschützer raten deshalb dazu, Medikamente nur aus seriösen Quellen zu beziehen. Umso bedenklicher ist es, wenn gefälschte Mittel den Weg bis in die Apotheke schaffen.

joe/irb



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