Tod eines 29-Jährigen Gehirn zerstörende Amöbe - das müssen Sie wissen

Der Einzeller Naegleria Fowleri drang über seine Nase ein und setzte sich in seinem Kopf fest: In New Jersey ist ein 29-Jähriger an den Folgen einer Infektion mit einer sogenannten "hirnfressenden" Amöbe gestorben.

Fabrizio Stabile
gofundme/ The Fabrizio Stabile Foundation

Fabrizio Stabile


Fabrizio Stabile mähte gerade den Rasen, als er plötzlich starke Kopfschmerzen bekam und sich hinlegen musste. So schildern Angehörige seine Geschichte auf einer Crowdfunding-Seite. Indem sie den Fall öffentlich machen, wollen sie über seine Krankheit aufklären.

Nachdem der 29-Jährige Schmerzmittel genommen hatte, schlief er die Nacht durch. Am nächsten Morgen aber waren die Kopfschmerzen noch immer da. Als seine Mutter am frühen Nachmittag zu ihm fuhr, um nach dem Rechten zu sehen, konnte er bereits nicht mehr aufstehen und sprach nur noch unverständlich.

Im Krankenhaus diagnostizierten die Ärzte eine lebensgefährliche Hirnhautentzündung - führten sie jedoch zunächst auf andere, typischere Infektionen zurück. Erst zwei Tage nach seiner Einlieferung erkannten die Mediziner den Grund der Beschwerden: In der Nervenflüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umspült, stießen sie auf Spuren der Gehirn zerstörenden Amöbe Naegleria Fowleri.

Für eine Behandlung sei es zu diesem Zeitpunkt schon zu spät gewesen, schreiben die Angehörigen. Zwei Tage später, am 21. September, starb Fabrizio Stabile.

Was ist das für eine Amöbe, wo kommt sie vor?

Bei der Amöbe Naegleria Fowleri handelt es sich um einen Einzeller, der nur in warmem Süßwasser überlebt. Die Amöbe ist dem Robert Koch-Institut zufolge besonders in Gewässern und Böden der Subtropen und Tropen verbreitet, aber auch in natürlich oder künstlich erwärmten Süßgewässern gemäßigter Klimazonen.

Fabrizio Stabile hatte vor seinem Tod eine Surf- und Wasserskianlage besucht, wie die "New York Times" berichtet. Aktuell werden Wasserproben ausgewertet. Es gibt jedoch keine Hinweise auf andere Betroffene.

Wie gelangt die Amöbe in den Körper?

Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC infizieren sich Betroffene in der Regel, wenn beim Baden oder Tauchen kontaminiertes Wasser in die Nase gelangt. Die Amöbe kann anschließend ins Gehirn wandern und eine lebensgefährliche Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten auslösen.

Amöbe Naegleria Fowleri (Illustration)
imago/ Science Photo Library

Amöbe Naegleria Fowleri (Illustration)

Durch ungewolltes Verschlucken oder auch durch Trinken könne man sich nicht anstecken, so die CDC. Wenn Swimmingpools ordentlich gewartet und desinfiziert werden, droht grundsätzlich keine Infektionsgefahr.

Wie häufig sind Infektionen?

Sehr selten. Die meisten Fälle wurden in den USA, Australien und Frankreich beschrieben - aus Deutschland ist bisher keiner bekannt. Forscher gehen allerdings davon aus, dass viele Fälle in Entwicklungs- und Schwellenländern nicht als solche erkannt und deshalb nicht berichtet werden.

Die Zahlen aus den USA zeigen, wie gering das Infektionsrisiko ist: Obwohl die Amöben relativ häufig vorkommen, wurden dort seit 1937 nur etwa 140 Erkrankungen dokumentiert. Der aktuelle Fall sei die erste bestätigte Infektion seit 2016, berichtet die US-Gesundheitsbehörde CDC.

Wie macht sich die Infektion bemerkbar?

Nachdem die Amöben das Gehirn befallen haben, dauert es in der Regel ein bis neun Tage, bis sich die Erkrankung zeigt. Zu den ersten Beschwerden gehören heftige Schmerzen an der Vorderseite des Kopfes, Fieber und Übelkeit. Anschließend könne es zu Verwirrung, Halluzinationen, einem steifen Nacken und Gleichgewichtsstörungen kommen, bis die Betroffenen das Bewusstsein verlieren.

Wie groß sind die Überlebenschancen?

Laut einem Fachartikel von 2014 enden mehr als 95 Prozent der bekannten N.-fowleri-Infektionen tödlich. In Nordamerika seien nur fünf Fälle bekannt, bei denen Betroffene die Infektion überlebten, berichtet die CDC. Im Schnitt tritt der Tod innerhalb von fünf Tagen nach den ersten Beschwerden ein.

Die CDC empfiehlt, Infizierte mit dem Wirkstoff Miltefosin zu behandeln, der die Einzeller in Laborversuchen abtötete. Das Medikament wird eigentlich zur Behandlung von Brustkrebs und Leishmaniose eingesetzt. Inzwischen sind einige Fälle dokumentiert, bei denen Erkrankte, die Miltefosin erhielten, wieder gesund wurden.

Obwohl die Chancen, die Krankheit zu überleben, gering seien, könnten eine frühe Diagnose und neue Behandlungen dazu beitragen, schreibt das CDC. Da die Symptome der Amöben-Infektion denen einer bakteriellen Meningitis ähneln und die Amöben nur schwer nachgewiesen werden können, werde die Infektion jedoch oft erst nach dem Tod erkannt.

Auch bei Fabrizio Stabile sei der Zeitpunkt der Diagnose zu spät gewesen, um das Medikament noch sinnvoll einzusetzen, schreiben seine Freunde auf seiner Crowdfunding-Seite. Sie wollen in Zukunft jährlich eine Benefizveranstaltung organisieren, um die Krankheit bekannter zu machen.

irb/wbr



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