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Reiseschutz vor Tollwut und Gelbfieber: Deutschland gehen die Impfstoffe aus

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Impfung beim Arzt: Fernreisende  haben derzeit Probleme, sich gegen Gelbfieber immunisieren zu lassen  Zur Großansicht
Corbis

Impfung beim Arzt: Fernreisende haben derzeit Probleme, sich gegen Gelbfieber immunisieren zu lassen

Der Flug ist schon lange gebucht, doch beim Arzt wartet dann die böse Überraschung: Nö, der Stoff ist aus! Viele Impfungen, die fürs Ausland empfohlen werden, sind momentan nur schlecht oder gar nicht verfügbar. Und besonders Fußballfreunde dürften damit bald ein Problem bekommen.

Erst vor kurzem blieben Lieferungen wichtiger Kinderimpfstoffe aus, jetzt warnt das Centrum für Reisemedizin (CRM) davor, dass ein Mangel bei Reiseimpfungen akut wird. In einem Bericht von der Jahrestagung der Reisemediziner, der SPIEGEL ONLINE vorliegt, heißt es: "Für die Reise notwendige Impfungen können nicht verabreicht werden, weil Impfstoffe gar nicht oder nur eingeschränkt verfügbar sind."

Wie groß der Engpass ist, bekommen derzeit Ärzte und Apotheker zu spüren. "In Deutschland ist jeder fünfte Impfstoff regelmäßig knapp, das ist sehr ärgerlich", sagt etwa Markus Kerckhoff. Er und seine Frau betreiben eine Apotheke in Bergisch Gladbach sowie eine Versandapotheke, die auf den Handel mit Impfstoffen spezialisiert ist.

Die Situation werde immer brenzliger: "Lieferschwierigkeiten gab es zwar immer mal wieder, aber so schlimm wie jetzt war es noch nie", sagt der Apotheker. Bei der Prophylaxe von Tollwut sei die Nachfrage etwa zehnmal so hoch wie das Angebot, der Wirkstoff aber nur eingeschränkt verfügbar. Immer wieder gerate auch der Nachschub bei den Impfungen gegen Typhus oder Cholera ins Stocken. Die gegen Gelbfieber sei momentan gar nicht verfügbar.

FERNREISEN: DIE WICHTIGSTEN IMPFUNGEN UND SCHUTZMAßNAHMEN
Grundsätzliches zum Impf- und Zeitplan
Vor einer Fernreise sollte man sich entweder beim Arzt oder einem tropenmedizinischen Institut beraten lassen. Hier wird festgelegt, was nötig ist: Je nach Impfung muss das einige Wochen bis Monate vor Reiseantritt geschehen, um einen vollständigen Impfschutz zu erreichen. Die Impfungen sollten spätestens zwei Wochen vor Reiseantritt erledigt sein.
Standardimpfungen (Tetanus/Diphterie/Polio/Keuchhusten)
Erwachsene haben durch Vorimpfungen oft eine Grundimmunität. Kurfristig ist sogar noch eine sogenannte Booster-Impfung möglich. Die Impfungen aus Kindertagen wirken allerdings nicht ewig. Deshalb sollte man diese grundsätzlich nach einer gewissen Zeit auffrischen. Auskünfte dazu erteilt der Arzt.
Hepatitis A/B
Typ A: Für den mehr als zehn Jahre wirkenden Impfschutz braucht man zwei Injektionen in einem Abstand von mehreren Monaten (mindestens sechs Monate, herstellerabhängig). Einen Grundschutz erreicht man aber circa zwei Wochen nach der ersten Dosis: Daraus ergibt sich der Vorlauf vor der Reise.

Typ B: Mindestens drei Injektionen: zweite Impfung einen Monat, dritte sechs Monate nach Erstinjektion. Grundschutz wird circa zwei Wochen nach Erstinjektion erreicht - Impfung muss folglich mindestens sechs Wochen vor Reiseantritt erfolgen.

Typhus
Eine Impfung gegen Typhus benötigt man lediglich in akuten Risikogebieten mit niedrigen Hygienestandards oder Krankheitswellen. Sie wirkt nur ein bis drei Jahre. Der Schutz wird nach sieben bis zehn Tagen nach Impfung erreicht. Risiken sollten auch danach gemieden werden, denn eine vollständige Immunisierung wird oft nicht erreicht.
Dengue
Klingt exotisch, ist es aber nicht: Dengue-Viren kommen inzwischen in den warmen Breiten aller Kontinente vor, mehr als hundert Länder sind betroffen. Das Dengue-Fieber ist eine Boomkrankheit mit ständig steigenden Fallzahlen (mehr als 50 Millionen Kranke im Jahr). Einen Impfschutz gibt es nicht: Vor Dengue schützt nur eine anständige Mückenprophylaxe.
Malaria
Weltweit erkranken etwa hundert Millionen Menschen jährlich an Malaria. Bei der Infektionskrankheit ist Mückenprophylaxe absolute Pflicht, nur so schützt man sich wirkungsvoll davor. Einen zugelassenen Impfstoff gibt es noch nicht, der Ansteckung kann man aber mit Hilfe einer medikamentösen Prophylaxe (auch: Chemoprophylaxe) mit verschiedenen Mitteln entgegenwirken. Dabei werden im Prinzip jene Medikamente, die man auch in der Therapie bei Erkrankung anwenden würde, vorab eingenommen. Bei kurzfristigen Reisen und geringerem Risiko wird mitunter geraten, ein Malariamittel als Übergangs- und Soforthilfe mitzuführen. Dieses kann jedoch Nebenwirkungen haben, weshalb Ärzte nur je nach Reiseziel und Person dazu raten: Geht die Reise in ein akut malariagefährdetes Land, sollte man in jedem Fall mit seinem Arzt sprechen.
Gelbfieber
Gelbfieber ist vor allem in Afrika verbreitet, aber auch in Süd- und Mittelamerika. Die Virenerkrankung wird durch Mücken übertragen und führt im schlimmsten Fall zum Tod (in bis zu 30 Prozent aller Fälle). In zahlreichen subtropischen und tropischen Ländern ist die Impfung Pflicht. In vielen weiteren Staaten ist sie eine Bedingung für die Einreise, um eine Einschleppung der Viren zu verhindern. Die Impfung muss mehr als zehn Tage vor Reiseantritt erfolgen und schützt dann für circa zehn Jahre. Vorgenommen werden darf sie allerdings nur von Tropenmedizinern und staatlich zugelassenen Impfstellen (relativ hohes Impfrisiko, deshalb Impfung nur im Pflicht- und akuten Gefährdungsfall): siehe www.frm-web.de
Cholera
Eine Impfung gegen Cholera ist bei Reisen in Gebiete mit akuten Ausbrüchen empfehlenswert, wenn das Risiko einer Exposition absehbar ist. Darunter finden sich immer wieder einmal Traumziele wie etwa Haiti oder die Dominikanische Republik. Schluckimpfung mit zwei Dosen im Abstand von einer bis sechs Wochen (herstellerabhängig), Impfschutz ab circa sieben Tagen nach der zweiten Dosis. Vorlauf vor der Reise: zwei bis acht Wochen.
HIV/Aids
Stellt in vielen armen Weltgegenden, in denen HIV-Medikamente kaum verbreitet sind, ein erhebliches Risiko dar (vor allem Südostasien, Afrika). Die beste Prophylaxe ist Risikovermeidung: Verzicht auf Sex, vor allem mit Prostituierten (und wenn, dann nie ungeschützt!), auf Tätowierungen und Piercings, auf Drogenkonsum unter Nadeleinsatz. In schwachen Volkswirtschaften mit schlechter medizinischer Versorgung und unzureichenden Hygienestandards ist auch dies ein Krankheitsrisiko (Blutkonserven, Injektionsnadeln etc.). Einen Impfschutz gibt es nicht.
Tollwut
Ohne Behandlung ist Tollwut absolut tödlich. Übertragen wird die Infektionskrankheit durch Bisse oder Speichel infizierter Wirtstiere - vom Eichhörnchen bis zum Tiger. Eine Impfung kann zwar noch nach einem Biss erfolgen, doch das Zeitfenster ist kurz. Bei Reisen in akute Risikogebiete mit schlechter medizinischer Versorgung ist eine Impfung vorab empfehlenswert: Nötig sind drei Einzelimpfungen in einem Zeitfenster von circa drei bis vier Wochen.
Mückenprophylaxe
Mücken gehören zu den häufigsten Überträgern ernsthafter Krankheiten in warmen Weltgegenden. Alle Schutzmaßnahmen zielen darauf ab, den Kontakt mit ihnen zu vermeiden:

  • Lange Hosen, lange Ärmel: im Urlaub nicht das, was man sich wünscht, aber wirksam. Auch die Knöchel sollte man schützen! In Gegenden mit hoher Krankheitsgefahr durch Mückenübetragung sollte man helle Kleidung tragen (bessere Erkennung) und Textilien mit speziellem Insektizid imprägnieren.
  • Mückenabweisende Mittel (Repellentien) sollte man auf alle unbedeckten Stellen der Haut auftragen. Wichtig: Es gibt viele auch tagaktive Mückenarten, Repellentien sind in manchen Regionen auch am Strand ratsam.
  • Imprägnierte Moskitonetze über dem Bett nicht vergessen! Wer nicht weiß, ob das Hotel eines bereithält, nimmt sich eines mit.
  • Schlafräume sollte man mückenfrei halten. Nach Möglichkeit sollten Fenster geschlossen bleiben (lieber die Klimaanlage nutzen). Im Extremfall kann man ein Insektizid einsetzen. Verstecke nicht vergessen: gezielt unter und hinter Möbel sprühen, versteckte Ecken nicht aussparen.
  • Tomas Jelinek ist wissenschaftlicher Leiter des CRM und Medizinischer Direktor des Berliner Centrums für Reise- und Tropenmedizin (BCRT). Ihn erreichen mittlerweile Hilferufe von verzweifelten Hausärzten, die von Patienten bedroht und beschimpft würden und nach der nicht lieferbaren Gelbfieber-Impfung verlangten. Vor vielen Reisen nach Afrika oder Südamerika wird eine Prophylaxe gegen die Viruserkrankung empfohlen, die von Stechmücken übertragen wird. "Gelbfieber ist zwar selten, endet aber in bis zu 30 Prozent der Fälle tödlich", sagt Jelinek.

    Zum Problem wird der Lieferengpass für Touristen, die zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Brasilien reisen wollen. Einige Austragungsorte liegen in Gelbfieber-Gebieten. Vorgeschrieben ist die Impfung für Brasilien-Urlauber zwar nicht. In einige anderen Staaten aber darf man ohne Immunisierung gar nicht erst einreisen. Vor allem, wenn man vorher ein Gelbfieberland passiert hat, wie es bei Rundreisen vorkommen kann. "Im schlimmsten Fall wird man dann bei der Einreise nach Tansania zwangsgeimpft - ich kann mir Schöneres vorstellen", sagt Jelinek. Im Gegensatz zu vielen Hausärzten hat das BCRT in seinen Zweigstellen derzeit noch Impfstoff vorrätig. Er wird an diejenigen abgegeben, die ihn dringend benötigen.

    Ein großes Problem sei auch der Mangel an Tollwut-Prophylaxe, sagt Jelinek. Anders als in Deutschland gibt es die Krankheit in vielen Reiseländern noch. Eine Immunisierung vor dem Urlaub wird dann häufig empfohlen. Übertragen wird das tödliche Virus durch den Biss infizierter Tiere, das Ansteckungsrisiko hänge daher auch von der Art zu reisen ab, sagt Jelinek. "Wer den Urlaub am Hotelpool verbringt, ist weniger in Gefahr als ein Rucksacktourist, der vielleicht meint, Affen und wilde Hunde streicheln zu müssen."

    Exotische Tropenkrankheiten

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    Wird ein ungeimpfter Urlauber durch einen Biss infiziert, bewahrt ihn nur eine schnelle Nachimpfung vor dem sicheren Tod. Doch in vielen Ländern gibt es dafür nur Präparate, die weniger sicher und schlechter wirksam als jene, die normalerweise in Deutschland erhältlich sind. Und weil selbst die oft knapp sind, werden die Wirkstoffe an Touristen zum Teil gar nicht abgegeben. "Ich weiß von mehreren Fällen, in denen Bali-Urlauber nach Singapur ausfliegen mussten, um die nachträgliche Impfung dort zu bekommen", sagt Jelinek.

    Der Tropenmediziner fürchtet, dass angesichts der Lieferengpässe einige Reisende ohne den richtigen Impfschutz in die Ferien fliegen. Ein Problem hätten außerdem Arbeitgeber, die ihre Angestellten nicht ungeimpft zu beruflichen Einsätzen in Risikogebiete schicken könnten.

    Warum aber werden die Reiseimpfstoffe in Deutschland immer knapper? Zum einen sei die Herstellung langwierig und kompliziert, sagt Jelinek. Viele Impfstoffe werden nur von ein oder zwei Herstellern produziert. Gebe es bei der Produktion Probleme, mache sich das schnell auf dem gesamten Markt bemerkbar. Zudem werde die Nachfrage immer größer - ohne dass die Pharmafirmen ihre Produktionsmengen entsprechend steigern würden. Die Impfstoffvermarktung in Deutschland sei für die Industrie nämlich kaum lukrativ, sagt Jelinek. "Um die Situation zu verbessern, müssten wohl finanzielle Anreize geschaffen werden."

    Immerhin: Ein Hersteller hat angekündigt, in Zukunft mehr Tollwut-Impfstoff zu fabrizieren. Auch Markus Kerckhoff sieht Handlungsbedarf: "Es geht um die Gesundheit, da sehe ich den Staat in der Fürsorgepflicht. Ich erwarte von der Politik, dass sie sich endlich mit den Herstellern an den Tisch setzt, um eine Lösung zu finden."

    Die Regierung dagegen sieht die Lage offensichtlich gelassener: Lieferschwierigkeiten seien nicht auszuschließen. Auf eine Kleine Anfrage der Linken hatte vor kurzem das Bundesgesundheitsministerium in einer Stellungnahme geantwortet: "Lieferengpässe oder Lieferunfähigkeiten bei einzelnen Impfstoffen können immer wieder auftreten und sind in der Regel zeitlich begrenzt." Krankheitsausbrüche aufgrund nicht erfolgter Impfung seien bisher nicht aufgetreten.

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    insgesamt 39 Beiträge
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    1. Lieferschwierigkeiten! Künstlich verknappen...
    grommeck 24.03.2014
    das treibt den Preis. Diese Mafia von Konzernen sollte man ...... Keine Reisen buchen, mal sehen wie schnell der Stoff dann hier ist!!
    2. Komisch
    bambus 24.03.2014
    ich habe vor 10 Tagen meine Tollwutimpfung bekommen. Wartezeit auf den Impfstoff war ca. 2,5 Wochen... Vlt. sollte man nicht in allerletzter Sekunde zum Arzt rennen sondern mit "etwas" Planung sich um die Impfungen kümmern. Aber dann wärs ja schade um diese schönen "Tartarenmeldungen" in SPON?
    3.
    robeuten 24.03.2014
    Zitat von grommeckdas treibt den Preis. Diese Mafia von Konzernen sollte man ...... Keine Reisen buchen, mal sehen wie schnell der Stoff dann hier ist!!
    Sie wissen ja echt bescheid!!! Der Preis wird im voraus ausgehandelt - und genau deshalb gibt es jetzt die Probleme, die Krankenkassen haben die Preise mit Hilfe der Politik so sehr gedrückt, daß damit schlicht kein Geld mehr zu verdienen ist, und deshalb gibt es auch kein backup, wenn z.B. eine Produktionslinie wg. Kontamination ausfällt. Im übrigen haben ja auch Politik und Kassen darauf gedrungen, daß man nur jeweils einen Hersteller kontraktiert - beweist einmal mehr, was für Vollpfosten dort als "Entscheidungsträger" wirken... Im übrigen - was interessiert es die pöse Pharma, wenn Sie keine Reisen mehr buchen? Naja, Hauptsache, unser täglich Pharmabashing gib' uns heute...
    4. Was haben den die Krankenkassen mit Reiseimpfungen zu tun?
    superplus 24.03.2014
    Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen zwar teilweise die Reiseimpfungen, aber nur als Satzungsleistung. Trotzdem ist z.B. die Tollwutimpfung eine Privatleistung. Die Krankenkassen haben damit auch keinen Einfluss auf die Preise.
    5. ...
    Newspeak 24.03.2014
    Genau das ist der Grund, warum manche Dinge staatlich geregelt sein sollten. Also vielleicht mal ein Müttergeld oder eine andere wirkungslose Familiensubvention weniger und dafür mal Impfstoffe geordert. Es ist doch lächerlich, was sich das reichste Land der Erde bei maximalem Steueraufkommen und nahezu Vollbeschäftigung angeblich alles nicht leisten kann.
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      Irene Habich studierte Tiermedizin und Journalistik. Sie arbeitet als freie Wissenschaftjournalistin in Berlin und Hamburg.

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    Auslöser der Windpocken sind Varizellen. Gegen sie gibt es zwischen dem elften und 14. Lebensmonat eine Impfung, entweder gemeinsam mit der Masern-Mumps-Röteln-Impfung oder frühestens vier Wochen danach.

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    Die Vorsichtsmaßnahme gilt aber nur für die erste Impfung, bei der zweiten im Alter von 15 bis 23 Monaten kann der Vierfachwirkstoff verwendet werden.

    Sind Kinder oder Jugendliche nur einmal geimpft worden, sollten sie noch einmal geimpft werden.
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    Für die Menschen, die wegen beruflicher Risiken gegen Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) geimpft werden sollten, ist 2012 ein neues Risikogebiet hinzugekommen, der Saar-Pfalz-Kreis im Saarland.
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    Wer nach 1970 geboren wurde und in der Kindheit nur einmal gegen Masern geimpft worden ist oder nicht mehr weiß, ob er geimpft wurde, der sollte noch einmal geimpft werden - am besten gegen Masern, Mumps und Röteln gleichzeitig.
    Impfkalender
    Den Stiko-Impfkalender gibt es jetzt in 15 Sprachen, die Dokumente sind beim Robert Koch-Institut abrufbar.

    Quelle: Robert Koch-Institut (RKI) und Ständige Impfkommission beim RKI, Stand: 30. Juli 2012.


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