Gereizte Augen: Reiben verboten

Von Gerlinde Gukelberger-Felix

Trockene Augen sind vor allem unangenehm. Gefahr droht Patienten, die unter entzündlichen Krankheiten leiden - sie können im schlimmsten Fall erblinden. Deshalb sollten Betroffene gereizte und schmerzende Augen ernst nehmen - und vom Augenarzt die Ursache klären lassen.

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Künstliche Tränen: Gegen schmerzende, trockene Augen helfen vor allem Tropfen

Wie kommt es zu trockenen Augen?

Beim trockenen Auge ist die Augenoberfläche schlecht benetzt. Das Auge produziert zu wenig Tränenflüssigkeit, möglicherweise fehlen dem Tränenfilm Lipide. Die Ursachen sind vielfältig: Bildschirmarbeit, Zigarettenrauch, hohe Ozonwerte, überheizte Räume, trockene Klimaanlagen, schlecht beleuchtete Arbeitsplätze oder der falsche Umgang mit Kontaktlinsen.

Kurzsichtige Menschen mit trockenen Augen können durch das Tragen von Kontaktlinsen die Beschwerden noch verschlimmern. Durch die Linsen verdunstet der Tränenfilm auf der Hornhaut stärker.

Auch ein Vitamin-A-Mangel, Entzündungen der Tränendrüsen und altersbedingte Schleimhautveränderungen können zu trockenen Augen führen. Ebenso beeinflussen verschiedene Arzneimittel den Tränenfilm: Allergiemedikamente, Beruhigungsmittel, harntreibende Mittel, Antidepressiva, Betablocker und andere Bluthochdruckmedikamente, Neuroleptika, harntreibende Mittel, Parkinsonarzneien und Wirkstoffe gegen chronische Bronchitis - selbst Augentropfen gegen gerötete Augen können die Beschweren verstärken.

Auch viele Erkrankungen selbst wirken sich negativ auf den Tränenfilm aus: Diabetes, Rheuma und andere Entzündungskrankheiten, die Hauterkrankung Rosazea, die atopische Dermatitis (Neurodermitis) oder Schilddrüsenfunktionsstörungen. Ein Ungleichgewicht der Geschlechtshormone kann die Funktion der Meibom-Drüsen im Auge stören.

Wie stellt der Arzt fest, ob die Augen zu trocken sind?

Der Augenarzt überprüft die Tränenmenge und die Zusammensetzung des Tränenfilms. Auch Lidstellung, Hornhautoberfläche und Tränendrüsenfunktion kann er so beurteilen. Um zu messen, nach welcher Zeit der geschlossene Tränenfilm auf der Augenoberfläche erste Risse zeigt, färbt der Augenarzt die Tränenflüssigkeit mit einer fluoreszierenden Flüssigkeit an.

Beim sogenannten Schirmertest legt der Arzt einen kleinen Filterstreifen ins Auge. Nach fünf Minuten überprüft er, wie sehr die Tränenflüssigkeit den Filterstreifen befeuchtet hat.

In jedem Fall ist es wichtig, gereizte oder gerötete Augen vom Arzt untersuchen zu lassen: Möglicherweise steckt dahinter eine Bindehautentzündung. Besonders vorsichtig sollten Diabetiker sein. Ihre Augenoberflächen sind wegen der durch die Zuckerkrankheit geschädigten Nerven häufig unempfindlich, so dass sie trockene Augen oft nicht bemerken. Dadurch drohen folgenschwere Hornhautverletzungen unbemerkt zu bleiben.

Wieso sind Menschen gefährdet, die viel am Computer arbeiten?

Bei der konzentrierten Arbeit am Bildschirm blinzeln Betroffene nur noch ein- bis zweimal pro Minute, normal sind zehn bis fünfzehn Mal. Das Blinzeln ist wichtig, denn erst der Lidschlag verteilt den Tränenfilm gleichmäßig auf der Oberfläche des Auges. Zudem reinigt er das Auge, schützt vor Krankheitserregern und gleicht Hornhautunregelmäßigkeiten aus und ermöglicht so das Scharfsehen.

Woraus besteht der Tränenfilm?

Der Tränenfilm ist aus mehreren Schichten aufgebaut: Oben liegt eine fettige Phase mit Lipiden aus den sogenannten Meibom-Drüsen. Darunter folgt eine wässrige Phase, die aus der Tränendrüse stammt. Für die Anhaftung an der Augenoberfläche sorgt eine Schleimschicht darunter, die von Zellen der Bindehaut produziert wird.

Müssen Menschen mit trockenen Augen fürchten, zu erblinden?

Es besteht kein Grund zur Panik, doch vor allem Menschen mit chronischen entzündlichen Krankheiten sollten vorsichtig sein. Bei diesen Patienten können Binde- und Hornhaut so stark beschädigt werden, dass sie tatsächlich erblinden. Die meisten Betroffenen mit trockenen Augen, die ansonsten gesund sind, leiden zwar unter der Störung, müssen aber keine Folgen befürchten.

Wie funktioniert die Selbstbehandlung bei verstopften Meibom-Drüsen?

Patienten sollten sich von ihrem Augenarzt zeigen lassen, wie sie richtig vorgehen. Zunächst werden die Lidränder gründlich gereinigt. Dann erwärmen 42 bis 43 Grad Celsius warme Kompressen oder erwärmbare Augenmasken fünf bis zehn Minuten lang die Augen. Sobald die Kompressen abgekühlt sind, müssen sie wieder erwärmt werden, weil sonst das Sekret in den Drüsen nicht ausreichend flüssig wird. "Dann mit Wattestäbchen die Drüsen Richtung Lidkante ausmassieren", sagt Augenärztin Birgit Gensch-Hager von der Technischen Universität München. Die Prozedur sollten Betroffene mindestens drei Monate lang täglich ein- bis zweimal für jeweils fünf bis zehn Minuten durchführen.

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insgesamt 4 Beiträge
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    Seite 1    
1. Allergie ?
jackjackjack 13.05.2013
keine Ahnung wie viele wissen, dass sie vielleicht allergisch mit den Augen reagieren ? Warum wird hier nicht Cromoglicin-Säure (rezeptfrei) erwähnt ? Hilft mir extrem gut. Ohne würde ich kein Frühling überleben
2.
defycgn 14.05.2013
Weil es hier um Sicca geht und nicht um Allergien?
3. Mit kontrollierter Befeuchtung der Raumluft...
marbh 14.05.2013
...würde das Problem vermutlich nicht existieren.
4. Nano Lutein
spon-facebook-10000177130 26.09.2013
Ich leide leider auch an trockenen Augen und meine Arbeit macht das nicht besser - ich sitzte ganzen Tag vor dem Rechner und schaue gleich auf mehrere Monitore. Ich habe schon viel versucht diverse Gels und Augentropfen - hatte aber immer gerötete Augen. Vor zwei Wochen bin ich auf das so genannte Nano Lutein gestoßen und ich dachte mir versuch ich halt mal und ich bin sehr zufrieden damit. Die Rötung vom Auge ist komplett weg - auch wenn ich mal wenig Schlaf habe sind meine Augen am nächsten Tag wieder fit. Ich habe auch nicht mehr so oft das Gefühl, dass meine Augen trocken sind. Ich kann diese Tropfen echt nur weiterempfehlen. Hier der Link wo man sich die Tropfen bestellen kann: http://goo.gl/59yxNO
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  • Gerlinde Gukelberger-Felix hatte bereits während ihres Physikstudiums in Karlsruhe und den USA mit Biologie und Medizin zu tun. Sie arbeitet als freie Wissenschafts- und Medizinjournalistin.
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