Umstrittener Unkrautvernichter EU-Kommission verlängert Glyphosat-Zulassung

Jetzt ist es offiziell: Die EU-Kommission hat die Zulassung des umstrittenen Herbizids Glyphosat für 18 Monate verlängert. In dieser Zeit soll ein weiteres Gutachten zu möglichen Gesundheitsrisiken entstehen.

Bauer bei der Arbeit (Archivbild)
DPA

Bauer bei der Arbeit (Archivbild)


Die EU-Kommission verlängert die Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat in Europa bis Ende 2017. Das teilte die Brüsseler Behörde am Mittwoch mit. In dieser Zeit soll die europäische Chemikalienagentur Echa ihre Bewertung vorlegen.

Bereits am Dienstag hatte die EU-Kommission angekündigt, das Mittel weiter zulassen zu wollen. Die Entscheidung fiel nun in letzter Minute. Die aktuelle EU-Zulassung für die Substanz wäre mit dem Monatsende am Donnerstag ausgelaufen.

Die EU-Kommission hatte eigentlich darauf gedrängt, dass die EU-Staaten über die weitere Zulassung des weitverbreiteten Unkrautvernichters entscheiden. Doch unter nationalen Vertretern war über Monate nicht die nötige Mehrheit für eine Verlängerung der aktuellen Genehmigung oder eine Neuzulassung zustande gekommen. Am Freitag scheiterte eine letzte Abstimmung, bei der Deutschland sich enthalten hat.

EU-Mitgliedstaaten konnten sich nicht einigen

Glyphosat steht im Verdacht, Krebs zu erregen. Verschiedene Behörden sind sich bei der Bewertung allerdings uneins. Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) kam zum Schluss, dass Glyphosat wahrscheinlich krebserregend beim Menschen ist. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) sowie die Arbeitsgruppe Joint Meeting on Pesticide Residues (JMPR) urteilten dagegen, dass Glyphosat kein Risiko darstellt, wenn es sachgemäß verwendet wird.

Die Gremien beschäftigen sich dabei mit unterschiedlichen Fragen: Bei der IARC geht es - unabhängig von Einsatzszenarien oder Dosierung - um mögliche Krebsgefahren. Bei JMPR und Efsa geht es um praktische Fragen: In welchen Konzentrationen oder bei welchen Aufnahmeformen könnte ein Stoff gesundheitsschädlich sein?

Glyphosat ist das weltweit am meisten verwendete Herbizid, in Deutschland wird es auf knapp 40 Prozent der Ackerfläche eingesetzt. Experten warnen, dass Landwirte nach einem Verbot auf eine Mischung verschiedener Herbizide ausweichen werden, die sie als problematischer als Glyphosat einschätzen.

insgesamt 19 Beiträge
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AllesKlar2014 29.06.2016
1. Brüssel vergiftet ganz Europa
Brexit-Exit-Exodus. Die EU manifestiert sich immer mehr zum Totengräber Europas. Niemand will das. Auf externe Veranlassung jetzt schnell noch `CETA, FRACKING -schon erfolgt- TTIP ...durchwinken. Solange Fussball, Urlaub und paar willkommene IS-Attentate die Schlagzeilen dominieren. Merk(el)t ja keiner... oder doch???
obertroll 29.06.2016
2. Willkommen im Superstaat EU
Wo eine ungewählte Kommission weitreichende Entscheidungen, über die Köpfe von Parlament und Regierungen hinweg, trifft.
volker w. rieble 29.06.2016
3. Glyphosat und andere Nettigkeiten
Zuerst der Brexit. Dann die CETA Entscheidung des Herrn Juncker. Und jetzt also diese Verlängerung für ein Herbizid, dessen Gesundheitsgefährdung aus vielen Ländern bekannt geworden ist. Diese EU ist nicht zu retten. Ich stimme den Populisten Europas zu, weg mit diesem System. Es lässt sich auch nicht reformieren. Siehe oben. Dann lieber ein Ende mit Schrecken usw. Sic.
twa63 29.06.2016
4. Wie dieses
...ausfällt, ist ja wohl klar.
tonyphlex 29.06.2016
5. Das stinkt
Da eine Kommision auch nur aus Menschen besteht, aber diese Menschen gegen den Willen der Mehrheit und für die Interessen von Konzerne entscheiden, liegt die Vermutung sehr nahe, dass diese Menschen selbst ein Interesse an einer Verlängerung haben und mit Sicherheit nicht, weil sie in geschenktem Glyphosat baden wollen. Spätestens seit Schröder wissen wir, dass "Volksvertreter" für "ihre" Zukunft "gut" sorgen.
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