Umstrittener Unkrautvernichter EU vertagt erneut Glyphosat-Entscheidung

Die Zukunft von Glyphosat in Europa bleibt zunächst offen. Eine weitere Abstimmung über die Zukunft der Agrarchemikalie ist ohne Ergebnis geblieben. Nun soll es ein Vermittlungsverfahren geben.

Verpackung eines Unkrautvernichtungsmittels, das Glyphosat enthält
DPA

Verpackung eines Unkrautvernichtungsmittels, das Glyphosat enthält


Im Dauerstreit um die Zulassung des Unkrautvernichters Glyphosat haben sich die EU-Staaten erneut nicht einigen können. Im zuständigen Fachausschuss in Brüssel kam keine qualifizierte Mehrheit für den Vorschlag der EU-Kommission zusammen, die Zulassung um fünf Jahre zu verlängern. Das teilte die Kommission mit. Aber auch gegen diesen Vorschlag gab es keine qualifizierte Mehrheit. Die EU-Kommission erklärte anschließend, dass es nun ein Vermittlungsverfahren geben soll.

Die Zulassung des Mittels läuft am 15. Dezember aus. An Glyphosat gibt es viel Kritik. Einerseits ist der Unkrautvernichter sehr wirksam, gilt als preiswert und wird weltweit genutzt. Denn als Total-Herbizid wirkt Glyphosat auf sämtliche grüne Pflanzen. Es hat damit ein so breites Spektrum wie kaum ein anderer Herbizid-Wirkstoff. Andererseits steht Glyphosat auch im Verdacht, Krebs zu erregen und die Umwelt zu schädigen.

Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO), abgekürzt IARC, stufte den Unkrautvernichter 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" für Menschen ein. Die Lebensmittelbehörde Efsa und die Chemikalienagentur Echakamen dagegen zu dem Ergebnis, dass die verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse für eine solche Einstufung nicht ausreichten.

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Auch eine andere WHO-Untersuchung der Arbeitsgruppe "Joint Meeting on Pesticide Residues" (JMPR) kam zu dem Schluss, dass Glyphosat für Verbraucher keine Gesundheitsgefahr darstellt. Umweltschützer zweifeln an der Aussagekraft der zugrundeliegenden Studien.

Fünf Jahre? Zehn Jahre? Oder sofortiger Stopp

Kompliziert wird die Lage aber auch dadurch, dass sich die einzelnen Bewertungsgremien mit verschiedenen Fragen beschäftigen. Der IARC geht es darum, ob eine Substanz generell Krebs beim Menschen auslösen kann. Es geht aber nicht darum, wie groß die Gefahr ist. Dem JMPR hingegen geht es, ähnlich wie der Efsa, um praktische Fragen wie: Könnte über die Nahrung eine gefährlich hohe Menge des Unkrautvernichters Glyphosat aufgenommen werden?

Die EU-Kommission hatte ursprünglich eine zehnjährige Verlängerung angestrebt, das EU-Parlament forderte ein Aus für das Herbizid in spätestens fünf Jahren sowie klare Anwendungsbeschränkungen.

Deutschland enthielt sich bei der Abstimmung abermals, weil die bisherige schwarz-rote Regierung bei dem Thema uneins ist und in einer möglichen Jamaika-Koalition die Grünen eine Verlängerung der Lizenz sehr kritisch sehen. 14 der 28 Mitgliedstaaten stimmten für den Vorschlag der Kommission, darunter die wichtigen Agrarländer Dänemark und die Niederlande.

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Dagegen stimmten neun Länder, unter ihnen Österreich, Belgien und Frankreich. Zusammen mit Deutschland enthielten sich insgesamt fünf Staaten, auch Bulgarien, Polen, Portugal und Rumänien.

"Die Europäische Kommission muss endlich einsehen, dass es höchste Zeit ist, das Ende von Glyphosat einzuläuten", sagte der Agrarexperte der Grünen im Europäischen Parlament, Martin Häusling. "Auf keinen Fall darf die Kommission vor Monsanto einknicken, aus Furcht, bei einer Nicht-Verlängerung Strafzahlungen an den Chemie-Giganten leisten zu müssen."

Der US-Chemiekonzern Monsanto, den der deutsche Konkurrent Bayer übernehmen möchte, hatte Glyphosat entwickelt. Vertrieben werden glyphosathaltige Mittel aber auch von Dutzenden anderen Herstellern.

chs/dpa/AFP

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