Pestizid Glyphosat Wahrscheinlich krebserregend, wahrscheinlich nicht...

Der Streit über das Pestizid Glyphosat geht in die nächste Runde: Die zuständige EU-Behörde Efsa erklärt es für "wahrscheinlich nicht krebserregend". Jüngst war die Internationale Agentur für Krebsforschung zu einem anderen Schluss gekommen.

Glyphosat-Einsatz in den USA (Archivbild): Viel genutzt, stark umstritten
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Glyphosat-Einsatz in den USA (Archivbild): Viel genutzt, stark umstritten


Glyphosat ist nicht nur eines der am häufigsten genutzten Pestizide, es ist auch das umstrittenste. Erst im Juli stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) den Unkrautvernichter als "wahrscheinlich krebserregend" ein.

Nun meldet sich die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit, Efsa, zu Wort und teilt mit: "Es ist unwahrscheinlich, dass Glyphosat eine krebserregende Gefahr für den Menschen darstellt." Im Juni 2016 läuft die Zulassung des Pestizids in der EU aus, der Bericht der Efsa ist bei der Entscheidung relevant, ob sie verlängert wird.

Die Behörde schlägt vor, einen neuen Grenzwert für die akute Aufnahmemenge von Glyphosat, etwa während einer einzigen Mahlzeit, einzuführen und die Höchstgrenze auf 0,5 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht zu setzen.

Der bisher bestehende Grenzwert für die regelmäßige tägliche Aufnahme soll hingegen von 0,3 auf 0,5 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht erhöht werden. Die Efsa begründet die vorgeschlagene Erhöhung damit, dass sich die Rechtsgrundlage verändert habe. Bisher habe die tägliche Aufnahme keinerlei Effekt im Körper bewirken dürfen, weder negativ noch positiv. Neuerdings dürfe die Aufnahme lediglich keinen gesundheitsschädlichen Effekt bewirken.

Wie kommt es zu unterschiedlichen Bewertungen?

Die aktuelle Studienlage ausgewertet hat nicht die Efsa direkt, sondern das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), weil Deutschland der Berichterstatter für die gemeinschaftliche Prüfung und Bewertung von Glyphosat ist, wie das BfR mitteilt.

Es habe mehr als tausend Studien, Dokumente und Veröffentlichungen geprüft und ausgewertet und sich auch der IARC-Monografie gewidmet. Die IARC stützt sich bei ihrer Bewertung ebenfalls auf eine Fülle von Untersuchungen.

Die Efsa hat nach eigenen Angaben mehrere Studien bewertet, die von der WHO-Agentur nicht mit einbezogen worden waren. Zudem gibt es unterschiedliche Ansätze: Während die Efsa nur die Wirkung von Glyphosat bewertet hat, beurteilte die IARC auch Mittel, in denen Glyphosat enthalten ist. Also die Frage, ob die auf dem Wirkstoff basierenden Pestizide krebserregend sind.

Und in entscheidenden Punkten gehen die Meinungen der Experten auseinander: Die Efsa bezieht sich unter anderem auf neun Langzeitstudien mit Ratten, deren Ergebnis sie als beruhigend einstuft - es sei keine wesentliche Zunahme von Tumoren festgestellt worden. Die IARC hatte dies laut Efsa anders gesehen.

Grundsätzlich gilt: IARC und Efsa haben unterschiedliche Aufgaben. Die IARC ermittelt in erster Linie, wie stark die Beweislage dafür ist, dass etwas beim Menschen Krebs auslöst - und nicht, wie stark der Effekt ist. Die Efsa und das BfR dagegen betreiben Risikobewertung: Sie treffen also Aussagen darüber, in welchen Konzentrationen oder bei welchen Aufnahmeformen etwas gesundheitsschädlich ist, weshalb sie auch Grenzwerte vorschlagen.

Um es mit einem anderen aktuellen Fall zu vergleichen: Wenn die IARC Wurst und Schinken als sicher krebserregend einstuft, folgt daraus folgerichtig nicht ein sofortiges Verbot der Fleischwaren. Aber die zuständigen Stellen werten aus, ob sie nicht ihre Empfehlungen verändern - und zum Beispiel zu einem maßvolleren Wurstverzehr raten.

Umweltschützer kritisieren die Efsa

Die Grünen verurteilten den Efsa-Bericht scharf. Der Europaparlamentarier Martin Häusling forderte: "Keine Wiederzulassung ohne Klärung aller offenen Fragen und bis dahin Anwendungen aussetzen." Auch Umweltschützer reagierten enttäuscht. "Würde Glyphosat verboten, wäre die industrialisierte Landwirtschaft, die ohne den massiven Einsatz von Spritzmitteln nicht auskommt, grundsätzlich infrage gestellt", kommentierte der BUND.

wbr/AFP/dpa

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ihawk 12.11.2015
1. Der Hersteller von Glyphosat
... ist der Konzern - ja richtig, es ist Monsanto. Dem Konzern Monsanto kann man aus einer schier unendlichen Liste von Gründen nicht über den Weg trauen ... unter anderem wurde in den USA aufgedeckt, dass Monsanto "wissenschaftliche Gutachten" finanziert hat, die Glyphosat verharmlosen und als den Segen der Menschheit darstellen. Wer die Geschäftspläne von Monsanto kennt (die machen kein Geheimnis daraus), der weiß um den imperialen Anspruch dieses Konzerns - ähnlich wie die Bank Goldman Sachs nach dem Vorbild der Mafia strukturiert und ebenso skrupellos. Eines der wichtigsten Gründe TTIP & Co zu verhindern ist, Monsanto und seinen Lizenznehmern den Zugang zum europäischen Markt zu verbauen. Wenn eines Tages dreiköpfige Frösche in unseren Wiesen quaken, dürfte es zu spät sein, sich gegen das Teufelszeug von Monsanto zu wehren. Nur zutiefst korrupte Politiker können vor diesem Treiben eines kriminellen Konzerns die Augen verschließen.
mischamai 12.11.2015
2. Lobbyaussage
Wer glaubt denn an solch alberne Antworten?Bald kommt die Zigrettenindustrie und behauptet dass Rauchen unschädlich sei und die Brandweinindustrie sagt dass Alkohol doch nicht betrunken macht.
melnibone 12.11.2015
3. Man stelle ...
sich ein Zustande gekommenes TTIP oder CETA Abkommen noch als Beiwerk vor!! Der ´blaue´ Planet! Lach ...
iambellerophon 12.11.2015
4. ganz egal
oder? wahrscheinlich wird damit ne menge geld gemacht? das ist wirklich grenzwertig was da produziert wird und auf den acker kommt, heiliger monsanto lass hirn regnen statt rauten!
Fuscipes 12.11.2015
5.
"Die Behörde schlägt vor, einen neuen Grenzwert für die akute Aufnahmemenge von Glyphosat, etwa während einer einzigen Mahlzeit, einzuführen und die Höchstgrenze auf 0,5 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht zu setzen", soso, nachdem der Verdacht auftaucht, der Stoff könne krebserregend sein möchte man den Grenzwert erhöhen, das passt nicht zusammen.
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