Modesport Golf: Stößchen, ihr Steuervermeider

Au weia. Hobbyläufer Achim Achilles ist in den Osterferien unabsichtlich unter Golfer geraten, Menschen mit Problemschuhen und Frühbierbedarf. Fazit: Golf ist wie Nordic Walking - zehn Prozent Ernsthafte werden von 90 Prozent Honks überrannt.

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Corbis

Golfer: Der Mehrheit geht es nicht um Sport

Preisfrage: Wer hat morgens um halb zehn ein Bier am Hals, saugt zugleich am Zigarillo und bellt Kommandos zum Performance-Steigern im heimischen Betrieb ins Handy-Headset? Richtig - ein Golfer. Als vorurteilsfreier Mensch dachte ich stets, diese Zeitgenossen sind gar nicht so endharaldglööcklerartig wie man immer sagt, und ich bin nur ein frustrierter Sozialneider.

Dann hatte Mona versehentlich dieses Hotel für die Osterferien gebucht. Nette Gegend, Wetter okay, aber auffallend viele Menschen mit Problemschuhen, Rollatoren mit Schlägertaschen und Meeren geplatzter Äderchen im Gesicht. Betty-Ford-Klinik? Nein, hoher Golfer-Anteil. Ich wollte eigentlich laufen, traute mich aber kaum vor die Tür, weil Querschläger und Frühbier-Standarten aus allen Richtungen kamen. Nach drei Tagen Beschuss wissen wir nun: Golfer sind gar nicht so wie man immer meint - sondern gerade in Horden noch viel schlimmer.

Mitläufer in Polo-Sankt-Moritz-Hemdchen

Golf ist wie Nordic Walking: Zehn Prozent ernsthafter Sportler können sich gegen die 90 Prozent röhrender Mitläufer in Polo-Sankt-Moritz-Hemdchen nicht behaupten. Dieser Mehrheit geht es nicht um Sport, schon gar nicht um Wettbewerb, sondern schlicht um eine niedrigschwellige Brückenbeschäftigung zwischen zwei promillehaltigen Orgien, die dröhnend als genussreiche Lebensfreude deklariert werden. So mögen wir ihn, unseren Steuervermeider mit Tagesfreizeit - Stößchen!

Dabei ist Golf vor allem der zuverlässigste Weg zu Übergewicht und Bluthochdruck. Oder hat es mit den bei diesem Zeitvertreib überrepräsentierten Berufsgruppen zu tun: Fleischgroßhandel, Strukturvertrieb, was mit Mädchen oder Immobilien? Hier werden tapfer die Sal.-Oppenheim-Schirmmützen aufgetragen. Man hat ja sonst auch kaum was zum Anziehen, mit Stil schon gar nicht.

"Das müssen Sie mal probieren!"

Klar, wer es weder zum Oligarchen noch zum Schalke-Präsidenten gebracht hat, der macht im Golfclub den dicken Maxe. Früher traf sich dieses IchwarfastschonmalinderBunten-Klientel beim Tennis. Dann kamen Boris und Steffi und haben den edlen weißen Sport proletarisiert. So blieb der Golfplatz das letzte Refugium der wirklich Reichen. Doch auch diese Bastion war gegen die Generation Bohlen nicht zu verteidigen. Die Elite des Landes verzog sich auf die Hochseeyacht. Golf wurde zur Beute von mageren Frauen in Silberslippern und ihren adipösen Ernährern.

Ach, wie faszinierend, sagen diese Menschen in einem kollektiven Missionierungsbedürfnis, so ein kleiner Ball in so viel Gegend. Das müssen Sie mal probieren! Nein, Frau Broilerbraun, das muss ich nicht, sonst würde ich noch mehr Menschen wie Sie treffen. Ich mag aber keine Salami-Hobbys, wo sehr selten nur ein genießbares Menschenkind zwischen ziemlich vielen Resten schimmert.

Wenn es wirklich so spannend ist, irgendwas ganz Kleines ganz genau zu treffen, dann kann ich mir auch mit einem Hämmerchen auf dem Ellbogen herumklopfen mit dem Ziel, den Musikantenknochen mit dem ersten Hieb zu aktivieren. So würde wenigstens dieser absurd hohe Landschaftsverbrauch gemindert. Nirgends ist das Missverhältnis zwischen Flächen- und Kalorienbedarf eklatanter als Golf.

Schlägerschwinger mit Segways

Aber es seien doch so schöne "Anlagen", entgegnet der Golfer. Eben dieses Zeranlagte ist ja das Problem, vor allem im Landschaftsschutzgebiet. Mit Natur haben Golfplätze so viel zu tun wie Silikonbeutel mit Erotik. Immerhin viel frische Luft, sagt der Golfer. Aber kein Sport. Denn damit kein Bewegungsrisiko aufkommt, heizen die Schlägerschwinger mit Segways oder Elektrokarren über den Platz, wo ja zum Glück keine Alkoholkontrollen lauern.

Hört, hört: E-Mobility. Haben wir es hier gar mit einer zukunftsorientierten Clique zu tun? Natürlich nicht. Draußen, auf dem Parkplatz stehen die zwei Tonnen schweren Geländekarren mit je 400 PS, die so gestrig sind wie ihre Besitzer: zu laut, zu dick und saufen zu viel.

Wie Schach (Steinbrück), Reiten (Westerwelle) oder Pilates (der Rest) gehört Golf zu jenen Integrationsangeboten, die selbst größten Bewegungsuntalenten das Gefühl geben, irgendwie mit dabei zu sein. Denn auch der Trottel von der Unternehmensberatung kann dank der hilfreichen Handicap-Regelung gewinnen. Sitzenbleiben verboten. Nach Golfregeln könnte Reiner Calmund fortan am olympischen 100-Meter-Finale teilnehmen; sein Startblock würde 70 Zentimeter vor der Ziellinie montiert. Während Usain Bolt die ganze Strecke sprintet, muss Calli nur aufstehen und wieder hinfallen. Klingt fair. Kommunismus ist eben eine prima Sache, wenn sie den Zielen der herrschenden Klasse dient.

Hier kann jeder gewinnen: Im großen Osterkalender verschenkt Achim Achilles bis Ostermontag jeden Tag tolle Preise.

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insgesamt 210 Beiträge
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    Seite 1    
1. Sportler
darthmax 26.03.2013
Ich wusste garnicht, dass frustrierte Menschenhasser Sport betreiben. Ich habe Sportler jedenfalls immer als aufgeschlossene Menschen kennengelernt. Ist doch schön, wenn es selbst für die Calmunds noch eine Bewegungsmöglichkeit gibt, da muss man den nicht damit angeben, dass man läuft, denn auch dieses Laufen ist international im Vergleich zu Spitzenläufern nur mit Handicap erträglich. Der Achim kriegt dann eben 90 meter vor , ok ?
2. Best of...
tzoumaz 26.03.2013
Achilles. Selten so gelacht. VOLLTREFFER! nicht nur in Rhetorik! Das schneide ich mir aus...für meine Golf Spezies.
3. Mein Tag
SirLurchi 26.03.2013
Großartiger Artikel - und so wahr, wenn ich mir die Golfer im Betrieb anschaue!^^ Mein Tag ist gerettet!
4. Unfassbar
axman76 26.03.2013
Sehr geehrter Autor, soviel Ingnoranz und Dummheit habe ich selten gesehen. Wie kommen Sie eigentlich dazu, nach einem Kurzbesuch im Golfclub eine gesamte Sportar so zu pauschalisieren? Golfer sind also alles steinreiche Millonäre mit Krampfadern und Alkohlproblemen? Und Sie, als "Läufer" die Spitze der Schöpfung? Was bilden Sie sich denn ein.... Unfassbar, wie SPON es einem "Autor" wie Ihnen erlaubt, seinen nonsense unters Volk zu bringen, armes Deutschland.....
5. .
cekay1 26.03.2013
Herrlich in die Pfanne gehauen! ;) Man muss aber sagen, dass die wenigsten dauerhaft dabei bleiben, wenn sie nicht besser spielen werden und dafür muss man regelmässig üben, was tatsächlich in Bewegung ausartet.
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ZUR PERSON
  • Beatrice Behrens
    Achim Achilles

    Jahrgang 1964. Lebt verheiratet mit einer verständnisvollen Frau in Berlin, läuft aber überall, wo es wehtut. Motto des Wunderathleten und Kolumnisten: "Qualität kommt von Qual." Dabei ist es dem Vater eines lauffaulen Jungen egal, dass er trotz intensiven Trainings kaum von der Stelle kommt. Für ihn ist der Weg das Ziel. Seine Lieblingsfeinde auf dem Weg zum Ziel sind Walker und andere Pseudosportler.