Grafik des Tages So viel bringt das Mammografie-Screening

Um die regelmäßige Brustkrebs-Vorsorge wird heftig gestritten: Kann das Screening tatsächlich Leben retten - oder schadet es mehr Frauen? Was davon stimmt, zeigt unsere Infografik.

Lohnt sich die Mammografie? Neue Erkenntnisse sprechen eher gegen das Screening

Rund 2,7 Millionen Frauen gehen in Deutschland jedes Jahr zur Mammografie. Brustkrebs soll auf diesem Weg frühzeitig erkannt werden, um die Chancen einer erfolgreichen Behandlung zu steigern. In wissenschaftlichen Studien wird der Nutzen des Screenings aber zunehmend angezweifelt.

Unsere Grafik zeigt eine Auswertung von Daten des Nordic Cochrane Centre in Kopenhagen für über 50-jährige Frauen. Demnach stirbt von 1000 Frauen durch die Früherkennung eine weniger an Brustkrebs. Allerdings sterben gleich viele Frauen an Krebs wie in der nicht mammografierten Gruppe. Und jene Frau, die zwar durch die Mammografie nicht an Brustkrebs stirbt, stirbt statistisch gesehen an einem anderen Krebs.

Zudem kann die Mammografie Schaden anrichten, nämlich wenn gesunde Frauen einen falschen Befund bekommen und unnötigerweise behandelt werden. Von 1000 Frauen, die am Screening teilnehmen, werden durchschnittlich 100 fälschlicherweise alarmiert. Und fünf von ihnen wird im Verlauf der Behandlung sogar ein Teil oder die gesamte Brust entfernt.

"In der Tendenz eher gegen das Screening"

Mediziner fordern deshalb nun, das Screening neu zu bewerten und gegebenenfalls zu stoppen. So räumte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL ein: "Alle neuen Erkenntnisse sprechen in der Tendenz eher gegen das Screening." Auch Ingrid Mühlhauser vom Fachbereich Patienteninformation und -beteiligung des Netzwerks Evidenzbasierte Medizin sagt, es müsse eine öffentliche Debatte darüber geben, ob das Screening gestoppt werden soll.

In einem Artikel im "Ärzteblatt" äußert sich Tatjana Heinen-Kammerer, Leiterin der Geschäftsstelle der "Kooperationsgemeinschaft Mammographie" zur Kritik: Man solle den in Deutschland noch zu erhebenden Daten nicht vorgreifen. Nach der flächendeckenden Implementierung eines Screening-Programms müsse man mit neun bis zwölf Jahren rechnen, bis man Effekte messen könne. "Früher kann sich ein Effekt auf die Sterblichkeit gar nicht zuverlässig nachweisen lassen", sagt Heinen-Kammerer.

Fest steht, dass der Nutzen der Mammografie massiv überschätzt wird: Jede zweite Frau ist einer Umfrage zufolge falsch oder unzureichend über das Screening-Programm informiert. 30 Prozent der Befragten glaubten demnach, dass eine Mammografie vor Brustkrebs schützt. Es ist eine Verwechslung, die immer wieder gemacht wird, aber nur schwer aus den Köpfen zu verbannen ist: Eine Untersuchung zur Früherkennung wie die Mammografie oder die Ermittlung des PSA-Werts bei Männern ist keine Vorsorgeuntersuchung. Und sie schützt nicht vor der Entstehung von Krebs. Sie ist - wenn überhaupt - lediglich dazu geeignet, Tumoren frühzeitig zu erkennen.

che/cib

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insgesamt 61 Beiträge
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Seite 1
kumi-ori 24.07.2014
1. Das ist Quatsch
Zitat von sysopDER SPIEGELUm die regelmäßige Brustkrebs-Vorsorge wird heftig gestritten: Kann das Screening tatsächlich Leben retten - oder schadet es mehr Frauen? Was davon stimmt, zeigt unsere Infografik. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/grafik-des-tages-brustkrebs-so-viel-bringt-das-mammografie-screening-a-982523.html
Keine Frau wird allein auf Grund des Mammographie-Ergebnisses behandelt. Bei vielen Frauen wird in der Mammographie ein verdächtiger Befund erhoben. Der wird aber erst einmal abgeklärt und erst dann, wenn eine eindeutige Diagnose vorliegt, werden die Patientinnen operiert. Dasselbe Problem würde sich übrigens bei jeder Brustkrebsvorsorge stellen. Auch beispielsweise das Abtasten liefert noch keine eindeutige Krebsdiagnose, sondern ein verdächtiger Knoten müsste erst genau untersucht werden, bevor man Schritte ergreift. Der einzige Unterschied ist der, dass man beim Abtasten nur Knoten in der Peripherie findet, während die Mammographie auch solche aus dem Inneren des Gewebes ans Tageslicht bringt. Insofern müsste man bei dieser Logik auch vor der Untersuchung durch Abtasten und am besten vor jeder Krebsvorsorge warnen. Selbst wenn der Tumor so groß ist, dass er schon sichtbar hervortritt, könnte es sich noch um eine Zyste oder ein harmloses Fibroadenom handeln.
kumi-ori 24.07.2014
2. Glauben diese Frauen auch, ...
Zitat von sysopDER SPIEGELUm die regelmäßige Brustkrebs-Vorsorge wird heftig gestritten: Kann das Screening tatsächlich Leben retten - oder schadet es mehr Frauen? Was davon stimmt, zeigt unsere Infografik. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/grafik-des-tages-brustkrebs-so-viel-bringt-das-mammografie-screening-a-982523.html
... dass das Röntgen von Arm- oder Beinknochen vor Knochenbruch schützt?
medi_ 24.07.2014
3. Was will der Spiegel eigentlich?
Nachdem vorgestern die Koronarinterventionen für 1.) zu häufig durchgeführt und 2.) zusammenfassend unnütz erklärt wurden, ist jetzt die Mammographie dran? Morgen werden dann Schutzimpfungen für überflüssig erklärt? Was will der Spiegel damit erreichen? Leute verunsichern? Lange Jahre klinischer Erfahrung und umfangreiche epidemiologische Daten werden so einfach ignoriert?
stabilo 24.07.2014
4. Informative Grafik
Verstehe ich die Grafik richtig? In beiden Gruppen sterben jeweils 21 Frauen innerhalb von 10 Jahren an Krebs? An welchem Krebs stirbt die eine Frau, die aufgrund der Mammografie keinen Brustkrebs bekommt ? Also, irgend etwas stimmt da nicht…
lenaddorf 24.07.2014
5.
Meiner Mama wurde dadurch wohl möglich das Leben gerettet!
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